| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| R 64 | Inanition |
| R 50.9 | Inanition bei Fieber |
| E 46 | Inanition durch Mangelernährung |
| T 73.0 | Inanition durch Verhungern |
| E 45 | Inanitionsatrophie, Inanitionsdystrophie |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
| Klassifikation nach ICD-11 | |
|---|---|
| MG20.Z | Kachexie, nicht näher bezeichnet |
| 5B51 | Abmagerung bei Säuglingen, Kindern oder Jugendlichen |
| ICD-11: Englisch • Deutsch (Vorabversion) | |
Unter einer Inanition (lateinisch: Inanitio) versteht man eine Reduktion des Körpergewichts auf unter 80 % des Normalgewichts. Verkümmerung, „Auszehrung“, „Erschöpfung“, „Hungerzustand, Entkräftung eines Organismus infolge langdauernder Nahrungskarenz oder unzureichender beziehungsweise fehlender Ernährung (einschließlich Flüssigkeitsmangel), im weiteren Sinne auch als Folge einer konsumierenden Erkrankung (Tuberkulose, bösartige Geschwulst, chronische Durchfälle et cetera, Kachexie).“ „Synonym für Inanition werden die Begriffe Marasmus und Kachexie gebraucht.“ „Inanition: Der nach völliger Aufhebung der Nahrungszufuhr eintretende Hungerzustand.“ Bei einer Hungeratrophie oder einer Inanition kommt es „infolge verminderter Nahrungsaufnahme zur Atrophie des Gesamtorganismus.“
Ursachen einer Inanition können unter anderen sein:
Bei der Inanition werden nur das Fettgewebe der Speicherfettdepots und die Skelettmuskulatur abgebaut (katabole Stoffwechsellage), das Baufett bleibt aber noch erhalten. Die Veränderungen sind noch reversibel. Ohne Beseitigung der Ursachen führt eine Inanition aber bald zu irreversiblen Veränderungen (Kachexie).
Unter einer unvollständigen Inanition verstand man früher „die Blutarmut und Schwäche bei dauernder ungenügender Ernährung.“
Abgeleitete Begriffe sind Inanitionsatrophie, Inanitionsdelirium, Inanitionsdystrophie, Inanitionsfieber und Inanitionsödem.
Der deutsche Arzt Otto Buchinger (1878–1966), Begründer des Heilfastens, bezeichnete das Hungern als pathologische Inanition. Er fragte, ob das erneute Auftreten von Hunger und eine reinere Zunge tatsächlich den Übergang vom therapeutischen Fasten zum pathologischen Hungern anzeigen.
Unter einer Inanitio mentis (von lateinisch mens, den Geist betreffend) verstand man nach Moritz Tramer (1949) einen „seelischen Hungerzustand als pathogenetischen Faktor des psychischen Hospitalismus.“ Die „seelische Inanition [ist] die Verkümmerung eines Kindes infolge mangelnder Zuwendung.“
Der psychische Hospitalismus bei Heimkindern wurde früher auch als Marasmus bezeichnet, das „Dahinwelken und schließliche Verlöschen“ (René Arpad Spitz, 1978) von an sich gesund geborenen Kindern infolge totaler emotionaler Deprivation. Spitz nannte diesen Zustand „anaklitische Depression“. In früheren Zeiten starben bis zu 70 % der Findelkinder an diesem Zustand. Hier spricht man auch von der Dekomposition.
Die Bezeichnung Inanition geht auf spätlateinisch inānitio („Leere, Ausleerung, Entleerung“) zurück. Das war eine Ableitung von lateinisch inānīre („leeren“), das seinerseits von inānis („leer, hohl, ohne Inhalt“) abgeleitet ist. Das deutsche Adjektiv inan bedeutet hohl, „nichtig, leer, eitel“.
Ältere etymologische Wörterbücher führten inanis ursprünglich auf in- („ohne“) und acna („Feld“, altrömisches Flächenmaß) zurück. Diese Herleitung gilt jedoch als überholt.
Die Verlaufskurve der Worthäufigkeit (im DWDS) hatte zwischen 1800 und 1950 ungefähr im Jahre 1870 einen Gipfel mit einem Spitzenwert von 0,05 pro eine Million Tokens; seit 1950 kommt es mit einer kleinen Ausnahme (0,001 um 2017) zur Nulllinie.
Das englische Wort emaciation bedeutet „Abmagerung“, „Auszehrung“ oder „Abzehrung“ und stammt aus dem Lateinischen. Etymologie: Lateinisch macer = mager, dünn, hager; maciēs = Magerkeit, Abmagerung; ē- (aus ex-) = heraus, vollständig (hier verstärkend); ēmaciāre = abmagern lassen, auszehren; ēmaciātiō = Abmagerung, Auszehrung. Englisch emaciation = Abmagerung, Auszehrung ist seit den 1660er Jahren belegt. Beide Begriffe (Inanition und Emaciation) werden allerdings auch synonym für Auszehrung verwendet.
Eine ausführliche Monographie mit Literaturverzeichnis gab Simon Samuel 1887 in der Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde.
Früher führte man eine Fettleber auf eine „Inanition bei Hungerdystrophie oder konsumierenden Erkrankungen (Tuberkulose, Tumor, Sprue und so weiter) [und] durch endogene Mangelernährung bei stoffwechseldekompensiertem Diabetes mellitus“ und eine Blutleere auf eine mangelhafte Ernährung (Inanition) zurück.