Jutta Madlung

Jutta Madlung (l) und Inga Madlung (r) beim Bergen-Belsen Prozess
Link zum Bild (der Link führt zu einer Seite außerhalb der Wikipedia)

(Bitte Urheberrechte beachten)

Jutta Melanie Madlung (geboren am 8. Dezember 1921 in Hamburg; gestorben am 23. Oktober 2000 ebenda) war eine Person im jüdischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Sie war in der Hamburger Swing-Jugend aktiv. Wegen „Verächtlichmachung der Reichsregierung“ und dem „Abspielen englischer Tanzplatten“ wurde sie ein Jahr lang in Konzentrationslagern inhaftiert.

Leben

Jutta Madlung wuchs zusammen mit ihrer Schwester Inga Madlung in einer gutbürgerlichen Hamburger Familie auf. Ihr Vater stammte aus einer jüdischen Familie und war Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei. Ihre Mutter kam aus einer evange­lischen Fa­mi­lie. Infolge der unterschiedlichen Herkunft ihrer Eltern galt Jutta Madlung in der NS-Zeit als Geltungs­jüdin. Madlung besuchte mehrere Privatschulen. Nach der Schulzeit wollte sie sich unabhängig von ihrer Familie machen und trat darum nicht in die Kanzlei des Vaters ein. Vielmehr wurde sie Laborantin für medizinisch-chemische Untersuchungen in Hamburg.

Jutta Madlung war in der Hamburger Swing-Jugend aktiv. Zusammen mit ihrer Schwester Inga traten sie bei privaten Veranstaltungen als sogenannte Swing Girls auf, zum Beispiel als Double der Andrews Sisters. Die Behandlung von Jüdinnen und Juden während der Zeit des Nationalsozialismus nannte sie ein „grobes Unrecht“. In der Öffentlichkeit zeigte sie sich mit der später erschossenen jüdischen Freundin Inge Reis, zu der sie eine herzliche Freundschaft pflegte und die den gelben Judenstern tragen musste. Sie geriet deswegen in Konflikt mit Mitgliedern der lokalen Hitlerjugend (HJ) und wurde durch einen Angehörigen des HJ-Streifendiensts verwarnt. Trotzdem hielt sie den Kontakt zu jüdischen Freundinnen und Freunden aufrecht. Nach Jutta Madlungs eigenen Worten hatte sie sich aus innerer Überzeugung gegen den Nationalsozialismus aufgelehnt. Sie gehörte zu einer Gruppe junger Leute, die sich zum Ziel gesetzt hatten, durch Propaganda dem Nationalsozialismus zu schaden.

Weil sie dem Nationalsozialismus gegenüber kritisch eingestellt war und „politische Witze erzählte“, wurde sie, ebenso wie ihre Schwester Inga, am 13. Juni 1942 durch zwei Beamtinnen der Geheimen Staatspolizei festgenommen. Sie wurde wegen „Verächtlichmachung der Reichsregierung“ und dem „Abspielen englischer Tanzplatten“ im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert und drei Monate später in das Frauen KZ Ravensbrück überführt. Sie war dort im Block der politischen Häftlinge untergebracht. In der Absicht ihren Mithäftlingen Mut zu machen, sang sie zusammen mit ihrer Schwester nach Arbeitsende oder während der Nachtruhe heimlich in ihrer Baracke Titel aus ihren Swing-Repertoire. Jutta Madlung erzählte: „Die (Mitgefangenen) fanden das gut, die freuten sich um ’ne Abwechslung, wenn wir In the Mood sangen oder Bei mir bist du schoen oder A Tisket, a Tasket oder was es gab“. Am 13. August 1943 wurde sie aus dem KZ Ravensbrück nach Hause entlassen.

Nach Kriegsende lebte Jutta Madlung weiterhin in Hamburg und erhielt eine Entschädigung für ihre Haftzeit und deren Folgen. Im Herbst 1945 war sie Zeugin im Prozess gegen diejenigen Mitglieder des Aufsichtspersonals des KZ Bergen-Belsen, die zuvor im KZ Ravensbrück eingesetzt worden waren. Beispielsweise trat sie als Entlastungszeugin im Fall Herta Ehlert auf. 1950 gab sie aus gesundheitlichen Gründen ihre Arbeit als Laborantin auf. Sie heiratete vor Oktober 1950 und führte danach den Familiennamen Götz.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 Jutta Madlung. In: frauen-im-widerstand-33-45.de. Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand, abgerufen am 26. Oktober 2026.
  2. ↑ Inga Maldung. In: frauen-im-widerstand-33-45.de. Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand, abgerufen am 26. Oktober 2026.
  3. 1 2 3 4 5 Erklärung von Dr. Hans Madlung. In: frauen-im-widerstand-33-45. Abgerufen am 26. Oktober 2026.
  4. 1 2 Versicherung von Jutta Götz, geborene Madlung. In: frauen-im-widerstand-33-45.de. Abgerufen am 26. Oktober 2026.
  5. ↑ Erwin Bachmann: Bericht über Jutta Madlung als Häftling im KZ Ravensbrück. In: frauen-im-widerstand-33-45.de. Abgerufen am 26. Oktober 2026.
  6. 1 2 Kinder hinter Stacheldraht schaukeln. In: holocaustmusic.ort.org. Music and the Holocaust, abgerufen am 26. Oktober 2026.
  7. ↑ Belsen Trial Witness Sisters Jutta Madlung. In: shutterstock.com. Shutterstock Editorial, abgerufen am 26. Oktober 2026.
Personendaten
NAME Madlung, Jutta Melanie
ALTERNATIVNAMEN Madlung, Jutta Melanie (vollständiger Name); Götz, Jutta (Ehename)
KURZBESCHREIBUNG deutsche Aktivistin im jüdischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus
GEBURTSDATUM 8. Dezember 1921
GEBURTSORT Hamburg
STERBEDATUM 23. Oktober 2000
STERBEORT Hamburg