Iodchlorid

Strukturformel
Strukturformel
Allgemeines
Name Iodchlorid
Andere Namen
  • Iodmonochlorid
  • Chloriod
Summenformel ClI
Kurzbeschreibung

rotbraunes Öl bzw. rubinrote nadelförmige Kristalle

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 7790-99-0
EG-Nummer 232-236-7
ECHA-InfoCard 100.029.306
PubChem 24640
ChemSpider 23042
Wikidata Q414607
Eigenschaften
Molare Masse 162,36 g·mol−1
Aggregatzustand
  • fest (α-Form)
  • flüssig (β-Form)
Dichte

3,1 g·cm−3

Schmelzpunkt
  • 13,8 °C (β-Form)
  • 27,38 °C (α-Form)
Siedepunkt

94,4 °C (Zersetzung)

Dampfdruck

41,8 Torr (30 °C)

Löslichkeit

Zersetzung in Wasser, löslich in Ethanol, Schwefelkohlenstoff, Aceton, Pyridin

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 300​‐​311​‐​314​‐​335
P: 280​‐​301+330+331​‐​304+340​‐​305+351+338​‐​310​‐​303+361+353
Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−23,8 kJ/mol

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Iodchlorid (auch Iodmonochlorid) ist eine Interhalogenverbindung, die aus den Elementen Iod und Chlor besteht. Es wurde 1814 von Humphry Davy sowie unabhängig auch von Gay-Lussac entdeckt.

Gewinnung und Darstellung

Iodchlorid lässt sich aus den Elementen oder durch Kochen von Iod in Königswasser herstellen.

Die Verbindung kann auch durch die Umsetzung von Trifluorchlormethan mit Iod erhalten werden.

Eigenschaften

Physikalische Eigenschaften

Iodchlorid tritt in zwei polymorphen Kristallformen auf. Die α-Form bildet rubinrote Nadeln, riecht stechend und ist wenig hygroskopisch. Sie schmilzt bei 27,38 °C mit einer Schmelzenthalpie von 11,61 kJ·mol−1. Die Wärmekapazität beträgt bei 22 °C 57,53 J·mol−1·K−1. Die metastabile β-Form liegt in Form von braunroten, rhombischen Tafeln vor, die bei 13,8 °C schmelzen. Beide Kristallformen bilden ein monoklines Gitter mit der Raumgruppe P21/c, allerdings mit unterschiedlichen Zellkonstanten.

Chemische Eigenschaften

Iodchlorid zerfällt am Siedepunkt in Chlor und Iod. In Wasser zersetzt es sich zu Chlorwasserstoff, Iodsäure und Iod. Mit Alkalimetallen und mit Aluminium erfolgt eine heftige bis explosionsartige Reaktion. Gefährliche Reaktionen sind auch mit Phosphor, Schwefel, Phosphortrichlorid und Metallsulfiden möglich.

Verwendung

Iodchlorid kann in der organischen Synthesechemie als Iodierungsreagenz für aromatische Verbindungen oder gleichzeitiges Iodierungs- und Chlorierungsreagenz für ungesättigte Verbindungen eingesetzt werden. Mit einer essigsauren Iodchlorid-Lösung lässt sich außerdem die Iodzahl von Ölen und Fetten bestimmen (Wijs-Methode).

Sicherheitshinweise

Iodchlorid ist allgemein ätzend, die Dämpfe/Aerosole verursachen Husten, Atemnot und Schleimhautreizungen. Die niedrigste bekannte letale Dosis beträgt oral bei Ratten 50 mg/kg Körpergewicht, beziehungsweise 500 mg/kg bei der Aufnahme durch die Haut.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 Eintrag zu Iodchloride. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 4. Juni 2015.
  2. 1 2 3 Eintrag zu Chloriod in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 10. Januar 2025. (JavaScript erforderlich)
  3. 1 2 3 4 5 6 7 A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 101. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 1995, ISBN 3-11-012641-9, S. 465.
  4. 1 2 Calder, G.V.; Giauque, W.F.: The Entropy of Iodine Monochloride. Heat Capacity from 17 to 322°K. Vapor Pressure. Heats of Fusion and Vaporization in J. Phys. Chem. 69 (1965) 2443-2452.
  5. 1 2 e-EROS Encyclopedia of Reagents for Organic Synthesis, 1999–2023, John Wiley and Sons, Inc., Eintrag für Iodine Monochloride, abgerufen am 23. Oktober 2023.
  6. ↑ Lord, A.; Goy, C.A.; Pritchard, H.O.: The heats of formation of trifluoromethyl chloride and bromide in J. Phys. Chem. 71 (1967) 2705–2707, doi:10.1021/j100867a048.
  7. ↑ Van Der Heide, J.; Vos, A.; Wiebenga, E.H.: The crystal structure of α-ICl in Acta Cryst. 9 (1956) 274–277, doi:10.1107/S0365110X56000760.
  8. ↑ Carpenter, G.B.; Richards, S.M.: The crystal structure of β-iodine monochloride in Acta Cryst. 15 (1962) 360–364, doi:10.1107/S0365110X62000882.
  9. ↑ L. Roth, U. Weller-Schäferbarthold: Gefährliche Chemische Reaktionen - Potentiell gefährliche chemische Reaktionen zu über 1750 Stoffen, Eintrag für Iodchlorid, CD-ROM Ausgabe 12/2025, ecomed Sicherheit Landsberg/Lech, ISBN 978-3-609-48040-4 .
  10. ↑ P.G. Urben; M.J. Pitt: Bretherick's Handbook of Reactive Chemical Hazards. 8. Edition, Vol. 1, Butterworth/Heinemann 2017, ISBN 978-0-08-100971-0, S. 799.
  11. ↑ V. H. Wallingford and Paul A. Krueger: 5-Iodoanthranilic Acid In: Organic Syntheses. 19, 1939, S. 52, doi:10.15227/orgsyn.019.0052; Coll. Vol. 2, 1943, S. 349 (PDF).
  12. ↑ Armin Lauterbach, Gustavo Uber: Iodine and Iodine Compounds, in: Kirk-Othmer Encyclopedia of Chemical Technology, Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim 2011; doi:10.1002/0471238961.0915040912012120.a01.pub3.
  13. ↑ Datenblatt Iodchlorid bei Merck, abgerufen am 19. Januar 2011.