Ilan Halevi

Ilan Halevi, 2011

Ilan Halevi (arabisch إيلان هاليفي; hebräisch אִילָן הַלֵּוִי; ursprünglich Georges Alain Albert; * 12. Oktober 1943 in Lyon; † 10. Juli 2013 in Clichy) war ein französisch-israelisch-palästinensischer Politiker, Journalist und Autor. Er gehörte zu den wenigen Juden, die eine leitende Funktion innerhalb der Palästinensischen Befreiungsorganisation innehatten.

Frühes Leben

Halevi wurde am 12. Oktober 1943 in Lyon in einem Postamt, das der Résistance als Versteck diente, geboren. Die Stadt stand zu diesem Zeitpunkt unter deutscher Besatzung. Sein Vater Henri Levin war ein in polnischer Jude, seine Mutter Blanche eine Jüdin aus Istanbul. Zusammen hatten Halevis Eltern vier Kinder. Als sein Vater Henri 1952 starb, heiratete seine Mutter einen Freund Henris aus der Résistance namens Emile Albert, der die Kinder adoptierte. Halevi wuchs in einem Dorf in der Normandie auf und war dort aufgrund seiner Hautfarbe früh mit Rassismus konfrontiert.

In Paris lernte Halevi die Literaturagentin Ellen Wright, die Witwe des US-amerikanischen Schriftstellers Richard Wright, kennen. Ellen Wright stellte ihn Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir vor, in deren Zeitschrift Les Temps Modernes Halevi 1962 einen seiner ersten Artikel veröffentlichte. Er schrieb außerdem für die pan-afrikanische Zeitschrift Présence Africaine und war für sie als Redakteur tätig. Im Alter von 21 Jahren veröffentlichte er 1964 unter dem Namen Alain Albert seinen ersten Roman The Crossing, der Rassismus gegen Schwarze im Deep South thematisierte. Unter dem Pseudonym George Levin übersetzte er den Roman 1965 selbst ins Französische.

Halevi lebte zeitweise in mehreren Ländern Afrikas, u. a. in Mali, wo er als Radiojournalist arbeitete, und in Algerien, wo er für die MPLA und den ANC als Übersetzer tätig war. In Algerien begann er, sich tiefergehend mit dem Schicksal der Palästinenser zu beschäftigen. Er entschied, nach Israel auszuwandern, um „die israelische Realität zu untersuchen“ ("to study the Israeli reality").

Politische Laufbahn

In Israel

Er zog 1965 nach Israel und wurde auf Grundlage des Rückkehrgesetzes israelischer Staatsbürger. Dort änderte er seinen Namen in Halevi und lebte anfangs im Kibbuz Gan Shmuel, später in Jerusalem. Er schloss er sich der antizionistischen Organisation Matzpen an; später war er an der Gründung der linken Organisation Ma'avak beteiligt. In Israel war er Korrespondent der französischen Tageszeitung Libération. Er lebte bis zur Mitte der 1970er Jahre in Israel.

Tätigkeit für die PLO und Fatah

Im Jahr 1976 kehrte Halevi nach Paris zurück und wurde Mitglied der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) bzw. der Fatah. Er gründete das antizionistische Informationsblatt News from the Inside sowie die Zeitschrift Revue d'études palestiniennes, die 1981 bis 2008 erschien und für die Halevi regelmäßig schrieb.

Im Jahr 1982 wurde er Medienbeauftragter der PLO in Paris. Im Folgejahr wurde er nach der Ermordung von Issam Sartawi zum Gesandten der Fatah bei der Sozialistischen Internationalen und zum Vertreter der PLO beim UN-Menschenrechtsausschuss ernannt. Er nahm auf palästinensischer Seite an der Madrider Konferenz von 1991 und den Folgegesprächen in Washington, D.C. teil. Nach Verabschiedung der Prinzipienerklärung über die vorübergehende Selbstverwaltung (Oslo I) und der folgenden Etablierung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) beschloss Halevi, nach Palästina zu ziehen. In den folgenden Jahren lebte er in Jerusalem und Ramallah. Seine Wohnung in Ramallah wurde 2002 während der israelischen Operation Schutzschild zerstört. Er war Berater der PLO für Außenpolitik und bekleidete ab 2003 das Amt des stellvertretenden Außenministers der PA. 2009 wurde er in den Revolutionsrat der Fatah gewählt. Außerdem war er Berater von Präsident Mahmud Abbas.

Für seinen Einsatz für die palästinensische Sache wurde er von Abbas mit dem Verdienstorden (Medal of Distinction) des Staates Palästina ausgezeichnet.

Privates

Halevi war vier Mal verheiratet und hatte aus diesem Ehen insgesamt sechs Kinder.

Nachdem er Palästina verlassen hatte, lebte er zeitweise in Berlin. Er starb am 10. Juli 2013 im Alter von 69 Jahren im französischen Clichy.

Veröffentlichungen

Commons: Ilan Halevi – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 Farouk Mardam-Bey: Ilan Halevi: Palestinian Jew and Citizen of the World, 1943-2013. In: Journal of Palestine Studies. Band 43, Nr. 4, 2014 (englisch, palestine-studies.org).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Margaret Busby: Ilan Halevi: Jewish author, journalist and politician who rose to prominence in the PLO. In: Independent. 25. Juli 2013, abgerufen am 27. September 2026 (englisch).
  3. ↑ Ofer Aderet: Ilan Halevi, Jewish member of the Palestine Liberation Organization, dies in Paris. In: Haaretz. 10. Juli 2013 (englisch, haaretz.com [abgerufen am 29. September 2026]).
  4. Shalom Goldman: From Jews to Muslims: Twentieth-Century Converts to Islam. Lexington Books, Lanham 2024, ISBN 979-82-1633833-8 (englisch).
    1. ↑ S. 82.
    2. 1 2 S. 85.
    3. 1 2 S. 86.
  5. 1 2 Ilan Halevi. In: Heinrich-Böll-Stiftung Beirut. Abgerufen am 28. September 2026 (englisch).
  6. ↑ Palestinians: Yes to Jews, no to settlers in our state. In: The Times of Israel. 27. Januar 2014, abgerufen am 29. September 2026 (englisch).
  7. ↑ Igal Avidan: Interview mit Ilan Halevi: Mit einem Bein in der UNO. In: Qantara. 6. Dezember 2011, abgerufen am 29. September 2026.
  8. ↑ Ilan Halevi, Jewish senior PLO member, dies at 70. In: The Times of Israel. 10. Juli 2013 (englisch, timesofisrael.com [abgerufen am 30. September 2026]).