IDEA (Software)

IDEA
Basisdaten
Entwickler Caseware
Aktuelle Version Version 13
Betriebssystem Windows
Kategorie Massendatenanalyse Big Data Prüfungssoftware Digitale Datenanalyse
Lizenz Proprietär
deutschsprachig ja
https://www.caseware.com/de/produkte/idea

IDEA (Interactive Data Extraction and Analysis) ist eine ursprünglich für den kanadischen Rechnungshof entwickelte, seit den 1990er-Jahren auf dem Markt befindliche Software zur Analyse großer Datenmengen.

Bedeutung

IDEA hat seinen Ursprung in der internen Revision und im Controlling und wird heute auch in der Wirtschaftsprüfung in 90 Ländern in unterschiedlichen Bereichen der Datenanalyse verwendet. Seit dem 1. Januar 2002 findet die Software bei der deutschen Finanzverwaltung Verwendung. Auch die Zollverwaltung setzt IDEA seit 2005 im Rahmen der Zollprüfung ein.

IDEA wird vor allem im Rahmen der Außenprüfung zur Analyse von Daten verwendet, auf welche die Finanzverwaltung entsprechend den „Grundsätzen zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“ (GoBD) zugreifen darf. Die derzeit häufigste Zugriffsart ist die Datenträgerüberlassung (sog. Z3-Zugriff), bei der die prüfungsrelevanten Daten dem Betriebsprüfer auf einem Datenträger zu übergeben sind. Die enthaltenen Daten können dann mit IDEA deutlich mehr Funktionsauswertungen unterzogen werden, als dies mit den systemimmanenten Auswertungsmöglichkeiten der bei den Steuerpflichtigen installierten Programmen möglich wäre.

Die besondere Bedeutung von IDEA besteht darin, dass mit dem Einsatz dieses Programms vollständige Prüfungen in kürzester Zeit ermöglicht werden. Zudem entwickelt die Finanzverwaltung ständig neue Prüfungsmakros, mit denen Prüfungsschritte automatisiert ausgeführt werden können. Das Wissen und die Erfahrung einzelner Prüfer werden somit externalisiert und hierdurch grundsätzlich allen Betriebsprüfern zur Verfügung gestellt.

Positionierung

Konzeptionell ist IDEA sowohl mit Tabellenkalkulationssoftware wie Microsoft Excel als auch mit einem Datenbank-System vergleichbar. Auch IDEA verwaltet Daten in Tabellen. Im Gegensatz zu Excel oder einem Datenbank-System sind die Funktionen von IDEA bereits vorgefertigt und für den Prüfer ohne Programmierkenntnisse direkt anwendbar. IDEA ist für die schnelle Verarbeitung sehr großer Datenmengen optimiert. Darüber hinaus werden die durchgeführten Import- und Analyseschritte protokolliert und leisten einen Beitrag für die Nachvollziehbarkeit und den Manipulationsschutz der Prüfung. Die durchgeführten Arbeitsschritte können in Textdokumente exportiert werden, um die Vorgehensweise bei der Analyse zu dokumentieren oder nach erfolgter Ausführung der Prüfung als Makro gespeichert werden.

Zusätzlich zur Software IDEA können Zusatzmodule wie „IDEA App TaxAudit/Tax Audit Professional“ eingesetzt werden. Diese Module importieren zum Beispiel die aus gängigen Finanzbuchhaltungsprogrammen exportierten Daten jeweils über eine herstellerspezifische Schnittstelle (HSS) und erstellen daraus standardisierte Ausgangs- und Prüfertabellen. Mit jährlich aktualisierten Prüfmakros (um z. B. Gesetzesänderungen zu berücksichtigen) lassen sich standardisierte Auswertungen vornehmen. Anhand dieser Auswertungen können weitergehende Detailprüfungen durchgeführt werden. Eine Erweiterung durch eigene Prüfroutinen ist möglich. Ziel ist es, dass der Anwender der Prüfmakros weniger technische und Programmierkenntnisse, sondern nur Sachkenntnisse in der Materie benötigt.

Funktionsumfang

Die Funktionalität von IDEA richtet sich auf die Massendatenanalyse. Folgende wesentliche Funktionalitäten stehen zur Verfügung:

Anwendung

Anwendungsbeispiele sind Prüfungen, ob Mitarbeiter und Lieferanten mit identischen Kontoverbindungen vorhanden sind, oder ob Kontoverbindungen von Lieferanten für einzelne Überweisungstransaktionen verändert und nach Abschluss der Transaktionen wieder in ihren Ursprungszustand zurückgesetzt wurden. Auch die Prüfung der Vollständigkeit von Belegen anhand deren Nummerierung oder das Erkennen von Zeiträumen, in denen keine Belege existieren, sind typische Aufgaben. Welche Prüfungsschritte mit IDEA konkret durchgeführt werden können, hängt vor allem von der Art und Qualität der vorhandenen Daten sowie der Qualifikation des Anwenders ab.

Einzelnachweise

  1. ↑ Krüger, Ralph; Schult, Bernd; Vedder, Rainer: Digitale Betriebsprüfung: GDPdU in der Praxis - Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen, Gabler Verlag, Wiesbaden, 2010, ISBN 978-3-8349-0676-2, S. 52
  2. ↑ Goldshteyn, Michael; Gabriel, Alexandra; Thelen, Stefan: Massendatenanalysen in der Jahresabschlussprüfung - Grundlagen und praktische Anwendungen mit Hilfe von IDEA, IDW Verlag, Düsseldorf, 2013, ISBN 978-3-8021-1883-8, S. 43
  3. ↑ Becker, Axel; Beckmann, Andreas: Digitale Zollprüfung: more data, less opinion, Außenwirtschaftliche Praxis, Sonderausgabe 2015, S. 45–46
  4. ↑ PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft (Hg.): Digitale Steuerprüfung: Herausforderung oder Erleichterung?, PwC, 2012, S. 21
  5. ↑ Eller, Eller, Peter: Elektronische Rechnungsstellung und digitale Betriebsprüfung, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-503-07408-2, S. 94
  6. ↑ Krüger, Ralph; Schult, Bernd; Vedder, Rainer: Digitale Betriebsprüfung: GDPdU in der Praxis - Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen, Gabler Verlag, Wiesbaden, 2010, ISBN 978-3-8349-0676-2, S. 53
  7. ↑ für eine detaillierte Beschreibung siehe Goldshteyn, Michael; Gabriel, Alexandra; Thelen, Stefan: Massendatenanalysen in der Jahresabschlussprüfung - Grundlagen und praktische Anwendungen mit Hilfe von IDEA, IDW Verlag, Düsseldorf, 2013, ISBN 978-3-8021-1883-8, S. 44–61
  8. ↑ Roger Odenthal: Continuous Auditing mit IDEA-Skript: Hand- und Übungsbuch: automatisierte Prüfung betrieblicher Daten. NWB, Herne 2018, ISBN 978-3-482-64960-8.