Jutta Madlung (l) und Inga Madlung (r) beim Bergen-Belsen Prozess
Link zum Bild (der Link führt zu einer Seite außerhalb der Wikipedia)
Inga Maria Madlung (geboren am 22. Juni 1920 in Hamburg; gestorben am 14. Oktober 1995 in London) war eine Akteurin des jüdischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Sie war in der Hamburger Swing-Jugend aktiv. Wegen „Verächtlichmachung der Reichsregierung“ und dem „Abspielen englischer Tanzplatten“ war sie knapp eineinhalb Jahre lang in Konzentrationslagern inhaftiert.
Inga Madlung wuchs zusammen mit ihrer Schwester Jutta Madlung in einer gutbürgerlichen Hamburger Familie auf. Ihr Vater stammte aus einer jüdischen Familie und war Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei. Ihre Mutter kam aus einer evangelischen Familie. Im Laufe des Jahres 1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht in Deutschland. Schon damals im Alter von 13 Jahren beschäftigte sie sich intensiv und kritisch mit der antijüdischen Rassenpolitik des neuen Regimes. Sie galt infolge der unterschiedlichen Herkunft ihrer Eltern als Geltungsjüdin. In ihrer Familie wurde viel über die Rassenpolitik gesprochen, insbesondere über die zunehmende Ausgrenzung und rassische Verfolgung von Jüdinnen und Juden.
Nach der Schulzeit arbeitete sie im Sekretariat der Rechtsanwaltskanzlei ihres Vaters. Spätestens ab 1937 zeigte Inga Madlung öffentlich ihren Abstand zum NS-Regime. So war sie Teil der Hamburger Swing-Jugend und machte Musik der Richtung Swing. Sie war Sängerin und lernte Saxophon spielen. Auf privaten Feiern trat sie zusammen mit ihrer Schwester Jutta auf. Sie spielten Swing als „The Andrews Sisters“ oder sogenannte Swing Girls. In der Öffentlichkeit zeigte sie sich weiterhin mit ihren jüdischen Freundinnen und Freunden. Jutta Madlung gab später in einem Wiedergutmachungsverfahren zu Protokoll, dass sich Inga Madlung aus innerer Überzeugung gegen den Nationalsozialismus aufgelehnt hätte. Sie hätte einer Gruppe junger Leute angehört, die sich zum Ziel gesetzt hätten, durch Propaganda dem Nationalsozialismus zu schaden.
Am 13. Juni 1942 wurde Inga Madlung zusammen mit ihrer Schwester Jutta durch zwei Beamtinnen der Geheimen Staatspolizei im Hause ihres Vaters und in dessen Gegenwart festgenommen. Inga wurde „Verächtlichmachung der Reichsregierung“ sowie das „Abspielen englischer Tanzplatten“ vorgeworfen. Sie wurde drei Monate lang im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert bevor sie am 9. September 1942 als politischer Häftling in das Frauenlager KZ Ravensbrück überstellt wurde. In der Absicht ihren Mithäftlingen Mut zu machen, sang sie zusammen mit ihrer Schwester nach Arbeitsende oder während der Nachtruhe heimlich in ihrer Baracke Titel aus ihren Swing-Repertoire. Inga Madlung wurde am 4. November 1943 aus dem KZ Ravensbrück in ihr Elternhaus entlassen. Durch die KZ-Haft hatte ihre Gesundheit sehr gelitten. Jutta Madlung schrieb zu Ingas Gesundheitszustand: „Meine Schwester war mit mir zusammen einer Arbeitskolonne zugeteilt, … . Diese Arbeit konnte meine Schwester nach ihrer Entlassung aus dem Krankenrevier nicht mehr ohne fremde Hilfe ausführen.“
Nach Kriegsende erhielt Madlung eine Entschädigung für ihre Haftzeit und deren Folgen. Sie war infolge der in der Haft erlittenen Augenschäden arbeitsunfähig. Im Herbst 1945 war sie Zeugin im Prozess gegen diejenigen Mitglieder des Aufsichtspersonals des KZ Bergen-Belsen, die zuvor im KZ Ravensbrück eingesetzt worden waren (Entlastungszeugin für Hertha Ehlert). 1948 verließ sie Deutschland und zog nach Großbritannien. Sie heiratete, nahm den Namen Shelton an, den Namen ihres Mannes, und gründete mit ihm eine Familie.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Madlung, Inga |
| ALTERNATIVNAMEN | Madlung, Inga Maria (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | Aktivistin im jüdischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus |
| GEBURTSDATUM | 22. Juni 1920 |
| GEBURTSORT | Hamburg |
| STERBEDATUM | 14. Oktober 1995 |
| STERBEORT | London |