Irfan Peci (* 21. Februar 1989 in der Region Sandžak, Jugoslawien) ist ein deutscher Aktivist, Autor, Webvideoproduzent, Islamkritiker und ehemaliger Islamist bosniakischer Herkunft. 2009 wurde er vom Bundesamt für Verfassungsschutz als V-Mann angeworben und galt als eine Schlüsselfigur für Ermittlungen gegen jihadistische Netzwerke, wie etwa die damals neugegründeten Deutschen Taliban Mudschahidin. Er steht der Identitären Bewegung und der AfD nahe.
Irfan Peci wuchs in Weiden in der Oberpfalz auf. Seine Familie gehörte zur Minderheit der Bosniaken aus dem heutigen Serbien und siedelte 1991 nach Deutschland über. Laut eigenen Angaben verlief die Integration seiner Familie in Deutschland ohne große Probleme. Konflikte aufgrund seiner Herkunft traten ab der 5. Klasse ein. Nach der Grundschule folgte die Hauptschule. Sein „islamisches Bewusstsein“ sei in der 8. Klasse durch ein Mädchen mit Kopftuch geweckt worden. Über einen Cousin wurde er schließlich mit dem Salafismus bekannt.
Angeregt durch das Internet begann er sich für al-Qaida zu interessieren und radikalisierte sich. Er schloss sich der „Globalen Islamischen Medienfront“ (GIMF) an, einer Propagandaplattform für al-Qaida, welche 2006 begann, Propaganda des Terrornetzwerks ins Deutsche zu übersetzten und im Internet zu verbreiten. Peci stieg schnell zum Stellvertreter der deutschen GIMF auf. Nachdem 2007 der Chef der GIMF, Mohammed Mahmoud, wegen der Verbreitung dschihadistischer Propaganda inhaftiert wurde, übernahm Peci die Führung der deutschen Sektion.
Nach einer mehrtägigen Reise nach Berlin, wo er über einen Freund Berliner Dschihadisten kennenlernte, wurde er bei seiner Rückkehr im September 2008 von der Polizei aufgrund der Beteiligung an einer Gewalttat und der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung in Untersuchungshaft genommen. In Nürnberger Untersuchungshaft sprachen ihn Anfang 2009 Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz an und boten ihm eine Haftverschonung an, wenn er als V-Mann für sie arbeiten würde. Peci sagte zu. Er galt danach für die deutschen Sicherheitsbehörden als einer der wichtigsten V-Männer in der Islamistenszene.
Angesetzt wurde Peci auf die dschihadistische Szene in Berlin und infiltrierte dort die „Berliner-Gruppe“ um Adnan Rahime. Neben den fortgeführten Propaganda-Aktivitäten wurde er auch von Mitgliedern der Szene für den Ernstfall trainiert. Peci berichtete, dass er im Frühjahr 2010 im Wahhabiten-Dorf Gornja Maoča im Umgang mit Sprengstoff und Kalaschnikows geschult wurde.
Peci gab an, während seiner Zeit als V-Mann Gelder des Verfassungsschutzes in islamistische Kreise weitergeleitet zu haben, um seine Glaubwürdigkeit zu sichern, und schilderte, an einem Angriff auf einen US-Soldaten beteiligt gewesen zu sein. In diesem Zusammenhang erhob er später den Vorwurf, der Verfassungsschutz habe problematische Aktivitäten geduldet und Einfluss auf Ermittlungen genommen.
Im Rahmen der strafrechtlichen Verfolgung und des Verfahrens gegen die „Berliner Gruppe“ und GIMF-Unterstützer wurde Peci 2011 vom Generalbundesanwalt als Kronzeuge für den Prozess angefordert. Letztendlich wurde er hierdurch enttarnt. Nach seinen Aussagen als Kronzeuge kam er ins Zeugenschutzprogramm. Unter anderem rief die Terrororganisation Islamischer Staat zu seiner Ermordung auf.
Nach seinem Ausstieg aus der islamisch-extremistischen Szene widmete sich Peci der Aufklärung über islamischen Extremismus und Antisemitismus sowie der Präventionsarbeit. Er veröffentlichte Bücher und hielt Vorträge, in denen er seine Erfahrungen schilderte und vor den Gefahren der Radikalisierung warnte.
2021 löste das Bekanntwerden der Teilnahme der als Quarks-Moderatorin vorgesehenen Naame El-Hassan am Berliner Al-Quds-Marsch eine Antisemitismusdebatte aus, infolge derer der WDR auf ihre Verpflichtung verzichtete; Auslöser waren Enthüllungen, die auf Peci zurückgingen.
Im Jahr 2022 war Peci bei zahlreichen Kundgebungen der islamfeindlichen Bürgerbewegung Pax Europa als Gastredner an der Seite von Michael Stürzenberger aktiv. Zudem trat er bei Veranstaltungen der AfD sowie einer Kundgebung der Identitären Bewegung als Redner auf.
Am 10. Januar 2023 ließ sich Irfan Peci taufen und ist nun bekennender Christ.
Am 5. Dezember 2024 wurde Peci als Sachverständiger zu einer öffentlichen Anhörung des Bayerischen Landtags zum Thema „Bedrohung durch islamistischen Terrorismus in Bayern“ geladen. Am 18. Dezember folgte eine weitere Anhörung als Sachverständiger vor dem Ausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe des Deutschen Bundestages.
Pecis im Mai 2015 erschienenes Buch Der Dschihadist: Terror made in Germany – Bericht aus einer dunklen Welt (co-autoriert von den Journalisten Johannes Gunst und Oliver Schröm) stieß auf ein breites Medienecho und löste eine politische Debatte über die Praxis des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) beim Einsatz von V-Leuten in der islamistischen Szene aus.
So reichte am 10. Dezember 2015 etwa die Fraktion Die Linke zu der Sache eine Kleine Anfrage im Deutschen Bundestag ein (Drucksache 18/7025), um die Modalitäten der Finanzierung und die mutmaßliche Straffreiheit von Pecis Aktivitäten als V-Mann durch die Bundesregierung aufklären zu lassen. Die Bundesregierung verwies in ihrer Antwort im Wesentlichen auf die Geheimhaltungsbedürftigkeit operativer Details des Verfassungsschutzes. Ein aufgrund der im Buch erhobenen Vorwürfe eingeleitetes Ermittlungsverfahren gegen Mitarbeiter des Verfassungsschutz wurde mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt.
Große Leitmedien wie der Stern und Die Welt veröffentlichten zum Erscheinen des Buches ausführliche Berichte über Peci. Im Juni 2015 war Peci zudem zu Gast in der ZDF-Talkshow Markus Lanz. Das Schweizer Fernsehen berichtete im Nachrichtenmagazin 10vor10, und der Bayerische Rundfunk widmete Pecis Lebenslauf im Jahr 2017 eine Dokumentation in der Reihe Lebenslinien.
2026 wirkte Peci in der ZDFinfo-Dokumentation 9/11 – Der lange Schatten des Terrors als Interviewpartner zu den Themen al-Qaida und islamistische Radikalisierung mit. Im selben Jahr trat er zudem als Experte in der Terra X History-Dokumentation 9/11 – Terror, Trauma, Zeitenwende des Journalisten Rainer Fromms zu al-Qaida und den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Peci, Irfan |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Autor |
| GEBURTSDATUM | Februar 1989 |
| GEBURTSORT | Region Sandžak, Jugoslawien |