| Infomaniak SA | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | CH1609605055 |
| Gründung | 1896 |
| Sitz | Genf, Schweiz |
| Leitung | Marc Oehler (CEO) Frank Guemara (VR-Präsident) |
| Mitarbeiterzahl | 316 (März 2026) |
| Umsatz | 55,9 Mio. CHF (2025) |
| Branche | Cloud Computing |
| Website | www.infomaniak.com |
Die Infomaniak SA (ehemals Perrot Duval Holding SA) mit Sitz in Genf ist ein Schweizer Cloud-Computing-Unternehmen. Es betreibt mehrere Rechenzentren in der Schweiz und bietet kollaborative Tools, Webhosting und Computing-Dienstleistungen an.
Der bekannteste Dienst des Unternehmens ist der kostenlose Filehoster SwissTransfer. Mit der kSuite und dem damit zusammenhängenden Datenspeicherdienst kDrive bietet das Unternehmen eine europäische Alternative zu den Kollaborationslösungen Microsoft 365 und Google Workspace an.
Unter dem Namen Perrot Duval war das Unternehmen vormals eine Beteiligungsgesellschaft mit Schwerpunkt auf ausgewählten Sektoren der Automatisierungstechnologie; ihre Wurzeln gehen jedoch auf die Anfangszeiten der Automobilindustrie Ende des 19. Jahrhunderts zurück.
Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 316 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 56 Millionen Schweizer Franken. Die Infomaniak SA ist an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange kotiert.
Das Unternehmen wurde 1896, als die ersten Automobile in der Schweiz aufkamen, durch Gaston Perrot gegründet. Dieser erhielt damals die Michelin-Vertretung sowie die Vertretung der Benz-Fahrzeuge und fasste die in Genf tätigen Vertreter der Automobilfirmen, unter anderem Daimler, Peugeot und Audibert-Lavirotte, in der «Société Générale des Voitures Automobiles» zusammen. Ein Jahr später schloss sich Gaston Perrot mit Maurice Duval zusammen und wandelte die Firma in «Perrot Duval & Cie» um.
1905 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und an der Börse kotiert. Die Gesellschaft besass zu diesem Zeitpunkt vollständig oder teilweise fünf Automobilgaragen in Genf, Chamonix, Monte Carlo sowie Paris und hielt Minderheitsbeteiligungen an verschiedenen Gesellschaften. Sie vertrat bis 1920 die Hersteller Rochet-Schneider in Lyon, Martini, Westinghouse, De Dion-Bouton, Minerva, Panhard & Levassor, Vermorel, Berna, Studebaker, Delahaye, Overland, Lancia und Citroën. Perrot Duval nahm 1905 an der ersten «Exposition Nationale de l’Automobile et du Cycle», heute bekannt als Genfer Auto-Salon, teil.
Neben ihrer Aktivität als Vertreter betrieb Perrot Duval auch eine eigene Werkstatt für die Konstruktion von Autos und Fahrrädern. Dazu montierte das Unternehmen auch Motoren für eine Serie von Cruisern der Schiffswerft von Corsier und produzierte Kupplungen für Motorboote. Perrot Duval wirkte zudem an der Gründung der Firma Motosacoche durch die Brüder Henri und Armand Dufaux mit.
1927 modernisierte das Unternehmen seine Garagen und erwarb Beteiligungen an Garagen in anderen Städten der Westschweiz. Neu übernahm Perrot Duval die Vertretung der Marke Brasier und Mathis sowie später auch von Rolls-Royce und Bentley.
Die 1934 in eine Holding umgewandelte Perrot Duval begann Ende der 1930er Jahre ihre Aktivitäten über ihr Kerngebiet als Spezialist der Automobilbranche hinaus auf den Bereich der Autoscheinwerfer sowie der Strassenbeleuchtung auszuweiten. Hierfür schloss das Unternehmen einen Lizenzvertrag ab und entwickelte Beleuchtungsprodukte, die unter der 1940 von Perrot Duval eingetragenen Marke «Infranor» vertrieben wurden. Infranor wurde in der Folge zum Geschäftsbereich «Beleuchtung» ausgebaut und konnte später eine ganze Reihe international bedeutender und prestigeträchtiger Aufträge im Bereich der Scheinwerferbeleuchtung für Baudenkmäler und Schlösser ausführen. 1943 gründete Perrot Duval in Bern die Bellevue-Garage AG (heute Belwag AG), an der sie noch heute eine Minderheitsbeteiligung hält.
Während Perrot Duval seine mechanischen Kapazitäten im Ersten Weltkrieg für die Herstellung von Kriegsgerät anpassen und ausbauen konnte, stellten der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegsjahre eine schwierige Zeit dar. 1944 verkaufte Gaston Perrot, der 1949 starb, seine Mehrheitsbeteiligung an Perrot Duval an eine neue Gruppe. Um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern, musste diese mehrere Schlüsselaktivitäten der Gesellschaft veräussern oder neue Partner finden. 1951 wechselte Perrot Duval erneut den Besitzer. Diesem gelang es, die Vertretung von Daimler-Benz in Genf zu bekommen. Gleichzeitig wurde ein neuer Teilhaber gesucht, der das Unternehmen als Generaldirektor neu ausrichten konnte.
Diese Person wurde 1954 in Maurice Eichenberger gefunden. Eichenberger stammte aus einer alten Industriellenfamilie und stellte in der Folge die zweite wichtige Person in der Geschichte von Perrot Duval dar. Unter seiner Leitung wurde die Abteilung «Beleuchtung» industrialisiert und internationalisiert. Zudem wurde ab 1959 mit dem Einstieg im Bereich der Elektronik eine neue Geschäftsaktivität erschlossen sowie der Automobilbereich wieder in die Gewinnzone gebracht.
1970 wurde der Automobilbereich zugunsten der Aktivitäten im Elektronikbereich aufgegeben. Diese bildeten als Sparte «Industrielle Automatisierung» immer mehr das neue Kerngeschäft von Perrot Duval bzw. von Infranor. Schliesslich wurde 1972 auch der Geschäftsbereich «Beleuchtung» aufgegeben und an ein auf die Aussenbeleuchtung spezialisiertes amerikanisches Unternehmen veräussert.
In der Folge wurde der Bereich «Industrielle Automatisierung» durch verschiedene Zukäufe weiter ausgebaut und unter dem Dach der 1987 an die Börse gebrachte Unterholding «Infranor Inter AG» zusammengefasst. Diese war auf die Automatisierung von Bewegungen, die von industriellen Maschinen oder autonomen Anlagen und Geräten wie medizinischen, simulationstechnischen oder Kommunikationsgeräten ausgeführt werden, spezialisiert.
1989 wurde ein zweiter Geschäftsbereich auf dem Gebiet der Verfahrensautomatisierung im Bereich der Herstellung von chemischen und pharmazeutischen geschaffen und hierfür eine weitere Unterholding namens Hopare Holding AG gegründet, die 2008 in Füll Process AG umbenannt wurde.
1992 übergab Maurice Eichenberger die Unternehmensleitung an Nicolas Eichenberger.
Mit Wirkung zum 6. Januar 2020 verkaufte Perrot Duval die Infranor Inter AG an die chinesische Guangzhou Haozhi Industrial Co. Ltd für einen schuldenbereinigten Kaufpreis von 33,7 Millionen Schweizer Franken. Die einzige verbliebene operative Tochtergesellschaft war damit die Füll Process AG.
Im Oktober 2021 stieg Perrot Duval mit dem Kauf der deutsch-französischen Polystone Chemical in den Bereich der Herstellung dekorativer Kosmetik ein und baute sich damit neben der Füll Process AG wieder ein zweites Standbein auf.
Im April 2025 wurde bekannt, dass Nicolas Eichenberger seine Kontrollmehrheit an der Perrot Duval Holding zusammen mit weiteren Mitgliedern des Managements nach über 70 Jahren in Familienbesitz verkaufen möchte. Käufer waren verschiedene Mitglieder der Familie Shahin, welche dann über 52,68 % der Stimmrechte verfügt hätten. Der Verkauf scheiterte allerdings im September 2025. Ursache waren nicht erfüllte Verpflichtungen auf Käuferseite in Bezug auf die finanzielle Absicherung des Kaufpreises von rund 6 Millionen Schweizer Franken.

Aus einem Computerclub heraus wurde Infomaniak im Jahr 1994 von Boris Siegenthaler und Fabian Lucchi zunächst als Ladengeschäft für Computer in Châtelaine gegründet.
Ab 1995 bot das Unternehmen allen Käufern eines Computers im eigenen Ladengeschäft einen unbegrenzten kostenfreien Internetzugang an. Am 6. Mai 1997 wurde das Unternehmen TWS Infomaniak SA als Internetprovider gegründet. Er bot allen interessierten Kunden im Raum Genf einen Internetzugang an, der deutlich günstiger als die Angebote der Konkurrenz war. 1998 nutzte mit 40'000 Kunden jeder zehnte Einwohner des Kantons Genf einen Internetzugang von TWS Infomaniak.
Im Jahr 1999, als die Konkurrenz durch neu aufkommende günstige Internetprovider infolge des Falls des Telefoniemonopols der Swisscom immer grösser wurde, positionierte sich das Unternehmen um und stieg in den Bereich Webhosting ein – bis heute der wichtigste Geschäftsbereich des Unternehmens – und benannte sich in Infomaniak Network SA um.
Siegenthaler und Lucchi erhielten während der Dotcom-Blase mehrere Übernahmeangebote, Siegenthaler lehnte diese allerdings stets ab. Lucchi, der einem Verkauf offener gegenüberstand, verkaufte seine Anteile später an Siegenthaler, sodass dieser Alleineigentümer wurde.
Bereits 2005 war Infomaniak Marktführer beim Hosting von Webradio-Streams in der Romandie und in Frankreich. 2007 war Infomaniak mit 40'000 registrierten Domains der zweitgrösste Webhosting-Anbieter der Schweiz. Das Unternehmen wuchs in der Folge stark. Wurden 2013 noch 50 Mitarbeiter beschäftigt, waren es Anfang 2019 105 und im März 2026 bereits 316 Mitarbeiter.
Im Jahr 2022 brachte das Unternehmen die Kollaborationslösung kSuite auf den Markt, die als eine europäische Alternative zu Microsoft 365 und Google Workspace positioniert werden soll.
Infomaniak positioniert sich heute besonders im Bereich nachhaltiger IT-Infrastruktur mit Fokus auf Datenschutz, Open Source, fairer Bepreisung und Umweltschutz. So kühlt das Unternehmen seine Rechenzentren in Genf und Zürich bereits seit 2013 mit gefilterter Aussenluft und verzichtet auf eine sonst übliche Klimatisierung. Die Abwärme der Server wird seit 2024 in das Genfer Fernwärmenetz eingespeist.
Bis 2026 wurde das Unternehmen vollständig privat gehalten mit Boris Siegenthaler als Mehrheitsgesellschafter. Im Mai 2026 übergab Siegenthaler die Mehrheit der Stimmrechte in Form spezieller, nicht veräusserbarer Aktien an die neu gegründete Infomaniak-Stiftung mit dem Ziel, die langfristige Unabhängigkeit des Unternehmens zu wahren.
Ende Juli 2026 kündigte Perrot Duval an, seine in der Füll Process AG versammelten restlichen Industrieaktivitäten in Form eines Management-Buy-Out zu veräussern und Infomaniak im Rahmen eines Reverse Takeover zu übernehmen. Dabei soll es Infomaniak ermöglicht werden, nach einer langen Phase der reinen Innenfinanzierung durch Gründer, Mitarbeiter und Gewinnen aus laufendem Geschäftsbetrieb, weiteres Wachstumskapital über die Börse aufzunehmen. Dies soll insbesondere dem Ausbau der Rechenzentrumskapazität dienen, wozu sich das Unternehmen eingeräumt hat, bis September 2031 das Kapital um bis zu ein Drittel zu erhöhen. Die Transaktion wurde mit Wirkung zum 1. Oktober 2026 abgeschlossen und die Perrot Duval Holding SA in Infomaniak SA umbenannt. Nach der Fusion mit Perrot Duval verfügt die Infomaniak-Stiftung über 14,7 % des Kapitals, allerdings mit 63,3 % über die Mehrheit der Stimmrechte. Hierfür wurde eine Mehrfachstruktur aus kotierten B-Aktien mit einfachem Stimmrecht und nichtkotierten A-Aktien mit zehnfachem Stimmrecht geschaffen. Nicolas Eichenberger, bisher Grossaktionär der Perrot Duval Holding SA, wurde in den Verwaltungsrat der Infomaniak SA berufen.
Am Ende des ersten Handelstags nach der Umbenennung in Infomaniak SA erreichte das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von 400 Millionen Schweizer Franken.