J. D. Short

J. D. Short (* 26. Dezember 1902 in Port Gibson, Mississippi, USA; † 21. Oktober 1962 in St. Louis, Missouri, USA) war ein US-amerikanischer Musiker (Gitarre, Klavier, Mundharmonika, Saxofon, Klarinette, Schlagzeug, Gesang) und Songwriter des Delta Blues. Er veröffentlichte Aufnahmen unter verschiedenen Pseudonymen, darunter Jelly Jaw Short und Jaydee Short, möglicherweise auch Spider Carter, Neckbones, Joe C. Stone, Ell Zee Floyd und R. T. Hanen.

Biografie

J. D. Short wurde am 26. Dezember 1902 in Port Gibson (Mississippi) geboren. Er war ein Cousin von Big Joe Williams und von David „Honeyboy“ Edwards. Schon früh lernte er Klavier und Gitarre spielen. Später beherrschte er auch Mundharmonika, Saxofon, Klarinette und Schlagzeug. Er trat regelmäßig auf privaten Feiern im Mississippi-Delta auf. 1923 zog er nach St. Louis (Missouri), wo er in einer Messinggießerei arbeitete und in seiner Freizeit in Clubs und auf Partys spielte.

1930 nahm er in Grafton (Wisconsin) als Jaydee Short acht Songs für Paramount Records auf, die auf vier Singles veröffentlicht wurden. Zwei dieser Singles gelten bis heute als verschollen, und ein Exemplar einer weiteren dieser Singles wurde erst 2014 wieder aufgefunden. Einige Monate später soll er in Chicago als Spider Carter für Brunswick Records und als Neckbones für Vocalion Records Aufnahmen gemacht haben, letztere zusammen mit Peetie Wheatstraw. 1932 gab es erneute Aufnahmen für Vocalion, diesmal als Jelly Jaw Short. Weitere mögliche Pseudonyme bei Aufnahmen in den Jahren 1930 bis 1933 waren Joe C. Stone, Ell Zee Floyd und R. T. Hanen.

Zurück in St. Louis spielte Short in einer Band namens The Neckbones, zu der zeitweise auch Henry Spaulding, Honeyboy Edwards, Douglas Williams und Big Joe Williams gehörten. Der Musiker Henry Townsend berichtete in seiner Autobiografie A Blues Life von einem Vorfall in St. Louis, bei dem Short ihn, offenbar aus Neid auf Townsends musikalischen Erfolg, mit einem Messer angriff und verletzte. Townsend schoss Short aus Rache in die Genitalien. Diese Geschichte wurde auch in Townsends Nachruf im Guardian erwähnt.

Short verschwand für mehr als zwei Jahrzehnte aus den Studios, bevor er 1958 Big Joe Williams auf dessen Album Piney Woods Blues (Delmar/Delmark Records) mit Gitarre und Mundharmonika begleitete. In der Zwischenzeit hatte er in einer Swingband gespielt und bei der Army gedient, wo er sich bei Übungen verletzte. Danach hatte er weiterhin in den Clubs von St. Louis den Blues gespielt. 1962 ermöglichte Samuel Charters Short Aufnahmen, die zusammen mit 1942 aufgenommenen Songs von Son House 1963 bei Folkways Records als Blues from the Mississippi Delta veröffentlicht wurden. Short wirkte auch an dem 1963 erschienenen Dokumentarfilm The Blues mit, in dem er den Song Slidin’ Delta spielte; 1967 wurde der Soundtrack auf LP veröffentlicht.

J. D. Short starb am 21. Oktober 1962 im Alter von 59 Jahren in St. Louis an einem Herzinfarkt.

1965 veröffentlichte Delmark auf dem Album Stavin’ Chain Blues weitere Aufnahmen von J. D. Short mit Big Joe Williams aus dem Jahr 1958. In seiner 12-teiligen Albumserie The Legacy of the Blues veröffentlichte Sam Charters 1973 als Volume 8 Aufnahmen von J. D. Short aus dem Jahr 1962 (Sonet Records). 1985 erschien bei Wolf Records J. D. Short 1930–33, 1993 dann J. D. Short & Henry Brown: St. Louis Blues. Songs von J. D. Short sind auch auf zahlreichen Kompilationen vertreten.

Einzelnachweise

  1. 1 2 J.D. Short Biography by Ron Wynn. AllMusic (englisch), abgerufen am 21. April 2024
  2. 1 2 3 4 5 J D Short. All About Blues Music (englisch), abgerufen am 21. April 2024
  3. 1 2 3 4 5 6 Bob Groom: J.D. Short. In: Talking Blues 2 (1976) S. 2–7, Talking Blues 3 (1976) S. 6–12 und Talking Blues 4 (1977) S. 12–18 (englisch), online verfügbar auf sundayblues.org, abgerufen am 26. April 2024
  4. 1 2 3 4 5 Stefan Wirz: Illustrated J. D. Short discography. Wirz.de (englisch), abgerufen am 21. April 2024
  5. ↑ John Tefteller Finds Another „Lost“ Paramount Blues 78rpm Record!!. Tefteller.com (englisch), abgerufen am 21. April 2024
  6. ↑ Tony Russel: Obituary Henry Townsend. The Guardian, 2. Oktober 2006 (englisch), abgerufen am 21. April 2024
  7. ↑ The Blues. Media Collection Online, Indiana University (englisch), abgerufen am 21. April 2024
Personendaten
NAME Short, J. D.
ALTERNATIVNAMEN Short, Jelly Jaw; Short, Jaydee; Spider Carter; Neckbones
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Bluesmusiker
GEBURTSDATUM 26. Dezember 1902
GEBURTSORT Port Gibson, Mississippi, USA
STERBEDATUM 21. Oktober 1962
STERBEORT St. Louis, Missouri, USA