Integralismus (seltener: Integrismus) bezeichnet im Kontext des Katholizismus verschiedene Strömungen und Bewegungen, die fordern, dass das gesellschaftliche und politische Leben der Autorität der Kirche unterstellt werden müsse. Der Begriff wurde geprägt als Selbstbezeichnung antimodernistischer Katholiken Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts und wird seither sowohl als historische Kategorie als auch – kritisch – als Beschreibung einer bestimmten Art des Katholisch-Seins verwendet. Oswald von Nell-Breuning definierte ihn als „religiösen Totalitarismus“ innerhalb des Katholizismus.
In der Forschung werden mehrere Phasen des Integralismus unterschieden: der „klassische“ Integralismus um die Wende zum 20. Jahrhundert, dessen bekanntester Ausdruck der Denunziantenkreis Sodalitium Pianum unter Umberto Benigni war; das Nachwirken dieser Strömung in politischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts, etwa im portugiesischen Integralismo Lusitano oder im Brasilianischen Integralismus; ein nachkonziliarer Integralismus, der nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in traditionalistischen Gruppen wie der Piusbruderschaft fortlebte; sowie schließlich der seit den 2010er Jahren vor allem in den USA aufgekommene Neo-Integralismus, eine intellektuelle Bewegung innerhalb der Neuen Rechten, die eine Unterordnung des Staates unter die Kirche in Fragen des übernatürlichen Gemeinwohls anstrebt.
Klassischer Integralismus
Die Wurzeln des „klassischen“ Integralismus liegen im mittelalterlichen Gregorianischen Reformpapsttum, im Zuge dessen auch die Gesellschaft radikal verkirchlicht wurde. James Patterson nennt als Beispiel die Bulle Unam Sanctam (1302), in der Papst Bonifatius VIII. das Recht beanspruchte, stets intervenieren zu können, wenn politische Führer die Lehre der Kirche verletzten.
Auf die im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert folgende Entkirchlichung der Gesellschaft reagierte eine Gruppe von Katholiken mit einem Antimodernismus, der die erneute Verkirchlichung forderte. Im Kontext des Streits zwischen diesen Antimodernisten und den „Modernisten“ bezeichneten sich insbesondere nach Veröffentlichung der päpstlichen Enzyklika Pascendi Dominici Gregis (1907) jene Antimodernisten, die sich als dem katholischen Glauben besonders treu verstanden, und die einen nicht nur theologischen, sondern direkt gesellschaftlich wirksamen Antimodernismus vertraten, als „integrale Katholiken“ (frz.: „Catholiques intégraux“).
Wichtig war vor allem ein kleiner Kreis von Denunzianten um Umberto Benigni, der bekannt wurde unter dem Namen Sodalitium Pianum. Die Angehörigen beschrieben sich selbst als „cattolici integrali“; auch im Deutschen verwendeten sie „Integralismus“ als Selbstbezeichnung. Anfang des 20. Jahrhunderts ging der Benigni-Kreis vor gegen „Liberalismus“, worunter nach dem radikalen Verständnis dieser Gruppe auch diverse katholische Ansätze fielen, sich in Politik und Gesellschaft den Verhältnissen der Zeit anzupassen. Zu diesem Zweck sammelte der Kreis mit Billigung und Unterstützung von Papst Pius X. Informationen über vermeintliche „Modernisten“, spielte diese zum einen vermengt mit Desinformation dem Papst zu und veröffentlichte sie zum anderen in Form von Pressekampagnen über eine Reihe ihm nahestehender Zeitschriften in der Öffentlichkeit – darunter Benignis eigenes Blatt Correspondance de Rome und im deutschen Sprachraum die Trierer Petrus-Blätter, das Österreichische katholische Sonntagsblatt, die Wochenschrift Klarheit und Wahrheit, außerdem bis 1945 die Schweizer Schildwache. Ziele waren zum Beispiel zu progressive Akademiker oder im deutschen Sprachraum die Deutsche Zentrumspartei und christliche Gewerkschaften, die in den Augen Roms und romtreuer Katholiken gar zu unabhängig von der Kurie agierten, verdächtig mit Protestanten kooperierten und daher als Vorboten einer neuen Glaubensspaltung bewertet wurden. Unter dem Nachfolger von Pius X., Papst Benedikt XV., wurde das Sodalitium um 1921 förmlich aufgelöst.
Nachwirken des klassischen Integralismus
Auch nach Auflösung des Sodalitium wirkte der Integralismus an verschiedenen Orten fort. In Portugal hatte er die 1914 gegründete monarchistische und kirchennahe Bewegung Integralismo Lusitano inspiriert, Wurzel und Vorgänger des portugiesischen Faschismus unter António de Oliveira Salazar, der bei seinem Umbau des Staats in den 1930ern integralistische Ideen jedoch nur eingeschränkt umsetzte. Nach dem Vorbild des portugiesischen Integralismus wiederum gründete außerdem 1932 Plínio Salgado in Brasilien die Partei Ação Integralista Brasileira, in der sich die rechtsextreme Bewegung des Brasilianischen Integralismus formierte, darunter auch die meisten Deutsch-Brasilianer, die diese Partei der brasilianischen Nazi-Partei vorzogen. Nach einem erfolglosen Putsch-Versuch wurde sie 1938 verboten. Integralistische Ideen wirken in Brasilien jedoch fort und werden weitergepflegt in der rechtschristlichen Bewegung Sociedade Brasileira de Defesa da Tradição, Família e Propriedade (TFP).
Auch in Deutschland flackerte der Integralismus nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf, nun oft bezeichnet als „Rechtskatholizismus“. Ab 1945 versuchten Rechtskatholiken, vor allem mit Hilfe der Christlich Demokratische Union Deutschlands „Gedanken und Vorstellungen eines christlichen Staates in die Verfassungen und die grundlegenden Gesetze einzubringen“. Die Unionsparteien entzogen sich diesen Bestrebungen nur teilweise.
Integralismus nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil
Das Zweite Vatikanische Konzil, geprägt vom Gedanken des Aggiornamento und vorbereitet durch Texte wie Jacques MaritainsAntimoderne (1922), markierte eine Abkehr des katholischen Lehramts vom integralistischen Denken. Die Erklärung Dignitatis humanae entwickelte eine Kirchenlehre, in der die Kirche nicht mehr als Akteur mit Herrschaftsanspruch verstanden wurde, sondern die Religionsfreiheit zu achten habe und nicht länger beanspruchte, Individuen in religiösen Belangen Zwang unterwerfen zu können.
Ungefähr zeitgleich entwickelten mehrere Konzilstheologen Theologien, laut denen es sich beim Integralismus weniger um ein konkretes historisches Phänomen handle als um eine abzulehnende „Art, katholisch zu sein“. Yves Congar beispielsweise beschrieb ihn als „primär eine Mentalität oder Haltung, die eine bestimmte Art und Weise bestimmt, katholische Positionen einzunehmen.“ Wie Nell-Breuning entdeckte auch Congar eine Nähe zwischen einer Neigung zum Integralismus und einer Neigung zu politisch rechten Gesinnungen; darüber hinaus sammelte er acht Merkmale, die seiner Ansicht nach diese Art und Weise des Katholisch-Seins bestimmten: (1) Pessimismus hinsichtlich der menschlichen Natur, (2) die Überzeugung von der Notwendigkeit starker Autorität, (3) Misstrauen gegenüber dem Begriff der Entwicklung, (4) Neigung zu einem rigoristischen Katholizismus, (5) Betonung dogmatischer Formeln gegenüber der subjektiven Glaubenswirklichkeit, (6) intellektuelle Leidenschaft für deduktives und Abneigung gegen induktives Denken, (7) Autoritarismus in der Kirche sowie (8) die Vorstellung, dass die Kirche durch eine Autoritätsstruktur geprägt sein solle. Ähnlich bestimmte Karl Rahner den Integralismus als nicht nur ein historisches Phänomen, sondern eine nach wie vor nicht überwundene „bestimmte Deutung des Verhältnisses der Kirche zur Welt […], das jede Art von ‚Säkularisation‘ verwirft [… –] die theoretische oder (unreflex) praktische Haltung, derzufolge das Leben des Menschen von allgemeinen, von der Kirche verkündigten und in ihren Ausführungen überwachten Prinzipien aus eindeutig entworfen und manipuliert werden könne.“ Solcherart aber wolle die Kirche Rahner zufolge gar nicht sein; Integralismus sei „prinzipiell falsch“. Hans Urs von Balthasar schließlich leitete aus den Schriften Maurice Blondels zwei verschiedene „Erkenntnistheorien“ ab: Die des „zeitaufgeschlossenen“ Christen, der in der Geschichte solidarisch tätig werde, versus der des Integralisten, der geleitet von anderen Prioritäten „mit allen Mitteln […] zuerst die politische und soziale Machtstellung der Kirche an[strebe], um dann von dieser errungenen Festung und Kanzel aus die Bergpredigt und Golgotha zu verkünden.“
In diesem für integralistische Ideen nicht mehr günstigen Klima wurden dieselben in einzelnen Bewegungen und Gruppen weitergepflegt. Hans Urs von Balthasar nennt als Beispiele die französische Gruppe La Cité Catholique mit der eigenen Zeitschrift Verbe und die bereits ältere Bewegung Opus Dei als „stärkste integralistische Machtballung in der Kirche“, die laut Gabriela Arguedas-Ramírez den Integralismus ähnlich in die Gegenwart transportierte wie TFP in Brasilien. Christopher van der Krogt trägt außerdem exemplarisch vier um diese Zeit entstandene Gruppen zusammen, die alle jeweils eigene Wege fanden, mit der kirchlichen Innovation umzugehen: die Piusbruderschaft, für die die Päpste seit Johannes XXIII. die Gläubigen fehlgeleitet haben, die Congregation of Mary Immaculate Queen, die als Sedisvakantisten davon ausgehen, seit dem „häretischen“ Johannes XXIII gebe es gar keinen ordentlichen Papst mehr, sowie die Palmarianisch-katholische Kirche, die von einem Gegenpapst geleitet wird. Van der Krogt nennt außerdem Catholics United for the Faith, die sich zwar primär gegen Verhütung und für eine Beibehaltung der traditionellen Geschlechterrollen einsetzten, für ihn aber ein Beispiel für eine kompromisslos innovationsfeindliche romtreue Linie darstellen.
Neo-Integralismus
Der Neo-Integralismus ist eine intellektuelle Bewegung und Strömung innerhalb des US-amerikanischen Postliberalismus, der wiederum als katholischer Flügel der US-amerikanischen Neuen Rechten eingeordnet wird.
Integralistische Gedanken kursierten bereits ab den 1980ern wieder in Form des sogenannten „integralistischen Einwands“ unter US-amerikanischen rechtschristlichen Intellektuellen, zu dieser Zeit aber noch individualistisch gedacht und unter evangelikalenReligionsphilosophen: Beginnend mit Alvin PlantingasAdvice to Christian Philosophers gingen diese davon aus, dass es für manche Christen unmöglich sei, sich auch in Bereichen wie der Politik oder der Wissenschaft von anderen Maßstäben als den christlichen leiten zu lassen.
Als eigentliches Gründungsmoment betrachtet die Theologin Michaela Quast-Neulinger eine 2012 unter dem Titel „The Idea of Christendom“ veranstaltete wissenschaftliche Tagung an der Katholischen Hochschule ITI im österreichischen Trumau, bei der mehrere Denker zusammenkamen, die später als Hauptvertreter dieser Bewegung gelten sollten. Unter diesen war der an dieser Hochschule und der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. lehrende österreichisch-amerikanische Zisterzienser-Pater Edmund Waldstein, der sich zunächst um 2013 über soziale Medien mit Gleichgesinnten vernetzte und dann im folgenden Jahr die Website The Josias startete, die sich zum Zentralorgan des dominanten Flügels der Bewegung entwickelte.
Besonders verbreitet ist der Neo-Integralismus unter US-amerikanischen Katholiken, die – so beobachtete Julian Waller um 2024 – zunehmend „Neo-Integralismus“ als Wechselbegriff für konservativen politischen Katholizismus verwenden.
Von mehreren Neo-Integralisten wird der Neo-Integralismus auch schlicht als „Integralismus“ bezeichnet; ebenfalls gebräuchlich ist unter anderem der Begriff „Integrismus“.
Neo-integralistische Denker und Medien
Der Politikwissenschaftler Julian Waller untergliedert die zentralen Autoren in drei Teilgruppen; Kevin Vallier bezeichnet die erste als die der „Theoretiker“ und die zweite als die der „Strategen“, die konkret einen Umbau des Staatswesens überdächten.
The Josias wird bespielt von Theologen und Philosophen wie Waldstein, dem Theologen und Dominikaner-Pater Thomas Crean (Holy Apostles College and Seminary, USA), dem Theologen und Historiker Alan Fimister (ebendort) und Waldsteins Ideengeber, dem seit 2022 emeritierten Philosophen Thomas Pink (King’s College London), der ebenfalls an der 2012er Tagung teilgenommen hatte. Bei The Josias erschienene Essays veröffentlichte Waldstein außerdem gesammelt in den beiden Bänden Integralism and the Common Good. Selected Essays from The Josias.
Eine dritte Gruppe formierte sich um das Magazin New Polity. Dazu gehören der Historiker und Theologe Andrew Jones (Franciscan University of Steubenville, USA), der Herausgeber Marc Barnes (ebenfalls tätig in Steubenville) sowie der Theologe David Christopher („D. C.“) Schindler (Katholische Universität von Amerika). Diese Gruppe unterscheidet sich im Wesentlichen darin von der zweiten Gruppe, dass sie einen anderen Ansatz verfolgt, um neo-integralistische Ideen zu realisieren.
Manche Autoren rechnen außerdem zu den Neo-Integralisten auch die Herausgeber von Zeitschriften und die Betreiber von Websites, in und auf denen neo-integralistische Texte für gewöhnlich erscheinen: James Patterson ergänzt den iranisch-amerikanischen Sohrab Ahmari als Gründer des US-amerikanischen Magazins Compact und den französischen Philosophen Guillaume de Thieulloy als Herausgeber der rechtsextremen Zeitschrift Les 4 Vérités Hebdo, mit dem gemeinsam außerdem Pappin das Institut Pro Civitate Dei („Für den Gottesstaat“) gründete. Nilay Saiya ergänzt außerdem Russell Ronald („R. R.“) Reno als Herausgeber von First Things. In diese Reihe neo-integralistischer Diskursforen gehören neben The Josias, Sancrucensis, Semiduplex und New Polity weiterhin die von Pappin und Julius Krein gestartete Zeitschrift American Affairs.
Neo-integralistische Ideen
„Post-Liberalismus“ als die fundierende Theorie überschneidet sich in vielen Punkten mit dem bereits älteren Kommunitarismus; die meisten Post-Liberalisten sind Kommunitaristen. Grundgedanke des Post-Liberalismus ist es ähnlich wie im Kommunitarismus, dass der Liberalismus mit seiner Betonung des Individualismus und einer falsch verstandenen Freiheit negativ zu sehen ist. Ein wichtiger Grundtext ist Deneens Buch Why Liberalism Failed, der dies einleitend formuliert wie folgt:
„[Die Philosophie des Liberalismus] erzeugt in der Praxis titanische Ungleichheit, erzwingt Uniformität und Homogenität, fördert materiellen und geistigen Verfall und untergräbt die Freiheit. […] Wir können dies heute besonders in vier verschiedenen, aber miteinander verbundenen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens beobachten: Politik und Regierung, Wirtschaft, Bildung, außerdem Wissenschaft und Technologie. In jedem dieser Bereiche hat der Liberalismus menschliche Institutionen im Namen der Ausweitung von Freiheit und der Steigerung unserer Herrschaft über unser Schicksal umgestaltet. Und in jedem Fall sind weitverbreiteter Zorn und wachsende Unzufriedenheit aus der sich um sich greifenden Erkenntnis entstanden, dass die Vehikel unserer Befreiung [tatächlich stattdessen] zu eisernen Käfigen unserer Gefangenschaft geworden sind.“
– Patrick J. Deneen:Why Liberalism Failed. S. 3, 6.
Eine Strömung des Post-Liberalismus ist der „Gemeinwohl-Konstitutionalismus“, der dieser liberalistischen Freiheit als obersten Wert das Gemeinwohl gegenüberstellt. Dieses Gemeinwohl soll gesichert werden durch einen starken Staat, in dem alles auf die Realisierung dieses Gemeinwohls hingeordnet ist. Vermeule, der prominenteste Vertreter dieser Strömung, beruft sich dabei auf die Theorie des ius commune, wie sie von Thomas von Aquin formuliert wurde. Vermeule selbst vertritt in anderen Texten eine neo-integralistische Lesart dieses Gemeinwohl-Konstitutionalismus. Sein Grundwerk Common Good Constitutionalism ist jedoch nicht auf diese Lesart festgelegt, und andere Gemeinwohl-Konstitutionalisten vertreten ausdrücklich eine nicht-neo-integralistische Position.
Der Gemeinwohl-Konstitutionalismus wiederum ist konstitutiv für den Neo-Integralismus. Dort wird unterschieden zwischen einem „intrinsischen“ und einem „extrinsischen Gemeinwohl“. Ersteres meint wie im Gemeinwohl-Konstitutionalismus die „wohlgeordnete Gesellschaft“, letzteres – das ungleich wichtigere – dagegen das „letzte Ziel“ des Christen, laut dem Neo-Integralisten Jon Tveit nämlich „Erlösung, die selige Schau Gottes im Himmel“.
Von diesem Gedanken aus definiert Edmund Waldstein den Neo-Integralismus in drei Sätzen: (1) Dem menschlichen Leben eignen ein zeitliches und ein ewiges Ziel; ersteres ist letzterem untergeordnet. (2) Der Mensch untersteht einer weltlichen und einer geistlichen Gewalt, nämlich Staat und Kirche. (3) Die Trennung von Politik und der „Sorge um das Ziel des menschlichen Lebens“ ist abzulehnen. Weil das zeitliche dem ewigen Ziel untergeordnet ist, muss auch die weltliche der geistlichen Gewalt untergeordnet sein. Letzteres ist die zentrale Idee jeder neo-integralistischen Theorie: Staaten sollen die Welt gemeinsam mit der Kirche regieren und sind dieser teilweise – immer dann nämlich, wenn Fragen der Religion berührt sind – untergeordnet.
Als Feindbild gelten auch hier „Liberale“, die einen falsch verstandenen Individualismus über ein christlich verstandenes Gemeinwohl stellen (weitere Feindbilder sind Sozialisten und Protestanten). Diesem Individualismus entspricht die Erklärung Dignitatis humanae, die sich – nicht-neo-integralistisch gelesen – zur Religionsfreiheit bekennt. Neo-integralistisch gelesen dagegen ist die katholische Kirche als überirdische Institution nicht auf Religionsfreiheit verpflichtet; diese schränkt nur Staaten ein. In einer neo-integralistischen Gesellschaft regeln daher Staaten weiterhin irdische Belange, für überirdische Belange jedoch ist die Kirche zuständig und kann den Staat gegebenenfalls zur Durchsetzung von Maßnahmen für das übernatürliche Gemeinwohl verpflichten, auch gegen menschliche Einwände. Konkret würde ein neo-integralistischer Staat zum Beispiel eine strikte Einhaltung der Sonntagsruhe durchsetzen, Dogmen-Unterricht an Schulen einrichten oder Verbote von Empfängnisverhütung, Pornographie und nicht-katholischen religiösen Schriften erlassen. Aufsehen erregte, als Waldstein auf seinem Blog Sancrucensis die später zurückgezogene These vertrat, ein neo-integralistischer Staat könne auch die Todesstrafe über Häretiker verhängen.
Vermeule entwickelte in Auseinandersetzung mit dem für Neo-Integralisten konstitutiven Buch Why Liberalism Failed von Deneen eine Theorie, wie ein Übergang hin zu neo-integralistischen Staaten vonstattengehen könne, und bezeichnete diese als „Integration von innen“: Integralisten sollen im nach Deneen ohnehin kollabierenden liberalen Staat strategisch Ämter besetzen. Die neo-integralistische Vokabel dafür ist „Ralliement“, ein Konzept, mit dem Papst Leo XIII. Katholiken aufrief, mit der feindseligen Dritten Französischen Republik zu kooperieren, um diese so zu christianisieren. Mittels dieser Kooperation sollen Christen in einer Art „Marsch durch die Institutionen“ den Staat schrittweise von innen auf das vollständige Gemeinwohl ausrichten. Um dieses Ziel zu erreichen, dürften Katholiken nach Vermeule nicht vor politischer Macht zurückschrecken. Die New Polity-Gruppe entwickelte eine weitere Transitionstheorie. Im Unterschied zum Vermeule-Flügel, der stark vom Freund-Feind-Denken Carl Schmitts geprägt ist, nimmt ihr Ansatz seinen Ausgang beim „freundlichen“ Nahraum: Katholische Christen sollen damit beginnen, auf dieser gesellschaftlichen Ebene „einander im Wachstum in den Tugenden zu unterstützen“ und so das Ihre zu einem Umbau der Gesellschaft beitragen; von diesem Naheraum aus sollen dann bottom up auf den jeweils nächsthöheren Ebenen entsprechende Strukturen etabliert werden.
Neo-Integralismus, Integralismus und Politik
Neo-Integralismus und Politik
Vernetzung von Neo-Integralisten mit Politikern werden vor allem bei drei Ländern diskutiert: Ungarn, die USA und Deutschland.
Jamie Whyte hält Ministerpräsident Viktor Orbán für den Politiker außerhalb der USA, der dem Postliberalismus am nähesten steht. Dieser hatte zur Parlamentswahl in Ungarn 2018 begonnen, sein 2014 vorgetragenes Konzept einer „illiberalen Demokratie“ darzustellen als Konzept einer „christlichen Demokratie“ und forcierte danach seinen bereits in den frühen 2010ern begonnenen Umbau des Staats. Ungarn gilt daher in den entsprechenden Kreisen als „Vorbild eines postliberalen, neo-integralistischen Staats“.
Im Zuge dieser Reformen wurden auch mehrere staatsnahe Denkfabriken entweder neu als GONGOs gegründet oder in staatliche Strukturen eingebunden, darunter ab 2018 das Danube Institute, um 2023 das Hungarian Institute of International Affairs und vor allem ab 2020 das Mathias Corvinus Collegium. Nach Ausrufung der „christlichen Demokratie Ungarn“ reisten mehrere Neo-Integralisten und Postliberalisten dorthin und nahmen eine aktive Rolle bei der internationalen Legitimierung und Verbreitung des ungarischen Modells ein: Gladden Pappin zog 2021 nach Ungarn und arbeitete zunächst am Mathias Corvinus Collegium, ab 2023 wurde er zum Präsident des Hungarian Institute of International Affairs und verteidigte dort Orbáns Politik mit dem katholischen Glauben. Auch der Postliberale Rod Dreher reiste ab 2021 dreimal nach Ungarn und blieb zuletzt dort. Auch er war Fellow am Corvinus Collegium, außerdem am Danube Institute, und auch er war in englischsprachigen Medien äußerst aktiv als Orban-Apologet. Ahmari, Vermeule und Deneen unternahmen ebenfalls Ungarn-Reisen; Deneen tauschte sich dabei mit Orban aus, gab eine Lesung am Corvinus Collegium und stellte danach Ungarn dar als alternatives Modell zum Liberalismus.
Der US-amerikanische Vizepräsident JD Vance bezeichnet sich selbst als „postliberalen Rechten“ – nach dem Urteil von Dermot Roantree einen Postliberalen am neo-integralistischen Ende des Spektrums – und nahm auch schon selbst an einer Tagung von Neo-Integralisten teil. Er ist mit mehreren führenden Integralisten befreundet, darunter Dreher und Reno; Deneen bezeichnet er als wichtigen intellektuellen Einfluss. James Patterson und Raphaël Demias-Morisset beobachten, dass entsprechend Deneen, Vermeule und Pecknold konsequent die Politik von J. D. Vance verteidigen. Auf neo-integralistischen oder postliberalen Einfluss zurückgeführt werden von verschiedenen Autoren zum Beispiel Vance Rede auf der 61. Münchner Sicherheitskonferenz, die Nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten und seine Bezugnahme auf den Ordo amoris im Zusammenhang mit Migration und Deportation. Der Religionswissenschaftler Mathew Schmalz sieht auch grundsätzlich in Vance Position zum Thema Migration Nähen zum Neo-Integralismus, ebenso bei seiner Haltung zum Thema Gender. Noch grundsätzlicher urteilte Blandine Chelini-Pont um 2025, der Postliberalismus habe aktuell erheblichen Einfluss auf die US-amerikanische Außenpolitik.
Auch mit diesem Einfluss und einem neo-integralistischen Postliberalen als Vizepräsidenten ist die Zahl der zentralen Neo-Integralisten in den USA insgesamt klein. Bei diesen Vertretern jedoch handelt es sich um etablierte Akademiker, die vorwiegend junge Katholiken von ihren Ideen überzeugen. Kevin Vallier, der Autor der ersten Monographie über die neo-integralistische Bewegung, berichtete 2024, unter katholischen Universitätsabgängern sei der Neo-Integralismus mittlerweile ausgesprochen populär, insbesondere unter jungen Priestern.
In Deutschland beobachtet die Theologin Sonja Strube Verbindungen zwischen neointegralistischen Christen und der Neuen Rechten: Eine frühe deutschsprachige Einführung in den Neointegralismus produzierte Moritz Scholtysik, der ehemalige Leiter der Jugendorganisation der Piusbrüder, beim neurechten Projekt Gegenuni. Scholtysik und auch Edmund Waldstein wirken außerdem mit an Europa Aeterna, einem weit rechten Projekt, das sich selbst als „Akademie für politische Philosophie“ bezeichnet und neben Theologen wie Scholtysik und Waldstein auch Beiträge des TFP-nahen Christian Machek, von diversen AfD-Politikern und der IdentitärenCaroline Sommerfeld veröffentlicht. Nach Durchsicht der Europa-Aeterna-Texte ordnet Sonja Strube auch diese neurechte Plattform in den Kontext neo-integralistischer Ideologieproduktion ein.
Integralismus und Politik
Neben den Neointegralisten existieren auch weiterhin Integralisten in den USA. Das Southern Poverty Law Center (SPLC) der Georgetown University beobachtet integralistische Hassgruppen unter der Bezeichnung „radikal-traditionalistische Katholiken“. Dem SPLC zufolge vertritt diese Strömung in den USA außerdem „extrem konservative“ Ansichten über Frauen und stellt dort zudem die größte zusammenhängende Gruppe ernsthafter Antisemiten; ihr Antisemitismus sei auch der Hintergrund für ihre Zurückweisung des Zweiten Vatikanischen Konzils.
2023 wurde ihnen größere Aufmerksamkeit zuteil, nachdem eine Risikoeinschätzung des FBI zu radikaltraditionalistischen katholischen Extremisten öffentlich bekannt wurde. Präsident Donald Trump warf daraufhin dem FBI vor, „überzeugte Katholiken“ ins Visier zu nehmen, und initiierte später im Februar 2025 eine Task Force zur Untersuchung eines angeblichen „anti-christlichen Bias“ in den USA unter der Vorgängerregierung. Diese Initiative wurde unter anderem von der Interfaith Alliance als politisch motiviert kritisiert; mit dem Konzept eines „anti-christlichen Bias“ würden tatsächlich Maßnahmen gegen Diskriminierung von LGBTQ-Personen, für die Durchsetzung von Impfpflichten sowie zum Schutz reproduktiver Gesundheitsversorgung zusammengefasst. Eine Gruppe Sozialpsychologen hielt das Konzept für eine Variante der Vorstellung von einem „Rassismus gegen Weiße“. Zwei Monate später forderte das Innenministerium Arbeitnehmer auf, Kollegen zu melden, die sich antichristlicher Diskriminierung am Arbeitsplatz schuldig gemacht hätten. Die gegebenen Beispiele für solche Diskriminierung interpretierte der Journalist Joseph Gedeon als kaum verhohlene Verweise auf Regenbogenfahnen und Gendersprache; es zeichne sich ab, dass die Trump-Regierung mit besagter Task-Force gegen Antidiskriminierungsintiativen vorgehen wolle, die die Biden-Regierung angestoßen habe.
Helmut Erharter:Integralismus. In: Hans Gasper, Joachim Müller, Friederike Valentin (Hrsg.): Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen. Fakten, Hintergründe, Klärungen. Herder, Freiburg, Basel, Wien 1992, ISBN 3-451-21408-3, Sp.494–498 (archive.org).
Francesco Tacchi:The German Controversy over Integralism and the Making of the Encyclical Singulari quadam. In: Idem, Claus Arnold, Giovanni Vian (Hrsg.): The Controversy over Integralism in Germany, Italy and France during the Pontificate of Pius X (1903–1914). Brepols, Turnhout 2024, ISBN 978-2-503-60490-9.
Leandro Pereira Gonçalves:Transnational Fascism: Portugal and the Brazilian Integralism of Plínio Salgado. In: Journal of Iberian and Latin American Studies. Band29, Nr.2, 2023, S.273–293, doi:10.1080/14701847.2023.2226977 (academia.edu).
Kevin Vallier:All the Kingdoms of the World. On Radical Religious Alternatives to Liberalism. Oxford University Press, Oxford 2023, ISBN 978-0-19-761137-1.
Claus Arnold:Integralismus.In:Staatslexikon.8.Juni 2022;abgerufen am 30.Juni 2025.
Einzelnachweise
1234Oswald von Nell-Breuning:Integralismus. In: Josef Höfer, Karl Rahner (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. Fünfter Band: Hannover bis Karterios. 2. Auflage. Herder, Freiburg 1960, S.380 (archive.org).
↑Vergleiche Friedrich Heer:Der Linkskatholizismus. In: Zeitschrift für Politik. Band5, Nr.2, 1958, S.134–161,hier135, JSTOR:24221134. Alois Schifferle:Marcel Lefebvre – Ärgernis und Besinnung. Fragen an das Tradtionsverständnis der Kirche. 2. Auflage. Butzon und Bercker, Kevelaer 1984, ISBN 3-7666-9291-7, S.251 (archive.org). Jürgen Steinle:Der Katholizismus als politische Form in Deutschland – Überlegungen zur Metaphorik politischer Diskussion. In: Zeitschrift für Politik. Band41, Nr.1, 1994, S.75–93,hier84, JSTOR:24227325.
Christopher van der Krogt:Catholic Fundamentalism or Catholic Integralism? In: James Veitch (Hrsg.): To Strive and not to Yield. Essays in honour of Colin Brown. Victoria University of Wellington, Wellington 1992 (academia.edu).
12Karl Gabriel:Verkirchlichung und Entkirchlichung – ein soziologischer Blick in die jüngere Geschichte. In: Euangel. Band1/2018 (euangel.de).
James Patterson:Neo-Integralismus. Eine Gefahr für die liberale Demokratie. In: Zeitgeschichte aktuell. Band12/2024, ISBN 978-3-9857421-2-7 (kas.de[PDF]).
Cavier Foccroulle Ménard, Anna Su:Liberalism, Catholic Integralism, and the Question of Religious Freedom. In: BYU Law Review. Band47, Nr.4, 2022 (byu.edu).
↑Franziska Metzger:Die „Schildwache“. Eine integralistisch-rechtskatholische Zeitung 1912–1945. Universitätsverlag, Freiburg 2000, ISBN 3-7278-1299-0, S.17.
↑Claus Arnold:Integralismus. In: Staatslexikon. Dritter Band: Herrschaft – Migration. 8. Auflage. Herder, Freiburg/Basel/Wien 2019, ISBN 978-3-451-37513-2 (herder.de).
↑Karl Bachem:Vorgeschichte, Geschichte und Politik der deutschen Zentrumspartei. Band 7. Scientia Verlag, Aalen 1968, S.291 (archive.org).
↑Roger Aubert:Die modernistische Krise. In: Hubert Jedin (Hrsg.): Handbuch der Kirchengeschichte. Band VI: Die Kirche in der Gegenwart. Herder, Freiburg/Basel/Wien 1973, ISBN 3-451-14022-5, S.487–500,bes.491. (archive.org).
↑Zu dieser vergleiche Franziska Metzger:Die „Schildwache“. Eine integralistisch-rechtskatholische Zeitung 1912–1945. Universitätsverlag, Freiburg 2000, ISBN 3-7278-1299-0.
↑Wilfried Loth:Bischof Karl Joseph Schulte von Paderborn (1910–1920) und der Streit um die Christlichen Gewerkschaften. In: Westfälische Zeitschrift. Band142, 1992, S.345–360,hier347,352 (lwl.org[PDF]). Zum geschichtlichen Hintergrund vergleiche noch Jürgen Steinle:Der Katholizismus als politische Form in Deutschland. Überlegungen zur Metaphorik politischer Diskussion. In: Zeitschrift für Politik. Band41, Nr.1, 1994, S.75–93,hier83f., JSTOR:24227325.
↑Richard Griffith:Fascism. Continuum, London, New York 2005, ISBN 0-8264-7856-5, S.95f.
↑Leandro Pereira Geonçalves:Transnational Fascism: Portugal and the Brazilian Integralism of Plínio Salgado. In: Journal of Iberial and Latin American Studies. Band92, Nr.2, 2023, S.273–293,hier274, doi:10.1080/14701847.2023.2226977 (academia.edu).
↑Markus Schoof:Conform Rebels: The Rise of American Evangelicalism in Brazil, 1911–1969. 2023, S.61f. (ohiolink.edu– Dissertation, Ohio State University).
↑Georg Wink:The Heralds of the Gospel: Catholic anti-modernity as a new right utopia in Brazil. In: Journal of Political Ideologies. Band29, Nr.3, 2024, S.427–448,hier433f.443f., doi:10.1080/13569317.2024.2418197.
↑Vergleiche auch Karl Rahner:Theologische Reflexionen zur Säkularisation. In: Schriften zur Theologie. Band VIII. Benziger Verlag, Einsiedeln, Zürich, Köln 1967, S.640 (archive.org). Rudolf Uertz:Klerikalismus – einst und jetzt. Eine Skizze. In: Imprimatur. Band54, Nr.3, 2021, S.157–164,hier160 (ku.de).
↑Alois Schardt:Integralismus oder Offenheit im politischen Engagement. In: Katholische Akademie in Bayern (Hrsg.): Katholizismus und Kirche. Der Weg des deutschen Katholizismus nach 1945. Echter-Verlag, Würzburg 1965, S.121 (archive.org).
↑Rudolf Uertz:Klerikalismus – einst und jetzt. Eine Skizze. In: Imprimatur. Band54, Nr.3, 2021, S.157–164,hier160 (ku.de).
↑John W. O’Malley:What Happened at Vatican II. The Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge, London 2008, ISBN 978-0-674-03169-2, S.38f.
Kevin Vallier:All the Kingdoms of the World. On Radical Religious Alternatives to Liberalism. Oxford University Press, Oxford 2023, ISBN 978-0-19-761137-1.
↑Daniel Luban:Among the Post-Liberals. In: Dissent. Winter 2020 (dissentmagazine.org).
↑Yves Congar:Mentalité „de droite“ et Intégrisme en France. In: Vraie et fausse réforme dans l'Église. Éditions du Cerf, Paris 1950, S.605 (archive.org).
↑Vergleiche Massimo Faggioli, Bryan Froehle:Global Catholicism. Between Disruption and Encounter. Brill, Leiden, Boston 2025, ISBN 978-90-04-70003-1, S.149.
↑Karl Rahner:Theologische Reflexionen zur Säkularisation. In: Schriften zur Theologie. Band VIII. Benziger Verlag, Einsiedeln, Zürich, Köln 1967, S.640f.,644 (archive.org).
↑Hans Urs von Balthasar:Integralismus. In: Wort und Wahrheit. Band18, 1963, S.737–744,hier738f.
↑Rudolf Uertz:Klerikalismus – einst und jetzt. Eine Skizze. In: Imprimatur. Band54, Nr.3, 2021, S.157–164,hier161 (ku.de). Vergleiche auch Christopher Washnock, Noah Heinemann, Jonas Hagedorn:Flashback: Katholischer Postliberalismus. In: Concilium. Band62, Nr.1, 2026, S.45–54,hier51, doi:10.5771/0588-9804-2026-1-45.
↑Hans Urs von Balthasar:Integralismus. In: Wort und Wahrheit. Band18, 1963, S.737–744,hier742.
↑Gabriela Arguedas-Ramírez:The Twenty-First-Century Crusade against Democracy in Latin America: „Gender Ideology“ at the Frontline. In: Judith Goetz, Stefanie Mayer (Hrsg.): Global Perspectives on Anti-Feminism. Far-Right and Religious Attacks on Equality and Diversity. Edinburgh University Press, Edinburgh 2023, ISBN 978-1-3995-0541-3, S.34f. (edinburghuniversitypress.com).
↑Mary Jo McConhay:Playing God. American Catholic Bishops and the Far Right. Melville House, Brooklyn, London 2023, ISBN 978-1-68589-028-5, S.37.
↑Julian G. Waller:Postliberalism and the 2024 Election. In: The Journal of Illiberalism Studies. Band5, Nr.2, 2025, S.1–19,hier5, doi:10.53483/ZCQS3599 (illiberalism.org).
↑Im Unterschied zum britischen Postliberalismus. Vergleiche zum Beispiele Christopher Washnock, Noah Heinemann, Jonas Hagedorn:Flashback: Katholischer Postliberalismus. In: Concilium. Band62, Nr.1, 2026, S.45–54,hier45f., doi:10.5771/0588-9804-2026-1-45: „Im Vereinigten Königreich war die postliberale Denkrichtung politischer Theorie zunächst als ‚Projekt der Mitte-Links-Partei‘ initiiert worden und ‚eng mit der ‚Blue Labour‘-Bewegung verbunden‘. Diese Variante des Postliberalismus, die vor allem eine scharfe Kritik am Neoliberalismus beinhalte[t], steht in einem Spannungsverhältnis zum US-Postliberalismus. Denn Letzterer teilt zwar Inhalte der britischen Liberalismuskritik, darunter die Kritik am Marktliberalismus, hat jedoch zur Neuausrichtung des US-Konservatismus beigetragen. […] Der US-Postliberalismus weist dabei ein dezidiert katholisch-integralistisches Gepräge auf.“
↑Raphaël Demias-Morisset:La radicalisation de la droite catholique étatsunienne. In: Études. Band4335, 2026, S.65–74,hier66u.ö., doi:10.3917/etu.4335.0066: „L’étiquette [postlibéral] sert donc aujourd’hui à désigner le pôle intellectuel et politique catholique au sein de la New Right aux États-Unis, qui se distingue et d’oppose parfois au pôle ultranationaliste (aux tendances suprémacistes) agrégé autour du Claremont Institute, à celui national-conservateur qui s’est constitué autour de la Edmund Burke Foundation et la National Conservative Conference (ou NatCon), mais également au Christian Nationalism des différentes factions de la Christian Right évangélique.“ Auch Stefan Borg:A „natcon takeover“? The New Right and the future of American foreign policy. In: International Affairs. Band100, Nr.5, 2024, S.2233–2245,hier2233, doi:10.1093/ia/iiae178: „I argue that there are three major, though sometimes overlapping, distinguishable segments of the New Right: the „Claremonters“, the post-liberals and the national conservatives.“ Lara K. Field:Furious Minds. The Making of the MAGA New Right. Princeton University Press, Princeton, Oxford 2025, ISBN 978-0-691-25526-2, S.5: „The New Right does have a defining core […]. I divide the New Right into three groups: the Claremonters, the Postliberals, and the National Conservatives.“ Vergleiche noch Laura K. Field:An Introductory Overview of Furious Mind.In:Illiberalism.org.22.Dezember 2025,abgerufen am 9.August 2026(Als weiterer Flügel abzugrenzen seien die Hard Right).
↑Eva Konzetti:Wie ein österreichischer Mönch zum Stichwortgeber der US-Rechten wurde. In: Falter. Band44/2024 (falter.at).
Julian G. Waller:Integralism, Political Catholicism, and Democracy in the Modern West. In: William F. Murphy Jr. (Hrsg.): Social Catholicism for the Twenty-first Century? Historical Perspectives and Constitutional Democracy in Peril. Volume 1. Wipf and Stock, Eugene 2024, ISBN 978-1-6667-8859-4.
↑Edmund Waldstein, Peter A. Kwasniewski (Hrsg.):Integralism and the Common Good. Selected Essays from The Josias. Volume 1: Familiy, City, and State. Angelico Press, Brooklyn 2021, ISBN 978-1-62138-788-6. Edmund Waldstein, Peter A. Kwasniewski (Hrsg.):Integralism and the Common Good. Selected Essays from The Josias. Volume 2: The Two Powers. Angelico Press, Brooklyn 2022, ISBN 978-1-62138-879-1. Vergleiche Blandine Chelini-Pont:Le postlibéralisme catholique aux Etats-Unis. In: Études. Band4308, 2023, S.81–93,hier94, doi:10.3917/etu.4308.0069 (hal.science[PDF]).
↑Benoît Gautier:Maurras is back. Les post-libéraux catholiques aux États-Unis et en France. In: Esprit. Band8, 2025, S.101–109,hier105, doi:10.3917/espri.2507.0101.
12Nilay Saiya:The varieties of American Christian nationalism. In: Politics and Religion. Band18, 2025, S.171–189, doi:10.1017/S1755048325000069.
↑Vergleiche Stefan Borg:In search of the common good: The postliberal project Left and Right. In: European Journal of Social Theory. Band27, Nr.1, 2024, S.3–21,hier7, doi:10.1177/13684310231163126.
↑Paul Kelly:The post-liberal movement. In: Duncan Ivison (Hrsg.): Research Handbook on Liberalism. Edward Elgar Publishing, Cheltenham, Northampton 2024, ISBN 978-1-83910-903-4, S.283.
↑Patrick J. Deneen: Why Liberalism Failed. Yale University Press, New Haven, London 2018, ISBN 978-0-300-24002-3, S.3,6.
↑Adrian Vermeule:Common Good Constitutionalism. Recovering the Classical Legal Tradition. Polity Press, Cambridge, Medford, ISBN 978-1-5095-4888-0, S.3,6: „In the classical tradition, law is seen as – in Aquinas’ famous definition – an ordinance of reason for the common good, promulgated by a public authority who has charge of the community. Law is seen as intrinsically reasoned and also purposive, ordered to the common good of teh whole polity and that of mankind. […] In brief, the common good is […] the flourishing of a well-ordered political community. […] In its temporal aspect it represents the highest felicity or happiness of the whole political community, which is also the highest good of the individuals comprising that community.“ Vergleiche zum Beispiel Jan-Werner Müller:„Common Good Constitutionalism“: Rule of Law, Rule by Law, or Something Else Entirely? In: Law and Contemporary Problems. Band87, Nr.3, 2025, S.47–65,hier49f. (scholarship.law.duke.edu).
↑Zum Beispiel Linda C. McClain, James E. Fleming:Toward a Liberal Common Good Constitutionalism for Polarized Times. In: Harvard Journal of Law & Public Policy. Band46, Nr.3, 2023, S.1123–1148,hier1144,1147 (harvard.edu[PDF]).
↑Bruce P. Frohnen:Common Good Constitutionalism and the Problem of Administrative Absolutism. In: The Catholic Social Science Review. Band27, 2022, S.81–96,hier82 (pdcnet.org[PDF]).
↑Vergleiche zu diesem vieldiskutierten Blogpost zum Beispiel Kevin Vallier:All the Kingdoms of the World. On Radical Religious Alternatives to Liberalism. Oxford University Press, Oxford 2023, ISBN 978-0-19-761137-1, S.38. Julian G. Waller:Integralism, Political Catholicism, and Democracy in the Modern West. In: William F. Murphy Jr. (Hrsg.): Social Catholicism for the Twenty-first Century? Historical Perspectives and Constitutional Democracy in Peril. Volume 1. Wipf and Stock, Eugene 2024, ISBN 978-1-6667-8859-4, S.325f. James Patterson:Neo-Integralismus. Eine Gefahr für die liberale Demokratie. In: Zeitgeschichte aktuell. Band12/2024, ISBN 978-3-9857421-2-7, S.4 (kas.de[PDF]).
↑Zum Beispiel Sohrab Ahmari, Gladden Pappin, Chad Pecknold:In Defense of Cultural Christianity.In:The American Conservative.9.November 2021,abgerufen am 28.März 2026. Vergleiche James Patterson:Neo-Integralismus. Eine Gefahr für die liberale Demokratie. In: Zeitgeschichte aktuell. Band12/2024, ISBN 978-3-9857421-2-7, S.8 (kas.de[PDF]).
↑James Patterson:Neo-Integralismus. Eine Gefahr für die liberale Demokratie. In: Zeitgeschichte aktuell. Band12/2024, ISBN 978-3-9857421-2-7, S.8 (kas.de[PDF]). Weitere Beispiele bei Kevin Vallier:All the Kingdoms of the World. On Radical Religious Alternatives to Liberalism. Oxford University Press, Oxford 2023, ISBN 978-0-19-761137-1, S.47f.
↑Blandine Chelini-Pont:From National Populism to Post-Liberalism: When the American Catholic Right Justifies the End of Liberal Democracy. In: Idem, Marie Gayte, Mark J. Rozell (Hrsg.): Catholics and U.S. Politics After the 2024 Elections. Trump Captures the „Swing Vote“. Palgrave Macmillan, Cham 2025, ISBN 978-3-031-92362-3, S.62f.
↑James Patterson, Benoît Gautier:J. D. Vance et les postlibéraux catholiques. Continuateurs d’une lignée de naufrages. In: Études. Band2025/5, S.7–17,hier15, doi:10.3917/etu.4326.0009.
↑Carla Cabrera Cuadrado, John Chrobak:Illiberalism and the Deinstitutionalization of Public Diplomacy: The Rise of Hungary and Viktor Orbán in American Conservative Media. In: Communication & Society. Band36, Nr.2, 2023, S.311–324,hier319, doi:10.15581/003.36.2.311-324.
↑Ramona Coman u.a.:Building and legitimizing an illiberal transnational field: illiberal think tanks’ struggle for cultural hegemony in Poland and Hungary. In: European Political Science. Band24, 2025, S.513–531,hier524, doi:10.1057/s41304-025-00544-6. Deneen berichtet über diesen Austausch in Patrick J. Deneen, Gladden Pappin:Dispatch from Budapest. Notes on a conversation with Hungary’s Viktor Orbán.In:Postliberal Order.5.August 2022,abgerufen am 14.April 2026.
↑Dermot Roantree:J. D. Vance, Catholicism, and the Postliberal Turn. In: Studies: An Irish Quarterly Review. Band114, Nr.454, 2025, S.197–210,hier200, doi:10.1353/stu.2025.a971908 (academia.edu). Vergleiche auch Oliver Marquart:J.D. Vance: Welche Bedeutung Religion und Glaube für den US-Vizepräsidenten haben.In:Sonntagsblatt.22.April 2025,abgerufen am 28.April 2024. Christopher Washnock, Noah Heinemann, Jonas Hagedorn:Flashback: Katholischer Postliberalismus. In: Concilium. Band62, Nr.1, 2026, S.45–54,hier51, doi:10.5771/0588-9804-2026-1-45: „Der US-Vizepräsident J. D. Vance ist wohl der prominenteste Vertreter dieser [postliberalen] Bewegung, der – mit deutlicher Sympathie für die integralistische katholische Theologie – die US-Katholiken nach rechts drängt.“
↑Dermot Roantree:J. D. Vance, Catholicism, and the Postliberal Turn. In: Studies: An Irish Quarterly Review. Band114, Nr.454, 2025, S.197–210,hier200, doi:10.1353/stu.2025.a971908 (academia.edu).
↑Benoît Gautier:Maurras is back. Les post-libéraux catholiques aux États-Unis et en France. In: Esprit. Band8, 2025, S.101–109,hier104, doi:10.3917/espri.2507.0101.
↑James Patterson, Benoît Gautier:J. D. Vance et les postlibéraux catholiques. Continuateurs d’une lignée de naufrages. In: Études. Band2025/5, S.7–17,hier13, doi:10.3917/etu.4326.0009. Raphaël Demias-Morisset:La radicalisation de la droite catholique étatsunienne. In: Études. Band4335, 2026, S.65–74,hier73, doi:10.3917/etu.4335.0066.
↑Zack Beauchamp:JD Vance had a vision for the world. Trump is wrecking it.In:Vox.13.April 2026,abgerufen am 14.April 2026. Vergleiche auch Carlotta Voß:Für Gott und gegen das Böse. Die postliberale Ideologie oder: JD Vance verstehen. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. April 2025 (blaetter.de).
↑Theologe Massimo Faggioli: „Vance flirtet mit den Integralisten“.In:Die Furche.25.Mai 2025,abgerufen am 13.April 2026. James Patterson, Benoît Gautier:J. D. Vance et les postlibéraux catholiques. Continuateurs d’une lignée de naufrages. In: Études. Band2025/5, S.7–17,hier13, doi:10.3917/etu.4326.0009. Ähnlich Angela C. Carmella:Catholic Institutions and the Religion Clauses: Faith in a Liberal Democracy. In: Chicago-Kent Law Review. Band100, Nr.2, 2025, S.533–597,hier539f. (scholarship.kentlaw.iit.edu). Vergleiche auch Dermot Roantree:J. D. Vance, Catholicism, and the Postliberal Turn. In: Studies: An Irish Quarterly Review. Band114, Nr.454, 2025, S.197–210,hier206–208, doi:10.1353/stu.2025.a971908 (academia.edu).
↑Mathew Schmalz:What is Catholic Integralism. In: The Conversation. 19.Juli 2024, doi:10.64628/AAI.faat46m3q.
↑Blandine Chelini-Pont:From National Populism to Post-Liberalism: When the American Catholic Right Justifies the End of Liberal Democracy. In: Idem, Marie Gayte, Mark J. Rozell (Hrsg.): Catholics and U.S. Politics After the 2024 Elections. Trump Captures the „Swing Vote“. Palgrave Macmillan, Cham 2025, ISBN 978-3-031-92362-3, S.64f.
↑Park MacDougald:A Catholic Debate over Liberalism. Is it a guarantor of religious liberty or an imperial ideology incompatible with the Church? In: City Journal. Winter 2020 (city-journal.org).
↑Vergleiche Sonja A. Strube:Unter dem Deckmantel von Christentum und (Pseudo)Wissenschaft: Neue Strategien der Extremen Rechten zur Normalisierung von NS-Rhetorik und Antisemitismus. In: Rhetorik. Band44, Nr.1, 2025, S.91–113,hier101mitFN51, doi:10.1515/rhet-2025-0007.
↑Markus Linden:Tugend als Staffage, Hierarchie als Ziel. Wie sich die Neue Rechte auf die Antike bezieht. In: Blätter für deutsche und internationale Politik. März 2026 (blaetter.de).
↑Sonja A. Strube:Europa aeterna und die Extreme Rechte.In:Feinschwarz.18.Juli 2025,abgerufen am 25.März 2026. Sonja A. Strube:Antisemitismus im katholischen Traditionalismus – attraktiv für die Extreme Rechte, eine Gefahr für Kirche und demokratische Gesellschaft. In: Francesca Vidal u.a. (Hrsg.): Antisemitismus. Gestern, heute – und morgen immer noch? Knecht Verlag, Landau 2025, ISBN 978-3-939427-69-8, S.123f. (d-nb.info).
↑Sonja A. Strube:Unter dem Deckmantel von Christentum und (Pseudo)Wissenschaft: Neue Strategien der Extremen Rechten zur Normalisierung von NS-Rhetorik und Antisemitismus. In: Rhetorik. Band44, Nr.1, 2025, S.91–113,hier93–95, doi:10.1515/rhet-2025-0007. Sonja A. Strube:Europa aeterna und die Extreme Rechte.In:Feinschwarz.18.Juli 2025,abgerufen am 14.April 2026.
↑Für Kurzbeschreibungen der meisten dieser Gruppen vergleiche 12 Anti-Semitic Radical Traditionalist Catholic Groups. In: Inteligence Report. Band124, 2006 (splcenter.org).