Informelle Arbeit bezeichnet unterschiedliche Formen der (Selbst-)Beschäftigung oder des Wirtschaftens, die von der gesetzlich geregelten Normalform und den in der jeweiligen Wirtschaftsordnung vorherrschenden Standards abweichen.
Informelle Arbeit wird in amtlichen Statistiken selten erfasst und ist auch schwer zuverlässig zu messen. Die ILO-Definition von 1993 definiert den informellen Sektor einer Volkswirtschaft dadurch, dass bei diesen wirtschaftlichen Aktivitäten keine Trennung von Unternehmen und Privathaushalt gegeben sei. Der Kapitaleinsatz sei ebenso wie das Organisationsniveau gering. Alternativ wird der informelle Sektor einer Volkswirtschaft als deren Teil definiert, dessen wirtschaftliche Tätigkeit nicht staatlich erfasst, reguliert und kontrolliert wird und in dem die Beschäftigten nicht rechtlich und sozial abgesichert sind.
Italien gehört zu den wenigen Ländern, die den informellen Sektor und die sogenannte nicht beobachtete Wirtschaft (Non-Observed Economy, NOE) durch das Istituto Nazionale di Statistica systematisch und auch illegale Aktivitäten zumindest schätzungsweise erfassen. Immr wieder gibt es hier auch Legalisierungswellen, durch die informelle Arbeit (vor allem von Migranten) legalisiert wird.
Unter den Oberbegriff „informelle Arbeit“ werden so unterschiedliche Erscheinungen gebracht wie: Schwarzarbeit, Subsistenzarbeiten, prekäre Arbeit, Schattenwirtschaft, Arbeit auf Tageslohnbasis, saisonale Wanderarbeit, Heimarbeit, Straßenhandel, Müllsammeln, aber auch unbezahlte Hausarbeit, häusliche Pflege oder Kinderbetreuung. Das Institut der deutschen Wirtschaft unterscheidet präziser zwischen
Letztere wird im Allgemeinen nicht zum informellen Sektor gezählt. Die Abgrenzung informeller Arbeit von illegalen Aktivitäten ist jedoch oft schwierig und hängt von der lokalen Gesetzgebung ab (z. B. Drogenanbau in Lateinamerika, Prostitution, Glücksspiel). Häufig wird informelle Arbeit auch durch kriminelle Vermittler organisiert und nimmt dann zwangsarbeitsähnliche Formen an (so im süditalienischen Caporalato- oder im Gangmaster-System).
Die theoretische und empirische Abgrenzung der informellen Arbeit ist auch dadurch erschwert, weil als Maßstab zur Bestimmung der informellen die formelle Beschäftigung herangezogen wird. Die Art und der Grad der Formalisierung von Beschäftigung sind nicht nur in jeder Volkswirtschaft unterschiedlich; auch verschieben sich entlang der Zeitachse in einer jeden Wirtschaftsordnung die Grenzen dessen, was als formell und informell gilt. Eine frühe Form einer noch sehr allgemeinen Regulierung informeller Arbeit war das Dienstbotenrecht im Code civil von 1804 im Rahmen des Mietvertragsrechts unter dem Titel Du louage des domestiques et ouvriers (Mietung von Diensten von Hausangestellten und Arbeitern) im Dritten Kapitel (Du louage d’ouvrage et d’industrie) unter den Artikeln 1780 ff. Diese rudimentäre Vertragsform, die das Hauspersonal wie eine Handelsware behandelte, war auch im französisch beeinflussten Teil Deutschlands bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahr 1900 üblich. In Preußen galt die noch restriktivere Gesindeordnung von 1810, die zwar einen freiwilligen Vertragsabschluss, jedoch zwischen extrem ungleich positionierten Geschäftspartnern, vorsah. Eine weitere Form der Regulierung unterhalb arbeitsrechtlicher Vorschriften war das Werkvertragsrecht nach §§ 631–650v BGB.
Nach älteren Prognosen der OECD arbeiteten 2020 weltweit mehr als 60 Prozent bis zwei Drittel der Beschäftigten weltweit im informellen Sektor. Die Vorhersage, dass der Anteil der informellen Arbeit im Zuge der Globalisierung und des allgemeinen Wirtschaftswachstums schrumpfen würde, hat sich nicht im erwarteten Umfang bewahrheitet. In allen OECD-Ländern ist der Anteil der Schattenwirtschaft von 1990 bis 2007 gestiegen; allerdings war er im Jahr 2000 in allen OECD-Ländern außer in Österreich und der Schweiz durchweg höher als 2007. Besonders hoch war er in Südeuropa und Polen, besonders niedrig in den angelsächsischen Ländern. In China ging die Zahl der Wanderarbeiter stark zurück. Etwa 250 Millionen Wanderarbeitende vom Lande (Mingong, „Volks-Arbeiter“) haben allerdings auch heute noch aufgrund des Hukou-Systems (Registrierungssystem) in den Städten keinen vollen Zugang zum Sozialversicherungssystem und arbeiten oft ohne formelle Verträge in Bau, Gastronomie oder Logistik.
Geschätzt wurde 2007, dass die deutsche Schattenwirtschaft einschließlich der Untergrundwirtschaft etwa 15 Prozent des Bruttoinlandprodukts entspricht. Davon entfallen etwa 3–4 Prozent auf den Materialeinsatz und 4–5 Prozent auf illegale Aktivitäten sowie ca. 6–7 Prozent auf die Arbeitsleistungen selbst. Der informelle Sektor im engeren Sinne umfasst demnach einschließlich Materialeinsatz ca. 10 Prozent des BIP. Jedoch werden insgesamt nur etwa ein bis zwei Prozent der informellen Wirtschaft im BIP abgebildet.
In den haushaltsnahen Bereichen der Selbstversorgungswirtschaft und in den privaten Dienstleistungen ist der Anteil von Frauen am informellen Sektor besonders hoch. In der Landwirtschaft Südeuropas und der USA sind häufig Migranten als informelle Arbeitskräfte beschäftigt.
Der ILO-Bericht Innovative Ansätze für die Bekämpfung von Informalität und die Förderung des Übergangs zur Formalität zugunsten von menschenwürdiger Arbeit enthält eine Grafik zum "Anteil der informellen Beschäftigung an der Gesamtbeschäftigung (in Prozent), 2004–24", der die folgenden Angaben entnommen sind:
| Region | Anteil der informellen Beschäftigung in % |
|---|---|
| Südasien | 86,6 |
| Afrika südlich der Sahara | 86,3 |
| Afrika | 83,1 |
| Südostasien und Pazifikraum | 67,3 |
| Asien und Pazifik | 65,5 |
| Nordafrika | 62,8 |
| Welt | 57,8 |
| Lateinamerika und Karibik | 51,7 |
| Arabische Staaten | 50,7 |
| Ostasien | 46,2 |
| Zentral- und Westasien | 35,8 |
| Amerika | 35,4 |
| Osteuropa | 19,0 |
| Europa und Zentralasien | 16,7 |
| Nordamerika | 8,7 |
| Nord-, Süd- und Westeuropa | 8,6 |
Während in wohlhabenden Ländern die informelle Wirtschaft primär eine Ausweichreaktion auf hohe Steuern, Sozialabgaben und Regulierungsdichte ist oder durch Auslagerung digitalisierbarer Tätigkeiten auf Plattformen zwecks Vermeidung betrieblicher Kosten entsteht (exit), beruht sie im Globalen Süden meist auf einem Mangel an regulären Arbeitsplätzen bzw. auf fehlenden Zugangsmöglichkeiten zum formellen Sektor (exclusion).
Wichtigster Treiber in Deutschland ist nach einer makrokonomischen Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft die Gesamtregulierungsdichte von Arbeits- und Produktenmärkten und erst in zweiter Linie die Steuer- und Abgabenbelastung. Aber auch bei hohen Nettoeinkommen ist es für Arbeitgeber und Arbeitnehmer oft lukrativer, Tätigkeiten in die Schattenwirtschaft zu verlagern. Andererseits kann die Ausbreitung eines informellen Sektors auch durch Deregulierung gefördert werden.
Auch staatliche Trasferleistungen sind relevant für Entstehung und Umfang der informellen Wirtschaft. Dabei spielt der Grenzsteuersatz auf die zusätzlichen Einnahmen von Transferempfängern eine entscheidende Rolle. Wird jeder zusätzliche Verdienst voll auf das Transfereinkommen angerechnet, ist der Anreiz zur Schwarzarbeit besonders hoch.
Der Energieeinsatz im informellen Sektor ist sehr gering. Ambivalent ist sein Umgang mit knappen materiellen und Bioressourcen: Teils nutzt er mit kreativen Mitteln lokale und marginale (Gratis-)Ressourcen wie Abfälle des formellen Sektors aus purer Notwendigkeit und materiellem Mangel (z. B. durch Müllsammlung, Recycling und Reparatur), teils werden knappe Ressourcen und öffentliche Güter zweckentfremdet oder illegal beschafft (z. B. durch Herstellung von Souvenirs aus Tropenholz oder Plünderung archäologischer oder geologischer Fundstätten). In den Megastädten des Globalen Südens spielt der informelle Sektor heute eine bedeutende Rolle in der Müllentsorgung, -sortierung und damit für die Entwicklung einer stoffspezifischen Kreislaufwirtschaft.
Teils wird der informelle Sektor im Rahmen staatlicher Strategien genutzt. So spielt er in der indonesischen Abfallwirtschaft eine absolut zentrale Rolle. Da eine flächendeckende staatliche Müllabfuhr und geordnete Infrastruktur in vielen Regionen des Archipels mit Tausenden Inseln und rasant wachsenden Städten fehlen oder nur einen Bruchteil des Abfalls erfassen, schließt der informelle Sektor diese Lücke.
Zu den Leistungen des informellen Sektors gehört, dass er in vielen Ländern mehr Arbeitskräfte ausbildet als das formale (Berufs-)Bildungssystem und dass er zahlreiche Güter und Dienstleistungen für Haushalte mit geringem Einkommen produziert. Auch mit geringem Kapital- und Energieeinsatz erreicht der Sektor eine hohe Beschäftigung.
Das Bestreben der Gewerkschaften wie der ILO ist es, möglichst große Bereiche des informellen Sektors in formeller Beschäftigung zu überführen. Grundlegend dafür ist die
Für die Internationale Arbeitskonferenz 2025 wurde der Bericht
erstellt.
Die Plattform ILOSTSAT enthält nach Ländern (und zusätzlich nach Geschlecht) aufgeschlüsselte Daten zu informeller Arbeit.
Es gibt kein Übereinkommen der ILO, das sich auf den informellen Sektor insgesamt bezieht (wohl aber die erwähnte Empfehlung 204).
Mehrere Abkommen betreffen Teilbereiche informeller Arbeit, u. a.:
Auf globaler Ebene existiert u. a. die Internationale Föderation der Hausangestellten, die mit dem IGB zusammenarbeitet.
Ansätze auf nationaler Ebene sind u. a.: