





Iosefin (deutsch Josefstadt, ungarisch Józsefváros) ist ein historisches Viertel und der IV. Bezirk der westrumänischen Stadt Timișoara. Vereinzelt werden auch die Schreibweisen Iozefin, Jozefin oder Josefin verwendet. Der Bezirk belegt eine Fläche von 442 Hektar.
Der Bezirk wurde 1744 vor den Toren der Festung Temeschburg gegründet. Anfänglich wurden hier Sommerresidenzen mit üppigen Gärten für gut situierte Bürger meist deutscher Herkunft gebaut, die als Neue Mayerhöfe (rumänisch Maierele Noi) oder auch Neue Deutsche Mayerhöfe (ungarisch Új Német Majorok) bezeichnet wurden. Der Ortsname war eine Abgrenzung zu den benachbarten und etwas früher angelegten Alten Mayerhöfen, der heutigen Elisabethstadt.
Keimzelle der Siedlung war das Gebiet zwischen den heutigen Straßen Strada Gării im Norden, Strada General Ion Dragalina im Osten, Bulevardul Regele Carol I im Süden und der Strada Pop de Băsești im Westen. Wie viele Banater Ortschaften ist die Josefstadt kein historisch gewachsenes Haufendorf, sondern wurde auf Basis einer weitgehend rechteckigen Struktur planmäßig angelegt. Voraussetzung für die Besiedlung des Gebiets war die zwischen 1727 und 1733 erfolgte Kanalisierung der Bega.
1773 wurden die Neuen Mayerhöfe zu Ehren des Kaisers Joseph II., der incognito als Graf von Falkenstein im gleichen Jahr auch das Banat bereist hatte, in Josefstadt umgetauft, im 19. Jahrhundert dann Vorstadt Josefstadt genannt (teilweise auch mit ph statt f geschrieben). Nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich von 1867 trug der Bezirk den Namen Józsefkülváros (deutsch Josefvorstadt oder auch Vorstadt Josefstadt), welcher um die Jahrhundertwende wiederum zu Józsefváros vereinfacht wurde. Infolge des Vertrags von Trianon erhielt er dann 1920 seinen heutigen rumänischen Namen Iosefin. Allerdings hieß der Bezirk in der Zwischenkriegszeit zeitweise Principele Carol, namensgebend war hierbei Karl I. von Rumänien. In der sozialistischen Zeit hieß der Stadtbezirk dann in Anlehnung an den Kampftag der Arbeiterbewegung vorübergehend 1 Mai.
1857 eröffnete der Bahnhof Timișoara Nord (erweitert 1899, gehört heute zum benachbarten Stadtbezirk Mehala). Auch der städtische Hafen wurde in der Josefstadt angelegt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren die meisten Flächen bebaut, die Grenzen zum östlichen Nachbarbezirk Elisabethstadt waren städtebaulich kaum mehr wahrnehmbar.
Die wichtigsten Industriebetriebe waren die 1846 gegründete Tabakfabrik, das ab 1858 liefernde Gaswerk, die Raffinerie Solventul (1869), die Elisabeta-Mühle (1869; Erzsébet-Mühle), die Streichholzfabrik Sikra (1895), die Hutfabrik (1900), die Butterfabrik (1900), die Ungaria-Mühle (1910), die Kettenfabrik (1908), die Schokoladenfabrik Kandia (1909) und noch eine weitere Mühle, die der Industrielle Eduard Prohaska 1909 bauen ließ, heute als Moara Prohaska bekannt. In Josefstadt standen sich eine Eisfabrik und die Textilfabrik Pasmatex gegenüber, während Josef Neumann hier Kaffe verarbeiten ließ. Auch Carol Hollaender war ein Lebensmittelunternehmer. Bekannt waren vor allem seine Marmeladen der Firma Fructus. Galvani (später auch Electrobanat oder Elba), gehörte Isidor Győri und galvanisierte hier ab 1924 industrielle Vorfabrikate.
Das Königreich Rumänien begann mit wirtschaftlichem Interventionismus und unterstellte 1919 die Tabak- und 1929 die Szikra-Streichholzfabrik (Solo) dem staatlichen Monopol. Im Zweiten Weltkrieg wurden 1944 mehrere Fabriken bei Bombardierungen zerstört oder schwer beschädigt. Darauf begann eine Politik der Verstaatlichung und der Zusammenschluss in Kombinaten durch die Rumänische Volksrepublik ab 1947.
Iosefin erstreckt sich über beide Seiten des Begakanals. Viele Gebäude des Bezirks, besonders entlang der Bega, sind im Wiener Secessionsstil gehalten und stammen aus der Zeit um 1900. Am heutigen Bulevardul General Ion Dragalina, der einstigen „Herrengasse“, mussten zur kommunistischen Zeit einige der alten Gründerzeithäuser Plattenbauten weichen. Die wichtigsten Parks sind der Parc Alpinet und der Parc Doja. Im Gegensatz zu den meisten anderen Stadtbezirken Timișoara ist die historische Josefstadt administrativ nicht in weitere Stadtteile oder Wohnplätze unterteilt. Jedoch entstanden, überwiegend in den 1970er-Jahren, am südlichen Rand der Josefstadt zahlreiche Neubaugebiete mit eigenen Namen (jedoch ohne administrative Funktion). Sie heißen Cartier Dâmbovița, Calea Șagului Vest I, Calea Șagului Vest II und Zona Steaua.
Sechs Brücken überqueren die Bega in Iosefin, sie sind:
Iosefin bildet wegen des gleichen Hintergrundes zur Namensgebung mit den Bezirken Josefstadt in Wien und Józsefváros in Budapest den Bund der Josefstädte.
Koordinaten: 45° 44′ 39,5″ N, 21° 12′ 27,2″ O