Immungenetik

Der Begriff Immungenetik ist der Bereich der Immunologie und der Genetik, der sich mit der Erforschung der genetischen Grundlagen der Immunsysteme von Lebewesen beschäftigt.

Damit werden unter dem Begriff der Immungenetik all die Prozesse in einem Organismus zusammengefasst, die durch die Gene des Organismus kontrolliert oder beeinflusst werden und die im Rahmen der immunologischen Abwehrreaktionen eines Organismus eine Rolle spielen.

Geschichte der Immungenetik

Die Geschichte der Medizin zum Thema Immunologie und dem Immunsystem geht zurück auf das 19. Jahrhundert, wobei Fragen zur Verhinderungen und frühzeitigen Abwehr von Erkrankungen in der gesamten Menschheitsentwicklung eine wesentliche Aufgabenstellung für Schamanen, Medizinmänner und frühe „Ärzte“ war. Der erste Nobelpreis im Feld der Immungenetik gab es 1980 für Baruj Benacerraf, Jean Dausset und George Davis Snell für ihre Entdeckungen genetischer bestimmter zellulärer Oberflächenstrukturen, von denen immunologische Reaktionen gesteuert werden.

Aktuelle Forschungsthemen

Seit den 1990er Jahren wird an einer Vielzahl von unterschiedlichen Fragestellungen der Immungenetik geforscht. Dabei haben die Beschleunigung sowie die sinkenden Kosten für die Sequenzierung von Genen dazu geführt, dass immer mehr akademische und kommerzielle Arbeitsgruppen sich intensiv hiermit auseinandersetzen. Aktuelle Forschungsthemen adressieren insbesondere Fragestellen,

Ein besonderer Fokus liegt dabei oftmals auf der Prognose sowie Therapie von genetisch basierten Autoimmunerkrankungen. Unter Autoimmunerkrankungen werden in der Medizin alle Erkrankungen verstanden, deren Ursache eine überschießende Reaktion des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe ist. Irrtümlicherweise erkennt das Immunsystem körpereigenes Gewebe als zu bekämpfenden Fremdkörper. Dadurch kommt es zu schweren Entzündungsreaktionen, die zu dauerhaften Schäden an den betroffenen Organen führen können. Zu den Autoimmunerkrankungen, bei denen der Ausbruch oder der Krankheitsverlauf in dem individuellen Genom des Organismus angelegt sein kann, gehören zum Beispiel Multiple Sklerose, Diabetes Typ I, Rheumatoide Arthritis oder Morbus Crohn (ein Beispiel für eine Autoimmunerkrankung ohne eine genetische Disposition wäre HIV – diese wird durch Viren ausgelöst). So wurde für die Multiple Sklerose in einem viel beachteten Artikel in der Zeitschrift Nature vom Mai 2010 (Baranzini et al.: Genome, epigenome and RNA sequences of monozygotic twins discordant for multiple sclerosis. Nature 2010, 464; S. 1351–1356 – Link siehe unten) nachgewiesen, dass diese Erkrankung nicht auf Grund einer genetischen Variation ausbricht, der Verlauf und die Therapierbarkeit wohl aber von genetischen Dispositionen maßgeblich beeinflusst wird. Die Grundlage für diese Arbeit waren drei eineiige Zwillingspaare, von denen ein Zwilling an Multiple Sklerose erkrankt ist, der andere nicht.

Verbände

Einige akademische Forschungsgruppen in Deutschland

Einige Unternehmen mit Forschung im Bereich der Immungenetik

Es gibt nur wenige Informationen über deutsche Unternehmen, die im Bereich der Immungenetik und der damit zusammenhängenden Gentherapie forschen. Einige sind: