
Issak Tavior (auch Isaak, Itzhak oder Itzchak Tavior; hebräisch יצחק תוויאור Jizchak Tawior; * 18. September 1943 in Haifa, Völkerbundsmandat für Palästina; † 7. Februar 2025) war ein israelischer Pianist, Komponist und Dirigent. Er initiierte gemeinsam mit der Sopranistin Barbara Baier den Bayreuther Zamirchor und leitete ab 2008 zahlreiche deutsch-israelische Konzertprojekte, darunter 2010 die Gedenkveranstaltung der Vereinten Nationen zum Internationalen Holocaust-Gedenktag in New York.
Tavior wurde in Haifa geboren und schloss sein Klavierstudium an der Musikakademie in Tel Aviv ab. Zu seinen Lehrern zählten nach Angaben des Zamirchors Ilona Vincze-Kraus und Jerome Lowenthal; weitere Studien führten ihn zu Peter Feuchtwanger nach London und zu Professor Hildebrandt nach Genf. Dirigieren studierte er bei Noam Sheriff in Israel, bei Franco Ferrara in Siena, bei Hans Swarowsky in Wien und bei Milan Horvat in Salzburg.
Als Pianist gab Tavior Rezitale bei Rundfunkanstalten unter anderem in Amsterdam, Brüssel, Genf, Zürich, München, Dublin und Frankfurt und trat als Solist mit dem Kol Israel Symphony Orchestra (heute Jerusalem Symphony Orchestra), dem Haifa Symphony Orchestra, dem Mozarteumorchester Salzburg und dem Orchester von Radio Lugano auf.
Er unterrichtete Musik an mehreren Gymnasien in Israel, leitete zahlreiche Chöre und stand von 1971 bis 1974 dem Orchester der Hebräischen Universität Jerusalem vor. 1975 war er Mitbegründer des Musikkonservatoriums in Karmiel. In den späten 1970er Jahren leitete er dort ein Orchester, das von der israelischen Regierung und dem Galilee Project zur Förderung der regionalen Entwicklung finanziert wurde. Nach Angaben des Zamirchors gründete er 1977 das Galilee Symphony Orchestra. 1980 leitete er für ein Jahr das Upper Galilee Music Festival im Kibbuz Kfar Blum; von 1989 bis 1997 lehrte er Musik an der Universität Haifa. Der Zamirchor gibt an, er sei dort bereits ab 1980 Gastdozent für Musikgeschichte gewesen.
1967 ließ sich Tavior mit seiner Familie in Chemdat Jamim (auch Hemdat Yamim) nieder, einem abgelegenen Einzelgehöft im Naturschutzgebiet des Meron oberhalb des Moschaws Schefer in Obergaliläa. Den Ort hatte zuvor die Ärztin Yael Ben Dor unter dem Namen „Tirat Jael“ bewohnt. Das Ehepaar Tavior baute dort ein Musikzentrum auf, in dem Tavior seit 1981 Klavierabende gab. Im Obergeschoss des Familienhauses richtete er einen holzgetäfelten Konzertraum für etwa 80 Zuhörer ein, in dem er jeden Samstagvormittag Klavierrezitale und Kammerkonzerte gab, teils gemeinsam mit seinen ebenfalls musizierenden Kindern oder Gastmusikern. 2004 bestanden diese Hauskonzerte bereits seit mehr als zwanzig Jahren. Später übernahm sein Sohn die Leitung des Anwesens, auf dem neben den klassischen Matineen auch Rock-, Jazz- und Folkkonzerte stattfanden. Der Israel Film Service widmete Tavior und Chemdat Jamim 1986 eine Folge der Dokumentarreihe Adam u-Makom („Mensch und Ort“) unter der Regie von Aran Patinkin.

Gemeinsam mit der Bayreuther Sopranistin und Gesangspädagogin Barbara Baier prägte Tavior über fast zwei Jahrzehnte die Arbeit des Zamirchors. Nach einer gemeinsamen Aufführung zum Holocaust-Gedenktag im Mai 2005 in Bayreuth entschlossen sich die deutschen und israelischen Mitwirkenden, einen dauerhaften Chor zu gründen; Initiatoren waren Baier und Tavior. Aus dem Projektchor von 2005 ging 2006 der Zamirchor hervor. Dessen Repertoire wurde insbesondere durch Taviors Kompositionen geprägt, deren Uraufführungen er häufig selbst leitete. Bereits 2007 gastierte der Chor mit Tavior als Begleiter am Klavier in der Schweiz.
Zum 60. Jahrestag der Gründung des Staates Israel dirigierte Tavior im Mai 2008 Aufführungen seiner biblischen Kompositionen im Staatstheater Nürnberg mit den Nürnberger Philharmonikern (heute Staatsphilharmonie Nürnberg) und in der Stadthalle Bayreuth mit den Hofer Symphonikern.
Am 27. Januar 2010 leitete er im Saal der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York das Konzert der offiziellen UN-Gedenkveranstaltung zum Internationalen Holocaust-Gedenktag. Es wirkten die Nürnberger Philharmoniker, der Zamirchor und der Jerusalem Oratorio Chamber Choir mit; die Veranstaltung wurde in Partnerschaft mit der deutschen Bundesregierung ausgerichtet. Auf dem Programm standen neben Werken von Beethoven und Brahms auch Kompositionen Taviors; sein Werk The Last Days to Come wurde dabei uraufgeführt. Bei einem weiteren Konzert in der Park East Synagogue in New York wirkte er als Pianist mit.
Am 26. Januar 2011 dirigierte Tavior in der Kirche St. Bernadette in Annecy, der Partnerstadt Bayreuths, ein Konzert zum deutsch-französischen Freundschaftstag. Am folgenden Tag gestaltete dieselbe Besetzung – der Zamirchor, der Jerusalem Oratorio Chamber Choir und das Deutsche Radio Kammerorchester – unter seiner Leitung die Holocaust-Gedenkveranstaltung im Büro der Vereinten Nationen in Genf. Im Herbst 2012 wurde in Haifa unter seiner Leitung sein Werk Shir ha-Shirim mit dem Haifa Symphony Orchestra, dem Tiv’on Chamber Choir und dem Zamirchor uraufgeführt.
Am 23. Januar 2014 übernahm Tavior mit den Nürnberger Symphonikern sowie Chören aus Israel und Bayreuth die musikalische Gestaltung des Gedenkakts des Bayerischen Landtags und der Stiftung Bayerische Gedenkstätten zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in Nürnberg, bei dem mehrere seiner Kompositionen erklangen. Zur selben Konzertreihe gehörte ein Auftritt mit den Hofer Symphonikern in der Freiheitshalle Hof. Zum 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel leitete er 2015 Konzerte in Israel sowie im Juli 2015 in Hof und Bayreuth, bei denen der Zamirchor, der israelische Misgav HaGalil Choir und die Hofer Symphoniker unter anderem sein Werk Mount Sinai aufführten.
Am 9. November 2016 gestaltete Tavior mit dem Zamirchor im Coburger Haus Contakt ein Gedenkkonzert zu den Novemberpogromen 1938. Er trat dabei als Solist mit Beethovens Klaviersonate f-Moll op. 57 (Appassionata) auf, begleitete Barbara Baier in Liedern von Mozart und Schubert und dirigierte vom Klavier aus Ausschnitte aus seinen Werken Chazon ha-Azamot und Mount Sinai. Am 26. Januar 2017 dirigierte er erneut bei der Holocaust-Gedenkveranstaltung der Vereinten Nationen in Genf, diesmal mit dem Deutschen Radio Orchester, dem Misgav HaGalil Choir und dem Zamirchor. In Bayreuth gab er im Oktober 2017 Klavierabende in der Zamirhalle, unter anderem mit Mussorgskis Bilder einer Ausstellung.

In Israel gründete Tavior den Ashira-Chor, mit dem der Zamirchor ab 2018 eng zusammenarbeitete. Am 4. Juli 2022 leitete er in der Konzerthalle St.-Ulrich-Kirche in Halle (Saale) ein Gedenkkonzert für die Opfer des Anschlags auf die Synagoge von Halle, an dem der Zamirchor, der Ashira-Chor und das Kammerorchester des Deutschen Radios mitwirkten.
Am 3. September 2023 dirigierte Tavior in der Konzerthalle „Bulgaria“ in Sofia ein Konzert der Sofioter Philharmoniker zum 80. Jahrestag der Rettung der bulgarischen Juden, das unter der Schirmherrschaft von Staatspräsident Rumen Radew stand. Neben Werken von Brahms und Bellini wurden seine Werke The Last Days to Come und Chazon ha-Azamot aufgeführt. Ende September 2023 folgte eine Konzertreise mit dem Zamirchor nach Israel mit einem A-cappella-Konzert in Chemdat Jamim am 28. September und einem Konzert mit der Symphonietta Ra’anana und dem Ashira-Chor am 1. Oktober 2023 im Theater Jerusalem – Taviors letztem großen Auftritt mit dem Zamirchor, wenige Tage vor dem Terrorangriff der Hamas auf Israel.
Tavior starb am 7. Februar 2025 im Alter von 81 Jahren in Israel im Beisein seiner Familie. Er war 58 Jahre lang mit Liora Tavior verheiratet; das Paar hatte drei Kinder.
Als Komponist widmete sich Tavior vor allem groß besetzten Vokalwerken für Soli, Chor und Orchester auf hebräische Texte aus der Hebräischen Bibel. Thematisch verbinden seine Werke biblische Stoffe mit dem Gedenken an die Schoa und der Wiedererstehung des jüdischen Staates. Nach Angaben des Zamirchors schrieb er zehn Oratorien.
Werke (Auswahl):
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tavior, Issak |
| ALTERNATIVNAMEN | Tavior, Isaak; Tavior, Itzhak; Tavior, Itzchak; תוויאור, יצחק (hebräisch); Tawior, Jizchak |
| KURZBESCHREIBUNG | israelischer Pianist, Komponist und Dirigent |
| GEBURTSDATUM | 18. September 1943 |
| GEBURTSORT | Haifa, Völkerbundsmandat für Palästina |
| STERBEDATUM | 7. Februar 2025 |
| STERBEORT | Israel |