Im Wald

Der Kriminalroman Im Wald ist der achte Band aus der Bodenstein-Kirchhoff-Reihe der deutschen Schriftstellerin Nele Neuhaus, der in der Taunusregion um Frankfurt spielt.

Handlung

Das Szenarium der Handlung sind der Ort Ruppertshain und seine engere, waldreiche Umgebung im Taunus. Nele Neuhaus arbeitet auf unterschiedlichen chronologischen Ebenen, die plötzlich von Cliffhangern unterbrochen werden. Die Handlungsstränge beinhalten einen Prolog vom 31. August 1972, eine Haupthandlung in der Zeit vom 7. bis 16. Oktober 2014 sowie einen Epilog vom 20. Dezember 2014.

Im Hintergrund des Romans steht das gesellschaftliche Problemfeld der Integration und Diskriminierung von Außenseitern am Beispiel des tragischen Schicksals einer deutschen Familie, die einst als Spätaussiedler aus der Sowjetunion nach Ruppertshain kam; kontrapunktisch dazu werden auch in den Ermittlungen des gegenwärtigen Falls Vorbehalte gegen Auswärtige deutlich, die sich in einer satirereifen Situation während der Ermittlungen äußern.

Auf einem saisonbedingt verlassenen Campingplatz im Wald nördlich von Ruppertshain geht mitten in der Nacht ein Wohnwagen in Flammen auf und brennt vollständig aus. Eine Frau, die das urlaubsbedingt abwesende Campingplatzwartsehepaar in deren Wohnhaus vertritt, wird durch eine Explosion auf den Brand aufmerksam und kann darin schemenhaft eine Person wahrnehmen sowie ein wegfahrendes Fahrzeug. Sie ist die Schwester der Frau des Campingplatzwarts und hat bei ihnen auf der Flucht vor ihren Gläubigern vorübergehend Unterschlupf gefunden. Ein weiterer Beobachter des Brandes ist ein junger Mann aus dem Dorf, der ebenfalls ein Problem zu bewältigen hat: er befürchtet wegen einer nicht eingehaltenen Bewährungsauflage seine Inhaftierung und befindet sich auf der Flucht. Er hatte einen anderen Wohnwagen aufgebrochen und sich dort eingerichtet. In der Folgezeit gewährt ihm die Frau Unterschlupf in dem Platzwartshaus.

Die Ermittlungen zeigen, dass der Anschlag auf den Wagen sorgfältig vorbereitet war. Im von außen verschlossenen Wagen wird die völlig verkohlte Leiche eines Mannes gefunden, der sich als einer der Söhne der Eigentümerin des Wohnwagens herausstellt, einer älteren Dame aus Ruppertshain, die sich selbst auch häufig in den Wohnwagen zurückgezogen hatte. Die Mutter des Toten ist mittlerweile schwer krank und lebt seit einigen Wochen in einem Hospiz. Noch am gleichen Tag wird sie tot aufgefunden, aber nicht als Folge ihrer Krankheit, sondern weil sie erdrosselt wurde.

Die polizeilichen Ermittlungen liegen in der Hand von Oliver von Bodenstein vom K 11 in Hofheim. Er selbst stammt vom Gut Bodenstein, das in der Nähe von Ruppertshain liegt und sich noch im Familienbesitz befindet. Dadurch sind ihm die Örtlichkeiten und die meisten Personen gut bekannt, und überdies wohnt wer seit einiger Zeit wieder in Ruppertshain. Sein Team geht den Spuren nach und stößt im Ort auf ein unübersichtliches Geflecht persönlicher Beziehungen. Ein pensionierter Pfarrer versucht mit Bodenstein Kontakt aufzunehmen, was aus Zeitgründen nicht gelingt; kurz darauf wird er in der Kirche erhängt aufgefunden. Vor seinem Tod konnte er aber noch eine kurze Nachricht an Bodenstein übermitteln über den mutmaßlichen Fundort einer lange vermissten Person.

Der Vermisste, ein damals elfjähriger Junge, verschwand vor 42 Jahren spurlos. Er war der Sohn einer aus der Sowjetunion spätausgesiedelten deutschen Familie, die seit ihrer Ansiedlung in Ruppertshain als Fremde gemieden wurde. Der Junge wurde von den meisten anderen Kindern gemobbt und ausgegrenzt. Die damals nur nachlässig geführten Ermittlungen verliefen ergebnislos, nur ein Dorfbewohner geriet in einen unbestimmten Tatverdacht.

Bodenstein vermutet einen Zusammenhang zwischen dem alten und den aktuellen Fällen. Da der Junge damals einer der besten Freunde Bodensteins war und Bodenstein überdies mit einer der aktuellen Tatverdächtigen zeitweise liiert war, gibt er wegen Befangenheit die Leitung der Ermittlungen an seine Kollegin Pia Sander ab, bleibt aber Mitglied des Teams.

Das nächste Opfer wird eine ortsansässige Biologiestudentin, die im Rahmen eines Forschungsprojekts über Wildtiere im Wald Nachtsichtkameras installiert hatte und damit unbeabsichtigt Hinweise auf das nächtliche Geschehen erhalten hatte. Sie wird niedergeschlagen und schwer verletzt, überlebt aber den Anschlag. Schließlich wird auch die temporäre Campingplatzaufseherin erstochen aufgefunden.

Das überregionale Aufsehen, das die Mordserie erzeugt, setzt das Team unter starken Druck. Um weiterzukommen, wendet man unkonventionelle Verhörmethoden an. Man lässt alle Personen, die in dem alten Mordfall eine Rolle gespielt haben können, ins Polizeikommissariat bringen; diese Personen werden zusammen verhört, wobei Sander auf die Eigendynamik der Zusammenkunft vertraut.

Bodenstein verfolgt einen weiteren Ansatz, indem er sich auf den damaligen Tatverdächtigen konzentriert, einen infolge einer Verletzung vorgeblich debilen Dorfbewohner, der seinen Zustand allerdings viele Jahre nur vorgespielt hatte. Eine alte Rivalität um eine junge Frau kommt ans Licht und führte auf die Spur des Täters der damaligen und aktuellen Verbrechen.

Die personenreiche Beerdigungsfeier soll für die Verhaftung des Täters genutzt werden. Dieser kann jedoch aus der Menge verschwinden und erst nach einer Verfolgungsjagd in letzter Minute daran gehindert werden, sich durch Suizid der Verantwortung zu entziehen.

In einem kurzen Schlusskapitel, das Ende 2014 spielt, übergibt Bodenstein die Leitung des K 11 an Pia Sander und verabschiedet sich in ein Sabbatjahr.

Rezensionen

Andreas Kurth schreibt: „Im Wald ist … flüssig erzählt, komplex aufgebaut und wirklich spannend zu lesen. … Die vielen Wendungen und neuen Spuren, nicht zuletzt die zahlreichen Personen und eine ganze Reihe möglicher Verdächtiger machen die spannende Lektüre in meinen Augen angenehm kurzweilig…. Es ist im Grunde immer gut, wenn gesellschaftliche Problemfelder in Kriminalromanen aufgearbeitet werden. Noch besser ist, wenn das eher unterschwellig passiert - wie in diesem Roman.“

Dieter Wunderlich meint: „Die Komplexität ist so hoch, wie man es bei der Anzahl von Romanfiguren erwartet und wie wir es auch aus den anderen Taunuskrimis von Nele Neuhaus kennen. Die Autorin hat sie souverän im Griff. Ein Rädchen greift ins andere, und die Zusammenhänge sind ebenso gut durchdacht wie gründlich ausgeleuchtet. Das gilt auch für die Beweggründe der Handelnden in ‚Im Wald‘, die von Nele Neuhaus eingehend und mit großem Einfühlvermögen dargelegt werden. Auch wenn nicht alles frei von Klischees ist, sind die Charaktere lebendig, denn Nele Neuhaus stellt sie durch markante Taten und Dialoge farbig und anschaulich vor. … Wie auch in ihren anderen Taunuskrimis wechselt Nele Neuhaus zwischen den einzelnen Handlungssträngen hin und her. Die dabei entstehenden Cliffhanger, aber auch raffinierte Andeutungen erhöhen die Spannung …“

Verfilmung

Der Kriminalroman wurde im Jahr 2018 unter dem Titel Im Wald – Ein Taunuskrimi unter der Regie von Marcus O. Rosenmüller verfilmt.

Textausgaben

Anmerkungen und Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Dieter Wunderlich. Buchtipps und mehr. Nele Neuhaus: Im Wald
  2. ↑ „Wenn alte Wunden brutal wieder aufgerissen werden.“ Nele Neuhaus: Muttertag in Krimi-Couch. Eine Rezension von Andreas Kurth. August 2016. Krimi-Couch