Ikuhiko Hata

Ikuhiko Hata (japanisch 秦 郁彦 Hata Ikuhiko; geboren am 12. Dezember 1932) ist ein japanischer Historiker. Er promovierte an der Universität Tokio und lehrte Geschichte an verschiedenen Universitäten. Er ist Autor zahlreicher einflussreicher und in der Fachwelt positiv aufgenommener wissenschaftlicher Arbeiten, insbesondere zu Japans Rolle im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg und im Zweiten Weltkrieg.

Hata hat sich ausführlich mit kontrovers diskutierten Themen wie dem Massaker von Nanking und den sogenannten Trostfrauen befasst. Er vertritt die Auffassung, dass die Trostfrauen nicht vom japanischen Militär zur Ausübung ihrer Tätigkeit gezwungen worden seien. Der Historiker Edward J. Drea bezeichnete ihn als den Doyen der japanischen Militärhistoriker. Hata wird je nach Einschätzung als „konservativer“ Historiker oder als Vertreter der politischen Mitte eingeordnet.

Bildung und Karriere

Ikuhiko Hata wurde am 12. Dezember 1932 in der Stadt Hōfu in der japanischen Präfektur Yamaguchi geboren. Im Jahr 1956 schloss er sein Studium an der Universität Tokio ab, an der er 1974 auch promovierte. Von 1956 bis 1976 war er als leitender Historiker im japanischen Finanzministerium tätig. Während dieser Zeit arbeitete er von 1963 bis 1965 zudem als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Harvard University.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Finanzministerium war Hata von 1977 bis 1978 Gastprofessor an der Princeton University. Anschließend lehrte er als Professor für Geschichte an der Takushoku-Universität von 1980 bis 1993, an der Universität Chiba von 1994 bis 1997 und an der Nihon-Universität von 1997 bis 2002.

Wissenschaftliche Tätigkeit

Hata wird von zahlreichen Historikern als bedeutender Wissenschaftler auf dem Gebiet der modernen japanischen Geschichte angesehen. Edward Drea bezeichnete ihn als den „Doyen der japanischen Militärhistoriker“. Zudem beschrieb er Hatas veröffentlichte Arbeiten als „Musterbeispiele wissenschaftlicher Arbeit, Forschung, Genauigkeit und ausgewogener Interpretation“. Joshua A. Fogel, ein auf chinesische Geschichte spezialisierter Historiker an der York University, bezeichnete Hata als „einen herausragenden Wissenschaftler, der seit über vierzig Jahren zahlreiche ausgezeichnete Studien über Japan im Krieg verfasst hat“. Masahiro Yamamoto bezeichnete Hata als „einen führenden japanischen Wissenschaftler auf dem Gebiet der modernen japanischen Geschichte“.

Hatas erstes geschichtswissenschaftliches Buch, Nicchū Sensōshi („Geschichte des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges“), erschien 1961. Mit den Recherchen dafür hatte er bereits während seines grundständigen Studiums an der Universität Tokio begonnen. Das Werk wurde positiv aufgenommen. Chalmers Johnson bezeichnete es als „die gründlichste Untersuchung der japanischen Politik in China während der 1930er-Jahre“. James T. C. Liu würdigte es als „einen willkommenen und bahnbrechenden Beitrag“. Fünfzig Jahre nach seiner Veröffentlichung bezeichneten Edward Drea und Tobe Ryoichi das Werk als eine „klassische Darstellung“ des Krieges. Hatas zweites Buch, das 1962 erschienene Werk Gun fashizumu undō shi („Geschichte der militärfaschistischen Bewegung“), würdigte der Historiker Shuhei Domon als „eine erstklassige interpretierende Darstellung, die auf einer umfassenden Auswertung dokumentarischer Quellen beruht“.

Die Japanische Gesellschaft für Internationale Beziehungen wählte Hata für eine Forschungsgruppe aus, die der Historiker James William Morley als ein Team „junger, objektiver Diplomatie- und Militärhistoriker“ beschrieb. Diesen Wissenschaftlern wurde ein bis dahin beispielloser Zugang zu historischen Primärquellen gewährt, um die Ursprünge des Zweiten Weltkriegs in Asien zu untersuchen. Die daraus hervorgegangene Studie Taiheiyō sensō e no michi („Der Weg zum Pazifikkrieg“) erschien zwischen 1962 und 1963 und wurde in den 1970er- und 1980er-Jahren ins Englische übersetzt.

Hata steuerte drei Aufsätze zu dieser Veröffentlichungsreihe bei. Roger Dingman bezeichnete den ersten Beitrag, „The Japanese-Soviet Confrontation, 1935–1939“ („Die japanisch-sowjetische Konfrontation, 1935–1939“), als eine Arbeit mit „einer Fülle neuer Daten“. Den zweiten Beitrag, „The Army's Move into Northern Indochina“ („Der Vormarsch der Armee nach Nordindochina“), lobte Dingman dafür, dass er „auf brillante Weise“ zeige, wie aus einem friedlichen Durchmarsch durch Nordindochina eine gewaltsame Besetzung wurde. Mark Peattie bezeichnete Hatas dritten Aufsatz, „The Marco Polo Bridge Incident 1937“ („Der Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke 1937“), als „die beste derzeit auf Englisch verfügbare Übersicht“ über das Ereignis. Hata erweiterte diesen Aufsatz später zu einem eigenständigen Buch, das Edward Drea und Tobe Ryoichi als „die mit Abstand beste Quelle zu diesem Zwischenfall“ bewerteten.

Ab 1968 leitete Hata eine vom japanischen Bildungsministerium beauftragte Forschungsgruppe, deren Aufgabe darin bestand, sämtliche verfügbaren Quellen und Dokumente über die Strukturen und die Funktionsweise der japanischen Streitkräfte in der Vor- und Kriegszeit auszuwerten. Aus diesen Forschungen ging das 1971 veröffentlichte Werk Nihon Rikukaigun no Seido, Soshiki, Jinji („Institutionen, Organisation und Personal des Kaiserlich Japanischen Heeres und der Kaiserlich Japanischen Marine“) hervor. Mark Peattie bezeichnete es als „das maßgebliche Nachschlagewerk auf diesem Gebiet“.

Kurz darauf wurde Hata mit der Koordination eines weiteren gemeinschaftlichen Forschungsprojekts beauftragt. Dieses wurde im Auftrag des japanischen Finanzministeriums durchgeführt und befasste sich mit der Besatzung Japans durch die Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg. John W. Dower, Sadao Asada und Roger Dingman hoben Hatas maßgebliche Rolle bei der Entstehung des mehrbändigen Forschungswerks hervor, dessen Veröffentlichung 1975 begann. Sie bewerteten es als die bis dahin beste wissenschaftliche Untersuchung der Besatzungszeit.

1993 veröffentlichte Hata das zweibändige Werk Shōwashi no nazo wo ou („Den Rätseln der Shōwa-Zeit auf der Spur“), das sich mit kontrovers diskutierten Ereignissen der modernen japanischen Geschichte befasst. Für dieses Werk wurde er mit dem Kikuchi-Kan-Preis ausgezeichnet.

Gemeinsam mit Yasuho Izawa verfasste Hata zwei Bücher über japanische Jagdflieger des Zweiten Weltkriegs. Beide Werke wurden von Historikern als maßgebliche Darstellungen dieses Themengebiets bezeichnet.

Ein weiteres Werk Hatas, das 1984 erschienene Buch Hirohito Tennō Itsutsu no Ketsudan („Die fünf Entscheidungen Kaiser Hirohitos“), weckte das Interesse des Historikers Marius Jansen, der eine englische Übersetzung unter dem Titel Hirohito: The Showa Emperor in War and Peace veranlasste.

Edward Drea zufolge untersucht Hata darin die Frage, „ob der Kaiser tatsächlich Japans Herrscher und Machthaber oder lediglich eine Marionette und ein willenloses Werkzeug war“. Hata gelange zu dem Schluss, dass die Antwort auf diese komplexe Frage zwischen beiden Positionen liege, wobei er Hirohito ein beträchtliches politisches Geschick zuschreibe. Neben Drea wurde das Buch auch von Stephen S. Large und Hugh Cortazzi ausgesprochen positiv besprochen.

Nankin jiken“ und Schätzungen zur Opferzahl des Massakers von Nanking

Hatas bedeutender Beitrag zur Erforschung des Massakers von Nanking ist sein 1986 veröffentlichtes Buch Nankin jiken („Der Zwischenfall von Nanking“). Es handelt sich um eine detaillierte Untersuchung des Ereignisses auf der Grundlage japanischer, chinesischer und englischsprachiger Quellen. Der Historiker Daqing Yang bezeichnete das Werk später als eine der wenigen wissenschaftlichen Untersuchungen zum Massaker aus jener Zeit, die er für unvoreingenommen hielt.

Das Buch ist insbesondere für Hatas vergleichsweise niedrige Schätzung der Opferzahl bekannt. Hata bezifferte diese auf höchstens 40.000 Menschen und stützte sich dabei auf die Untersuchungen von Lewis S. C. Smythe. Smythes Studie War Damage in Nanking Area, Dec. 1937 to March 1938, Urban and Rural Surveys wurde unmittelbar nach dem Massaker durchgeführt und berücksichtigte keine getöteten chinesischen Soldaten.

Nankin jiken gilt als eine der frühen Untersuchungen, die sich ausdrücklich mit möglichen Ursachen des Massakers auseinandersetzten, während frühere Veröffentlichungen überwiegend die Ereignisse selbst behandelten. Hata führte mehrere Faktoren an, die seiner Auffassung nach zu den Massentötungen beigetragen hatten. Dazu zählten der Mangel an Militärpolizei und Einrichtungen zur Unterbringung von Kriegsgefangenen innerhalb der japanischen Armee sowie deren unzureichende Kenntnis des Völkerrechts. Als weiteren Faktor betrachtete er die Entscheidung des chinesischen Generals Tang Shengzhi, die Stadt ohne eine formelle Kapitulation zu verlassen. Dadurch seien zahlreiche chinesische Soldaten in Zivilkleidung unter der Zivilbevölkerung verblieben, bevor japanische Truppen umfangreiche und mit übermäßiger Gewalt durchgeführte Säuberungsoperationen einleiteten.

Einige zeitgenössische Forscher, darunter der Historiker Tomio Hora und der Journalist Katsuichi Honda, widersprachen Hatas Schätzung der Opferzahl entschieden. Zugleich würdigten beide seine wissenschaftliche Arbeit und seine Aufrichtigkeit. Hata gilt als einer der bedeutendsten Vertreter einer sogenannten „gemäßigten“ Forschungsrichtung zum Massaker von Nanking. Diese geht von mehreren Zehntausend Todesopfern aus und nimmt damit eine Position zwischen der sogenannten „Massaker großen Ausmaßes“-Schule, deren Vertreter von mehreren Hunderttausend Todesopfern ausgehen, und der sogenannten „Illusions“-Schule ein, deren Anhänger das Massaker von Nanking leugnen

Takuji Kimura kritisierte Hata dafür, das Ausmaß der Gräueltaten herunterzuspielen, bezeichnete dessen Buch über das Massaker jedoch zugleich als eine „hervorragende Studie“. Herbert P. Bix bezeichnete Hata als den „berüchtigtsten“ unter denjenigen, die das Massaker von Nanking teilweise leugneten. Die Historiker Haruo Tohmatsu und H. P. Willmott erklärten hingegen, dass Hatas Schätzung der Opferzahl in Japan als „die wissenschaftlich zuverlässigste Schätzung“ angesehen werde.

Im November 1997 kam es während einer Konferenz an der Princeton University zu einer Auseinandersetzung zwischen Hata und Iris Chang, der Autorin des Buches The Rape of Nanking. Chang fragte Hata, weshalb er die Aussagen japanischer Kriegsgefangener anzweifle, denen zufolge während des Massakers mehrere Hunderttausend Chinesen getötet worden seien. Hata erwiderte, dass die Aussagen japanischer Kriegsgefangener aufgrund von Folter und Zwang nicht zuverlässig seien. Daraufhin verließ Chang den Saal. Im Publikum kam es zu lautstarken Protesten und Beleidigungen gegen Hata, sodass der Moderator Perry Link Schwierigkeiten hatte, die Diskussion unter Kontrolle zu halten.

Im Anschluss an diesen Vorfall kam es auch an mehreren Universitäten, die Hata besuchte, zu ähnlichen Störungen durch chinesische Studierende, die seine Schätzung der Opferzahl ablehnten. Diese Proteste hinderten ihn daran, seine Vorträge zu halten. Bob Tadashi Wakabayashi von der York University vertrat die Auffassung, dass Hatas Äußerungen nach diesen Vorfällen zunehmend schärfer geworden seien. So habe Hata einmal von einer "Nanking-Industrie“ gesprochen, in Anlehnung an den von Norman Finkelstein verwendeten Begriff der "Holocaust-Industrie“.

Bis 1999 hatte Nankin jiken seine 19. Auflage erreicht und wurde weiterhin von Wissenschaftlern positiv bewertet. Im Jahr 2000 bezeichnete Marius Jansen das Werk als „die plausibelste unter zahlreichen japanischen Untersuchungen“ zum Massaker. Der Historiker Yutaka Yoshida, ein anerkannter Experte für das Massaker von Nanking, zählte Nankin jiken 2001 zu den fünf Büchern, die er besonders zur Lektüre über das Massaker empfahl, obwohl er Hatas Schätzung der Opferzahl widersprach. Im Jahr 2003 bezeichnete Joshua A. Fogel das Buch als „nach wie vor maßgebliches Werk auf diesem Gebiet“. David Askew, Professor an der Ritsumeikan-Universität, bewertete es als „die beste Einführung in den Zwischenfall von Nanking, unabhängig von der Sprache“.

In den 1980er-Jahren ging Hata von einer Opferzahl zwischen 38.000 und 42.000 aus, schloss jedoch nicht aus, dass diese bis zu 60.000 betragen haben könnte. Bei der Überarbeitung von Nankin jiken für die zweite Ausgabe im Jahr 2007 erklärte er hingegen, inzwischen davon auszugehen, dass während des Massakers höchstens 42.000 Menschen getötet worden seien. Die tatsächliche Opferzahl könne seiner Einschätzung nach auch niedriger gelegen haben.

Forschung zu den sogenannten Trostfrauen

Ikuhiko Hata gilt als einer der führenden Historiker auf dem Gebiet der Erforschung der sogenannten Trostfrauen, die in den 1930er- und 1940er-Jahren im Umfeld der Japanischen Streitkräfte tätig waren. Ihm wird zugeschrieben, als erster Forscher die Aussagen von Seiji Yoshida, der behauptet hatte, koreanische Frauen für das japanische Militär entführt zu haben, als erfunden entlarvt zu haben.

Hata vertritt die Auffassung, dass es sich bei den Trostfrauen nicht um Sexsklavinnen, sondern überwiegend um freiwillig tätige Prostituierte gehandelt habe. Ein kleinerer Teil der Frauen sei von ihren Eltern verkauft worden. Eine unmittelbare Beteiligung des japanischen Militärs an der Rekrutierung bestreitet er weitgehend, abgesehen von einigen Vorfällen in Südostasien. Die Gesamtzahl der Trostfrauen schätzte Hata auf höchstens 20.000.Seine Position fasste er folgendermaßen zusammen:

„Keine von ihnen wurde zwangsweise rekrutiert. Vierzig Prozent stammten aus Japan, das damit das am stärksten vertretene Herkunftsland war. Viele wurden von ihren Eltern an Vermittler verkauft. Einige nahmen die Angebote der Vermittler freiwillig an, andere wurden getäuscht. Ergänzend möchte ich darauf hinweisen, dass die Lebensbedingungen in den sogenannten Troststationen im Durchschnitt praktisch denen in Bordellen entsprachen, die während des Vietnamkriegs für amerikanische Soldaten eingerichtet wurden.“

Hata vertiefte seine Forschungen zu diesem Thema in seinem 1999 veröffentlichten Buch Ianfu to senjō no sei, das 2018 unter dem englischen Titel Comfort Women and Sex in the Battle Zone übersetzt wurde. Die Historikerin Chunghee Sarah Soh bezeichnete das Werk als „eine 444 Seiten umfassende Abhandlung über die Trostfrauenfrage“. Soh zufolge hatte Hata die Gesamtzahl der Trostfrauen 1993 noch auf 90.000 geschätzt. Sie vertrat die Auffassung, dass er diese Zahl später aufgrund einer „politischen Annäherung an das konservative Lager in Japan, das sich gegen Entschädigungs- und Wiedergutmachungsforderungen stellte und in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre entstand“, nach unten korrigiert habe.

Ianfu to senjō no sei wurde insbesondere für seine umfangreiche Zusammenstellung von Informationen hervorgehoben. Der Historiker Haruo Tohmatsu bezeichnete es als „wahrscheinlich die am besten dokumentierte Untersuchung zu dieser Frage“. Takao Yamada, Journalist der Zeitung Mainichi Shimbun, beschrieb das Werk als „eine enzyklopädieartige Sammlung von Fakten über die Trostfrauen“.

In der Fachzeitschrift The International History Review schrieb A. Hamish Ion, Hata sei es mit diesem Werk gelungen, „eine ausgewogene Bewertung angesichts sensationeller und vermeintlich unzureichend recherchierter Studien von George Hicks und anderen“ vorzulegen. Auch der Politikwissenschaftler Itaru Shimazu und der Journalist Takaaki Ishii besprachen das Buch positiv.

Der Historiker Hirofumi Hayashi kritisierte hingegen den fehlerhaften Umgang mit Quellen in dem Werk. Als Beispiel führte er einen Fall an, in dem Hata ein Dokument so zitiert habe, als führe es 650 Trostfrauen auf, die fünf Präfekturen zugeteilt worden seien, obwohl das Dokument tatsächlich 400 Trostfrauen nannte.

Ikuhiko Hata befürwortet die Rücknahme der sogenannten Kōno-Erklärung zur Trostfrauenfrage. Er war der einzige Historiker, der in die von der Regierung unter Shinzō Abe eingesetzte Kommission zur erneuten Überprüfung dieser Erklärung berufen wurde.

Im Jahr 2015 führte Hata eine Gruppe japanischer Historiker an, die den Verlag McGraw-Hill aufforderte, Darstellungen über die Trostfrauen in einem in den Vereinigten Staaten veröffentlichten Weltgeschichtslehrbuch zu korrigieren, da sie diese für fehlerhaft hielten.

Ideologische Ausrichtung

Hatas politische und ideologische Ausrichtung wird in der Forschung unterschiedlich eingeordnet. Einige Quellen bezeichnen ihn als konservativen Wissenschaftler mit einer eher rechten Orientierung. So beschrieb Thomas U. Berger ihn als einen „hoch angesehenen konservativen japanischen Historiker“. Andere halten diese Einordnung hingegen für unzutreffend. Der Militärhistoriker Masahiro Yamamoto wies darauf hin, dass Hata in der historischen Debatte über das Massaker von Nanking eine Position der politischen Mitte vertrete und den sogenannten „Traditionalisten“ näherstehe als den konservativen „Revisionisten“. Auch Takao Yamada betonte, dass Hata in historischen Kontroversen unterschiedliche Positionen kritisiert habe. Seiner Auffassung nach lasse sich Hata treffender als Positivist bezeichnen.[49]

Hata ist als entschiedener Gegner der Bestrebungen einiger japanischer Nationalisten bekannt, die japanische Kriegsgeschichte in einer Weise umzudeuten, die er als ideologisch voreingenommen betrachtet. Die The Wall Street Journal bezeichnete Hata als Vertreter einer Geschichtsauffassung, die Japans historische Verantwortung für seine Kriegshandlungen anerkennt. Hata äußerte erhebliche Besorgnis über das Aufkommen neuer Geschichtsrevisionisten, die Japans militärische Aggressionen während des Krieges rechtfertigen und den ehemaligen Ministerpräsidenten Hideki Tōjō von seiner Verantwortung entlasten wollten.

Im Jahr 1995 trat Hata aus einer Regierungskommission zurück, die sich mit dem Bau eines neuen Kriegsmuseums in der Nähe des Yasukuni-Schreins befasste. Er befürchtete, dass das Projekt zur Verherrlichung der japanischen Kriegsführung genutzt werden könnte. Hata befürwortet die Entfernung der als Kriegsverbrecher verurteilten Personen aus dem Kreis der im Yasukuni-Schrein verehrten Toten. Zudem kritisiert er das nahe dem Schrein gelegene Yūshūkan-Museum wegen seiner nationalistisch geprägten Darstellung der japanischen Geschichte.

Obwohl Hata die Bemühungen japanischer nationalistischer Gruppen, Geschichtslehrbücher zu verändern, nachdrücklich kritisiert hat, erklärte er sich auch bereit, im Auftrag des Bildungsministeriums gegen den linksgerichteten Historiker Saburō Ienaga auszusagen. Ienaga vertrat die Auffassung, dass sein Geschichtslehrbuch von der japanischen Regierung zensiert werde. Hata unterstützte die Arbeit der Japanischen Gesellschaft für Geschichtslehrbuchreform, obwohl er zugleich feststellte, dass das von der Gesellschaft verfasste Lehrbuch „stärker nationalistisch geprägt war als andere“.

Im Jahr 2007 kritisierte Hata öffentlich einen Aufsatz von Toshio Tamogami, einem ehemaligen General der Japanischen Luftselbstverteidigungsstreitkräfte, in dem dieser den japanischen Imperialismus zu rechtfertigen versuchte. Hata bezeichnete Tamogamis Aufsatz als „von äußerst geringer Qualität“ und als von „alten Verschwörungstheorien“ geprägt.

Aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeiten zum Massaker von Nanking wurde Hata von Leugnern des Massakers angegriffen. Dazu gehörte Masaaki Tanaka, der behauptete, Hata leide am sogenannten „IMTFE-Syndrom“, einer Anspielung auf den Internationalen Militärgerichtshof für den Fernen Osten. Auch Shōichi Watanabe kritisierte Hata.

Im Jahr 1990 vertrat Hata die Auffassung, dass die kurz zuvor veröffentlichten Aufzeichnungen eines Monologs von Kaiser Hirohito, in dem dieser kurz nach dem Zweiten Weltkrieg seine Erinnerungen an die Kriegszeit festgehalten hatte, wahrscheinlich mit dem Ziel angefertigt worden seien, gegenüber den Vereinigten Staaten nachzuweisen, dass er nicht an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen sei. Hata stellte daher die These auf, dass zeitgleich auch eine englischsprachige Übersetzung angefertigt worden sein müsse. Diese Vermutung wurde von rechtsgerichteten Wissenschaftlern verspottet, die davon ausgingen, dass die Aufzeichnungen lediglich als historische Dokumentation ohne weitergehende Absichten entstanden seien. Im Jahr 1997 wurde der englischsprachige Entwurf entdeckt.

Privatleben

Ikuhiko Hata ist seit dem 9. September 1973 mit Kazuko Matsumura verheiratet. Das Paar hat eine Tochter namens Mineko. Hata lebt im Tokioter Stadtbezirk Meguro in Tokio, Japan.

Auszeichnungen

Werke in englischer Sprache

Bücher

Buchkapitel

Zeitschriftenartikel

Einzelnachweise

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