Als Imamiten (arabisch إمامية, DMG Imāmīya) werden in der islamischen Doxographie diejenigen Schiiten bezeichnet, die
Die meisten imamitischen Gruppierungen gingen schon im Mittelalter unter, die einzige imamitische Gruppe, die bis in die Gegenwart fortbesteht, ist die Zwölfer-Schia. Deswegen wird der Begriff Imamiten heute meist als Synonym für die Zwölfer-Schiiten verwendet. In nicht-imamitischen Quellen werden die imamitischen Gruppen auch unter der abwertenden Bezeichnung Rāfiditen zusammengefasst. Der arabische Begriff der Imāmīya erscheint zum ersten Mal in einer zaiditischen Quelle, die von Abū l-Hasan al-Aschʿarī (gestorben 935) zitiert wird und wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts stammt.
Asch-Schahrastānī zählt in seinem Buch Religionspartheien und Philosophen-Schulen die folgenden Gruppen unter den Imamiten auf:
In der frühen Abbasidenzeit begannen verschiedene imamitische Gelehrte, Hadithsammlungen zu erstellen. Sie enthalten Worte, Taten und überlieferte Verhaltensweise des Propheten, der Imāme und der Prophetentochter Fātima. Die ältesten schiitischen Hadithsammlungen sind die 400 Uṣūl (Prinzipien), die von Schülern des sechsten Imams Dschaʿfar as-Sādiq kompiliert wurden. Von diesen 400 Uṣūl existieren einzelne Auszüge, die noch zu Lebzeiten der Imame zusammengestellt wurden. Ein weiterer bekannter imamitischer Traditionarier war Yūnus ibn ʿAbd ar-Rahmān (743–821). Er gehörte zu den Anhängern von Mūsā al-Kāzim. Der imamitische Traditionist Abū l-Hasan ʿAlī ibn Ibrāhīm al-Qummī (gestorben nach 919) stellte einen Tafsīr zusammen. Dieses Werk ist eine der wichtigsten Quellen für die frühe imamitische Koranexegese. Es enthält auch lange Auszüge aus dem Tafsīr von Abū l-Dschārūd, dem Gründer der zaiditischen Sekte der Dschārūdīya.
Mehrere imamitische Traditionarier waren schon in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts in Ahvaz in Chusistan aktiv. Auch die imamitische Gemeinde von Raiy geht auf diese Zeit zurück.
Um die Mitte des 8. Jahrhunderts begannen imamitische Gelehrte, sich auch stärker mit dem Kalām zu beschäftigen. Zu den führenden imamitischen Kalām-Gelehrten des späten achten Jahrhunderts gehörten Schaitān at-Tāq (gestorben 796; von Imamiten selbst oft „Mu'min at-Tāq“ genannt) und Hischām ibn al-Hakam (gestorben nach 795). Um die Mitte des neunten Jahrhunderts hielten muʿtazilitische Ansichten in der imamitischen Schia Einzug. Zu denjenigen, die diesen Trend beförderten, gehörten der philosophisch orientierte Gelehrte al-Hasan ibn Mūsā an-Naubachtī sowie die Gelehrten Abū ʿAbdallāh Muhammad ibn ʿAbdallāh Ibn Mumlak al-Isfahānī und Abū Dschaʿfar Ibn Qiba ar-Rāzī (gestorben vor 931), die beide als Muʿtaziliten begonnen hatten, dann aber zur imamitischen Schia übergingen.