Der HistorikerGerd Althoff hält es für möglich, dass die Unterscheidung der Immedinger von den Widukinden „genealogische Fiktion“ ist und die heilige Mathilde zu den direkten Nachkommen Widukinds zu rechnen sei. Die Absicht hinter der Abkehr vom Stammvater Widukind hin zu jenem ominösen Spitzenahn Immed könnte nach Althoff gewesen sein: Der Erzbischof Unwan aus dem Geschlecht der Immedinger hatte ein Interesse an dem Missionar und ersten Bischof von Bremen Willehad und somit genaue Kenntnis von dessen Vita. Dieser wurde durch Widukind verfolgt, woraufhin einige der Gefolgsleute Willehads den Märtyrertod starben – unter anderem ein gewisser Emmigus. Die Christenverfolgung Widukinds war ein Makel des Ahnherren, zumal Unwan dem geistlichen Stand angehörte. Die fiktive Ansippung an jenen Märtyrer Emmigus war aufgrund des Leitnamens Immad/Emmad im Geschlecht Unwans möglich – und nach mittelalterlichen Verständnis fast schon zwingend.
Die bekannten Mitglieder der Familie
Mathilde, die Äbtissin des Klosters Herford, sowie ihre Enkelin,
Reginbern († vor 17. Oktober 872), Graf 856 ⚭ Mathilde († nach 911), nachher Äbtissin des Klosters Herford
Thiadrich († nach 929, erwähnt 900, 909), Graf in Westfalen ⚭ Reinhilde von Dänemark († 11. Mai nach 929)
Mathilde die Heilige (* wohl 896; † 14. März 968) ⚭ Heinrich I. (* 876; † 2. Juli 936), Herzog von Sachsen 912, ostfränkischer König von 14. April 919 bis 936
Bia († 25. Mai vor 954) ⚭ Wichmann I. († 23. April 944), auch Wigmann, gen. der Ältere (Billunger)
Frederuna († 10. Februar 917) ⚭ April 907 Karl III. der Einfältige von Frankreich (Karolinger)
Widukind († 909)
Immed (III.)? († 12. Oktober 953) siehe unten
Wigbert von Verden († 8. September 908), Bischof von Verden von 874 bis 908
Die Immedinger nach Ohainski, Schubert & Streich, 2004
Mathilde die Heilige (* 896; † 14. März 968 in Quedlinburg) ⚭ in Wallhausen 909, König Heinrich I. († 9. Juli 936 in Memleben), König der Ostfranken 919
Widukind
Immed
Reginbern
Friderun († 18. Januar 971) ⚭ Wichmann II. † 23. April 944, Sohn von Billung
Bia † 25. Mai nach 21. Oktober 937 ⚭ N
Friedrich † nach 21. Oktober 937
Amalrada ⚭ Eberhard († 964), aus dem Haus der Ezzonen, Graf in der Betuwe und im Salland ab 944/60; † 3. September vor 964
Die Nachkommen des Grafen Immed III.
Immed III. (gefallen 954)
Waldered († um 984) ⚭ Bertha († um 984), Tochter von Burchard III. († 973), Herzog von Schwaben seit 954
Thiedrich, auch Dietrich († 6. März 995), Pfalzgraf in Sachsen seit 982 ⚭ Fritheruna (um 974)
Siegbert (995/um 1007; † 1017), Graf in Ostfalen & Hessen
Meinwerk († 5. oder 6. Juni 1036), auch Meinwart, Domherr zu Halberstadt, königlicher Hofkapellan & Kantor von St. Marien zu Aachen 1001 bis 1009, Bischof zu Paderborn von 1009 bis 1036
Glismod († 5. Februar vor 1041) ⚭ Adalbert der Siegreiche († 26. Mai 1055), Markgraf der Ostmark (Babenberger), II. ⚭ Otakar/Otger/Oci/Ozzi, 993 Graf im Kroatengau (in Kärnten), III. ⚭ Graf Reding/Reting
Emma von Lesum († 3. Dezember 1038) ⚭ Liudger († 1001), Sohn von Hermann Billung, Herzog von Sachsen
Ohne Zuordnung
Wiltrud (oder Wiltraut) * um 915, Gemahlin von Herzog Burchard III. und vermutlich Mutter von Dietrich I., dem Ahnherrn der Wettiner.
Literatur
Uwe Ohainski, Ernst Schubert, Gerhard Streich: Stammtafel der Welfen, nach den Originalquellen bearbeitet von Heinrich Böttger (†), Königlicher Bibliothek-Secretair. Herausgegeben von F. Klindworth, 1865. Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2004, ISBN 3-7752-6019-6.
Einzelnachweise
↑Genealogische und andere Fiktionen in mittelalterlicher Historiographie. In: Fälschungen im Mittelalter, Schriften der MGH. 33, I, 1988, S. 428ff.
↑Gerd Althoff: Inszenierte Herrschaft. Geschichtsschreibung und politisches Handeln im Mittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, S. 37ff.
↑P. Piper (Hrsg.): Libri confraternitatum Sancti Galli, Augiensis, Fabariensis. Weidmann, Berlin 1884, S. 84.