Intelligenzaktion

Karte mit Erschießungsorten der Intelligenzaktion im Reichsgau Danzig-Westpreußen
Geiselerschießung durch Einsatzgruppen am 20. Oktober 1939 in Kórnik
Geiselerschießung durch die Wehrmacht auf dem Altmarkt Bromberg (Bydgoszcz) am 9. September 1939
Volksdeutscher Selbstschutz beim Massaker von Piaśnica, 1939
Sonderfahndungsbuch Polen, herausgegeben vom Reichskriminalpolizeiamt
Sonderfahndungsbuch Polen – Anfangsbuchstabe „G“. Die Abkürzung E K (Einsatzkommando) bedeutet, dass die Personen den Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD zu übergeben waren.

Die Intelligenzaktion war ein genozidaler Akt, der sich gegen die polnische Elite und insgesamt die gebildete Schicht im deutsch besetzten Polen richtete. Etwa 50.000 Lehrer, Priester, Vertreter des Landadels, Freiberufler, soziale und politische Aktivisten und pensionierte Militäroffiziere wurden planmäßig ermordet. Weitere 50.000 wurden in Konzentrationslager deportiert, wo nur ein kleiner Prozentsatz überlebte. Unter „Intelligenz“ wurde nicht nur eine bestimmte soziale Schicht aufgrund der Bildung und des sozialem Status verstanden, sondern ein Führungselement, dessen Haltung und Aktivitäten als Bedrohung für die Konsolidierung der Macht der Besatzer angesehen wurden. So blieben auch Bauern, Handwerker und Vertreter anderer Berufe nicht von Repressionen verschont, was sich am Beispiel des Regierungsbezirks Ciechanów beobachten lässt.

Die Tötungen begannen nach dem Überfall auf Polen im September 1939, dauerten bis April 1940 und beschränkten sich zunächst auf die in das Deutsche Reich eingegliederten Gebiete Danzig-Westpreußen und Wartheland. Grundlage für die Einleitung von Verhaftungen und Deportationen in Konzentrationslager im April 1940 war ein Befehl des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) unter Reinhard Heydrich vom 2. April 1940.

Anschließend wurde im gesamten Generalgouvernement die „AB-Aktion“ (Außerordentliche Befriedungsaktion) zwischen Mai und Juli 1940 durchgeführt. In einigen lokalen Kreisen wird diese Aktion mit anderen Namen bezeichnet. In der Umgebung von Gąbin nennt man sie zum Beispiel Aktion zur Verhaftung von Powjaken, womit Angehörige der POW gemeint sind.

Genese des Planes

„Nur eine Nation, deren Führungsschichten zerstört sind, wird es zulassen, dass sie in die Rolle von Sklaven gedrängt wird.“

– Adolf Hitler, 1939

Die Intelligenzaktion, auch „Flurbereinigung“ oder „Direktaktion“ genannt, war nur ein kleiner Teil des großen Projekts zur Germanisierung, das unter anderem für die besetzten Gebiete Polens vorbereitet wurde. In diesem Zusammenhang wurde ein Plan zur Vernichtung der polnischen Führung, der Intelligenz, der kulturellen, politischen, religiösen und finanziellen polnischen Führungskräfte entwickelt. Für Polen war von deutscher Seite keine Errichtung eines Protektorats oder eine aus Polen zusammengesetzte Satellitenregierung, sondern ausschließlich eine deutsche Verwaltung vorgesehen. Im Protokoll der ersten Sitzung der Leiter der Hauptpolizeiämter und Einsatzleiter vom 7. September 1939 in Berlin, kurz vor der Gründung des Reichssicherheitshauptamtes, wird dazu vermerkt:

„Für Polen ist keine Protektoratsregierung vorgesehen, sondern eine rein deutsche Regierung […] Die führende Bevölkerungsschicht in Polen sollte so weit wie möglich neutralisiert werden.“

Somit wurde die gesamte Oberschicht der polnischen Gesellschaft von den Nationalsozialisten als überflüssig betrachtet und sie beschlossen, sie loszuwerden. Hitler bestätigte auch die Vernichtung des Klerus und des Adels als polnische Führungsschicht während der Konferenz von Ilnau vom 12. September 1939, auf der er auch die Schaffung eines polnischen Kollaborationsstaates ausschloss.

Nach der Beseitigung der polnischen Führungskräfte und der gewaltsamen Unterdrückung jeglicher Anzeichen von Widerstand sollte der Rest der Bevölkerung auf die Rolle von Sklaven reduziert werden, die einfache Aufgaben im Dienste der sogenannten deutschen Herrenrasse zu erfüllen hatten. Im Sinne der damals vorherrschenden Slawenfeindlichkeit wurden Polen in der NS-Rassenpolitik, die auf den Grundsätzen der Eugenik beruhte, als „slawische Unterrasse“ bzw. „Untermenschen“ bezeichnet.

Unterstützt wurde der Plan durch die politische Instrumentalisierung des „Bromberger Blutsonntag“ vom 3. und 4. September 1939, wobei der Hass der deutschen Bevölkerung auf die Polen gesteigert wurde. So wurde in den Augen der Öffentlichkeit die Notwendigkeit geschaffen, die „polnische Pest“ zu vernichten und „die polnische Intelligenz als Vergeltung für die Morde in Bromberg zu liquidieren“.

Realisierung des Planes

Der Einsatz der Sicherheitspolizei beim Überfall auf Polen erfolgte unter dem Decknamen Unternehmen Tannenberg. Es agierten fünf Sonderkommandos ausgestattet mit Sonderfahndungslisten unter dem Befehl von Reinhard Heydrich und der organisatorischen Leitung seines Stellvertreters Werner Best. Heydrich erteilte den Befehl, die „führenden Bevölkerungsschichten“ unschädlich zu machen und die „Liquidierung des führenden Polentums“ bis zum 1. November 1939 durchzuführen. „Der Adel, die Popen und Juden müssen umgebracht werden“.

Die Aktion wurde von den Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und paramilitärischen Einheiten des Volksdeutschen Selbstschutzes durchgeführt. Die Verhaftungen erfolgten auf der Grundlage von Proskriptionslisten des Sonderfahndungsbuchs Polen – der so genannten „Liste der Reichsfeinde“, die vor dem Krieg von Angehörigen der deutschen Minderheit in Polen, die mit dem deutschen Geheimdienst zusammenarbeiteten, erstellt worden war und Zehntausende von Namen prominenter Personen polnischer Nationalität und der kulturellen, politischen und sozialen Elite enthielt. Die aufgelisteten Personen wurden verhaftet und in Massenerschießungen, die den Charakter einer politischen Säuberung hatten, hingerichtet.

Ein Großteil der polnischen Intelligenz wurde vor allem in die Konzentrationslager Hohenbruch und Mauthausen verbracht. Zu diesem Zweck wurde im Frühjahr 1940 das 4,5 km von Mauthausen entfernte Außenlager KZ Gusen erweitert. Ab dem Frühjahr 1940 wurden zahlreiche polnische Häftlinge, die hauptsächlich der Intelligenz angehörten, in dieses Lager deportiert. Die SS-Männer, die den Bau dieses Lagers in Gusen überwachten, nannten es „Vernichtungslager für die polnische Intelligenz“. Im Jahr 1940 überwogen die Polen unter den Insassen von Gusen mit 97 % der Gesamtzahl der Inhaftierten. Bis zum Ende des Betriebs des Lagers stellten die Polen den größten Anteil an den Häftlingen des Lagers. Im Sommer 1944 wurden auch viele Warschauer Aufständische in diesem Lager untergebracht.

Regionale Etappen der Intelligenzaktion

Gedenken

Literatur

deutsch

polnisch

Einzelnachweise

  1. ↑ Maria Wardzyńska: Był rok 1939. Operacja niemieckiej policji bezpieczeństwa w Polsce: „Intelligenzaktion”. Warschau: IPN, 2009, ISBN 978-83-7629-063-8, S. 74.
  2. ↑ M. Wardzyńska: „Intelligenzaktion“ na Warmii, Mazurach i północnym Mazowszu. In: Biuletyn IPN, 2003/2004, Nr. 12/1, S. 38.
  3. ↑ M. Przegiętka: Akcja Gestapo przeciwko polskiej inteligencji w rejencji ciechanowskiej. Aresztowani i deportowani do obozów koncentracyjnych w III Rzeszy w kwietniu 1940. Warschau 2020, Anhang.
  4. 1 2 3 4 5 „Człowiek człowiekowi…“ Niszczenie polskiej inteligencji w latach 1939–1945. KL Mauthausen/Gusen. Rada Ochrony Pamięci Walk i Męczeństwa, Warschau 2009.
  5. ↑ Dieter Schenk: Danzig 1930–1945. Das Ende einer freien Stadt. Links, Berlin 2013, ISBN 978-3-86153-737-3 S. 129 f.
  6. ↑ Elżbieta Grot: Ludobójstwo w Piaśnicy z uwzględnieniem losów mieszkańców powiatu wejherowskiego. Biblioteka Publiczna Gminy Wejherowo, 2009-02-10. [dostęp 2015-08-10].
  7. ↑ Otwarcie wystawy „Zagłada polskich elit. Akcja AB – Katyń!” w Wejherowie – 12 października 2008 r., za: http://www.ipn.gov.pl.
  8. ↑ Jochen Böhler, Klaus-Michael Mallmann, Jürgen Matthäus: Einsatzgruppen in Polen. Darstellung und Dokumentation. Darmstadt 2008, ISBN 978-3-534-21353-5.
  9. ↑ Martyrologium łódzkie. Przewodnik po Radogoszczu i Miejscach Pamięci Narodowej. Łódź: Muzeum Tradycji Niepodległościowych w Łodzi, 2005. ISBN 83-907422-2-5.