Ignaz Oberparleiter

Ignaz Oberparleiter

Ignaz Oberparleiter (* 3. April 1846 in Kaplitz/Kaplice in Südböhmen; † 3. Januar 1922 ebenda) war ein böhmischer Schriftsteller, Musiker und Lehrer. Er verwendete das Pseudonym J. Oberleiter.

Leben

Ignaz Oberparleiter wurde am 3. April 1846 in Kaplitz als zweitältester Sohn eines Schuhmachers geboren. Seinen ersten Unterricht genoss Oberparleiter in seiner Geburtsstadt, die Schule bestand damals nur aus drei Klassen. In Krummau, um dort besuchte er die vierte Hauptschulklasse und wechselte dann an die Unterrealschule. Als unbemittelter Student musste er viele Entbehrungen auf sich nehmen, indem er sich durch Kosttage durchfristete.

Im Jahre 1864 trat er dann zu Budweis ins Pädagogium ein und wurde mit etwa 40 Mitschülern im Seminar untergebracht, doch im Jahre 1866 wurde das Seminar wegen Beginn des Krieges aufgelöst.

In seiner Vaterstadt fand er eine Unterlehrer- oder Gehilfenstelle, 120 Gulden waren sein Jahreseinkommen, um dieses etwas aufzubessern nahm er auch Chordienst hinzu. Durch das neue Schulgesetz wurde es für Ignaz Oberparleiter besser. In kurzer Zeit darauf wurde er Lehrer in Kaplitz und verlegte sich sofort auf das Studium für Bürgerschulen. Im Jahre 1874 wurde er denn auch an der neuerrichteten Bürgerschule daselbst für die erste Fachgruppe angestellt und übernahm nach dem Ableben des Oberlehrers die Stelle eines Chordirigenten an der Dekanalkirche.

Das rege Vereinsleben, das von jeher in Kaplitz herrschte, brachte es mit sich, dass auch Oberparleiter bald ein eifriges Mitglied der meisten dort bestehenden Vereine wurde, so des Gesangs-, des Musik-, des Theater-, des Feuerwehrvereines usw. Er betätigte sich auch als Autor für das neu gegründete Theater seiner Heimatstadt. Aus seiner Feder flossen die Lustspiele „Der ungewöhnliche Weg“, „Das Medaillon“ und „Nachbars Gretchen“.

Außerdem stellte er sich die Aufgabe, durch Heranbildung jugendlicher Musiker nicht nur die Kirchen-, sondern auch die Konzertmusik in Kaplitz zu veredeln, indem er durch viele Jahre ohne jede Entlohnung bis in die Nachtstunden einer großen Anzahl von Schülern und jungen Leuten sowohl im Gesang als auch in Streich- und Blasinstrumenten Unterricht erteilte.

Leider blieb auch eine traurige Folge dieser Überanstrengung nicht aus. Ein schweres, jahrelanges Nervenleiden warf Oberparleiter wiederholt aufs Krankenlager und zwang ihn, mehrfachen Urlaub zu nehmen.

Von dieser Heimsuchung erlöst, kehrte er zu seiner alten Lieblingsbeschäftigung – zur Feder zurück. Die seit dieser Zeit entstandenen Arbeiten sind größtenteils veröffentlicht worden. Mit der Bühnentechnik vertraut, erschien von ihm das Volksstück mit Gesang in vier Akten: „Der Zankapfel“, ein Volksstück im besten Sinne des Wortes. Personen und Verhältnisse sind scharf und treffend gezeichnet, die Führung der Handlung ist vorzüglich und schreitet von Szene zu Szene in sicher berechnetem Zusammenhang vorwärts. Besonders ist der zweite Akt am besten gelungen, weil er echtes dramatisches Leben besitzt und wohl am besten die Volksseele und das Volksleben kennzeichnet.

Auch in den zahlreichen poetischen Arbeiten Oberparleiters offenbart sich ein wirkliches Talent. Es wären zu nennen unter anderen die Erzählungen: „Oberförster Reinhard“, „Fritz Ernold“, „Die Waldlene“ und die aus echter Frohnatur geschriebenen Humoresken: „Hoher Besuch“ und „Der Dilettant“. Die Erzählung „Das Vermächtnis“ wurde von dem Bunde der Deutschen in Böhmen mit dem ersten Preise bedacht. Auch erhielt er zweimal von der Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen auf die Prüfung seiner eingesandten Werke hin eine geldliche Zuweisung.

Außer dem genannten Volksstücke entstammen seiner Feder die beiden Volksstücke: „Die Scheinheiligen“ und „Der Irrlichthof“, welche in Budweis und Umgebung mehrere Male zur Aufführung gelangten. Das Lustspiel „Die Bombe“ ließ er wegen seiner fortschreitenden Krankheit unveröffentlicht in seinem Schreibtische liegen.

Nach zweitägigem Krankenlager verstarb er am 3. Jänner 1922 an einer Lungenentzündung.

Im August 1925 brachte die Heimatgruppe Kaplitz des Sudetendeutschen Heimatbundes in Wien auf Oberparleiters Geburtshaus in Kaplitz eine Gedenktafel an.

Werke

Theaterstücke
Prosa

In Zeitungen und Zeitschriften erschienen:

ebenso die Humoresken:

In Buchform erschien:

Literatur

Commons: Ignaz Oberparleiter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Hans Irsigler in Zs. Waldheimat 2. Jg. 1925 Nr. 7
Personendaten
NAME Oberparleiter, Ignaz
ALTERNATIVNAMEN Oberleiter, J. (Pseudonym)
KURZBESCHREIBUNG Schriftsteller, Musiker und Lehrer
GEBURTSDATUM 3. April 1846
GEBURTSORT Kaplice
STERBEDATUM 3. Januar 1922
STERBEORT Kaplice