Ian Monk

Ian Richard Monk (* 1. Januar 1960 in Woking, UK; † 19. September 2025 in Bourges, Frankreich) war ein britischer Übersetzer, Schriftsteller und Sänger. 1998 wurde er zum Mitglied der Oulipo gewählt, seit 2025 ist er „wegen Ablebens von den Sitzungen entschuldigt“.

Leben und Schaffen

In seiner Jugend lebte Ian Monk als Punk in London. Er studierte Klassische Altertumswissenschaft an der University of Bristol. Ende der 1980er Jahre ließ er sich in Frankreich nieder, wo er anfänglich als TELF-Lehrer arbeitete. In den folgenden Jahren übersetzte er u. a. Georges Perec, Hugo Pratt, Jacques Roubaud, Raymond Roussel und Hervé Le Tellier ins Englische. Zu seinen hervorstechenden Übertragungen zählt die von Georges Perecs Revenentes (1972) – ein Roman, in dem nur Wörter mit dem Vokalbuchstaben E vorkommen –, woraus bei Monk The Exeter text: jewels, secrets, sex (1996) wurde. Neben Harry Mathews gilt Monk als wichtigster Übersetzer oulipotischer Werke ins Englische und als deren engagierter Vermittler in die anglophone Welt. Nachdem er mit Mathews am Oulipo Compendium (1998) gearbeitet hatte, wurde er auf dessen Vorschlag hin 1998 in die Werkstatt für potentielle Literatur (Oulipo) gewählt.

Kurz nach seiner Aufnahme in die Oulipo begann Monk, eigene Texte auf Französisch zu schreiben, die u. a. in der Bibliothèque oulipienne erschienen. Beim Großteil seiner Werke handelt es sich um Lyrik und Kurzprosa, die in „ausgefeilte[r] formale[r] Konstruktion eine derbe Sprache“ entfaltet und die von „provokativem und verzweifeltem Humor, von einem schwarzen Humanismus“ gekennzeichnet ist. Zudem schuf Monk neue oulipotische Contraintes, also selbstgesetzte literarische Schreibregeln bzw. Formzwänge, darunter die nach ihm benannte Monkine.

Anfang der 2000er Jahre gründete Monk mit dem Musiker Arnaud Mirland die Band Ian Monk & the outsiders, bei deren Aufnahmen und Auftritten er eigene, z. T. aus seinen Lyrikbänden stammende Texte rezitierte und sang. Als Performer realisierte Monk zahlreiche Lectures, und arbeitete u. a. 2017 mit dem japanischen Künstler Hanako Murakami und 2017–2018 mit der französischen Performancegruppe Superlevure Compagnie.

Monk war verheiratet und hatte in seiner Patchwork-Familie drei Töchter. Nachdem seine jüngste Tochter Émilie infolge von Mobbing in der Schule im Alter von 17 Jahren Selbstmord begangen hatte, fand er deren autobiographische Erzählungen und Gedichte. Diese Texte gaben die Monks zusammen mit eigenen „Stimmen“ unter dem Titel Rester fort (2017) [dt. Stark bleiben] heraus, um den Kampf gegen schulische Gewalt zu unterstützen.

2025 verstarb Ian Monk im Alter von 65 Jahren.

Preise (Auswahl)

Werke (Auswahl)

Gemeinschaftspublikationen

Übersetzungen

Als Liedtexter und Sänger

Anmerkungen

  1. ↑ Die Monkine ist eine Variante der (auf der Sestine basierenden) Contrainte n-ine, in: oulipo.net (2017). Die Monkine ist eine „komplexe Regel, die auf einem sogenannten Quadratischen Reim basiert und die die Anzahl der Buchstaben in jedem Wort der ersten Strophe bestimmt“, nach: Jessica Knipe, Vagabond poet who found his way with words, auf: connexionfrance.com (12. Juli 2018), abgerufen am 27. April 2026 (englisch).
  2. ↑ Émilie Monk et al., Rester fort, Genf: Slatkine et Cie, 2017, ISBN 978-2-88944-028-3.
  3. ↑ Der Bausatz ergibt zwei turmartige Quader, die jeweils an den vier hohen Seitenflächen mit Versen bedeckt sind – pro Seitenfläche 111 Zeilen à 24 Zeichen. Die symmetrische Komposition eröffnet „nahezu unendliche Lesepfade“, je nachdem, ob man von oben nach unten liest oder den Zeilen um je einen Turm herum folgt und/oder auf je einer Zeile zwischen den Türmen hin- und herwechselt. Nach: Rufo Quintavalle, Ian Monk 1960–2025, auf: exactingclam.com (2025); Fotos unter Twin Towers, auf: geoffroy-tory.net (2015), abgerufen am 27. April 2026.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Hervé Le Tellier, Ian Monk, poète, traducteur en anglais de Perec et de Pennac, est mort, auf: lemonde.fr (21. Oktober 2025), abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  2. ↑ Lecture de l’Oulipo Rock’n Roll le 1O mai 2012 à 19h avec Ian Monk & the Outsiders, auf: oulipo.net (2026), abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  3. ↑ Ian, Richard, MONK, décédé(e) le 19 sept. 2025, auf: avis-de-deces.com (2025), abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  4. 1 2 Ian Monk, auf: oulipo.net (2026), abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  5. ↑ Hocine Bouhadjera, Décès de Ian Monk, poète “so very English” devenu figure française de l’Oulipo, auf: actualitte.com (22. September 2025), abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  6. 1 2 3 Frédéric Forte, Ian MONK (1960-2025), auf: sitaudis.fr (2025), abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  7. ↑ Jessica Knipe, Vagabond poet who found his way with words, auf: connexionfrance.com (12. Juli 2018), abgerufen am 27. April 2026 (englisch).
  8. ↑ David Vichnar, The Avant-Postman : James Joyce, the Avant-garde and Postmodernism (PDF, 4,3 MB, S. 110), Paris: Université de la Sorbonne nouvelle und Prag: Univerzita Karlova (2014), online auf: theses.hal.science (23. Juli 2020), abgerufen am 27. April 2026 (englisch).
  9. ↑ Ian Monk, Self-translation / Self-destruction, auf: wordswithoutborders.org (5. Dezember 2013), abgerufen am 27. April 2026 (englisch).
  10. ↑ Ian Monk, Monkine, auf: oulipo.net (2017), abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  11. ↑ Voix d’aujourd'hui 9 - Ian Monk, auf: i-voix.net (18. November 2017), abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  12. ↑ Le fil noir. Compagnie superlevure (PDF, 897 KB, S. 8), auf: superlevure.fr (2021), abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  13. ↑ Christian Lecomte, Emilie, 14 ans, harcelée, humiliée, suicidée, auf: letemps.ch (14. März 2017), abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  14. ↑ Maxime Ricard, "Clocharde", "fayotte"... Des parents publient le récit du calvaire qui a poussé leur fille au suicide, auf: bfmtv.com (20. März 2017), abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  15. ↑ Harcèlement scolaire, des humiliations au suicide, auf: (13. Juli 2018), abgerufen am 27. April 2026 (französisch).
  16. ↑ The Society of Authors (Hg.), French – Scott Moncrieff Prize : Past Winners, auf: societyofauthors.org (2026), abgerufen am 27. April 2026 (englisch).
Personendaten
NAME Monk, Ian
ALTERNATIVNAMEN Monk, Ian Richard
KURZBESCHREIBUNG britischer Übersetzer, Schriftsteller, Sänger; Mitglied der Oulipo
GEBURTSDATUM 1. Januar 1960
GEBURTSORT Woking, Vereinigtes Königreich
STERBEDATUM 19. September 2025
STERBEORT Bourges, Frankreich