J. J. Cale

J. J. Cale vor 2007

John Weldon „J. J.“ Cale (* 5. Dezember 1938 in Oklahoma City, Oklahoma; † 26. Juli 2013 in La Jolla, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Musiker und Komponist. Er zählt zu den Begründern des Tulsa-Sounds, stilistisch zwischen Rockabilly, Blues, Jazz und Country einzuordnen. Er spielte oftmals alle Instrumente seiner Aufnahmen selbst.

Leben

Cale wuchs in Tulsa im US-Staat Oklahoma auf. Seine musikalische Laufbahn begann 1950, als er sich von zehn ersparten Dollar eine gebrauchte Gitarre kaufte. Er spielte zunächst in Klubs und Bars seiner Heimat und gründete eine eigene Gruppe, mit der er bis 1959 zusammenblieb und unter anderem in der Grand Ole Opry auftrat. 1960 ging er nach Kalifornien, wo er auf Leon Russell und weitere Musiker aus Tulsa traf, darunter Carl Radle, Chuck Blackwell und Jim Price. Als Studiomusiker wirkte er an zahlreichen Aufnahmen aus Russells Umfeld mit. Ende der 1960er Jahre kehrte er nach Tulsa zurück, wo er weiterhin in kleinen Klubs auftrat.

Der Name J.J. (ohne Leerzeichen und häufig auch ohne Punkte geschrieben) war ein Künstlername, der ihm in seinen Anfangsjahren als Musiker von einem Clubbesitzer des Whisky a Go Go in Los Angeles gegeben wurde, da es bereits den Musiker John Cale (Ex-Velvet Underground) gab. Fälschlicherweise wird selbst in seriösen Quellen (zum Beispiel im All Music Guide to the Blues) der Geburtsname von J. J. Cale mit „Jean Jacques“ angegeben. Diesen Namen hatte ein französischer Journalist ins Spiel gebracht, worauf er dann in einigen Biografien von J. J. Cale genannt wurde.

J.J. Cale (1975)

Typisch für Cale sind kurze, eher sparsam instrumentierte Songs. Die Texte sind oft lakonisch und wurden ohne jedes Pathos vorgetragen, so dass seine Musik für typischen Rock zu ruhig ist. Dafür sind die Details der Musik sehr sorgfältig ausgearbeitet. Eric Clapton beschrieb in einem Interview diesen Stil: „… really, really minimal …, it’s all about finesse.“ – „… wirklich sehr minimalistisch …; das Wesentliche sind die Feinheiten.“

Cale ließ sich für die Produktion einer Platte oft mehrere Jahre Zeit und hat in seiner Musik den sogenannten Laid-back-Stil (zurückgelehnt, entspannt) geprägt. Das bedeutet, dass er seine wohldosierten Soli immer leicht hinter dem eigentlichen Beat des jeweiligen Stückes spielte. Der Laid-back-Stil erinnert an den Stil von Billie Holiday, die ihn nach Cales eigenen Aussagen inspirierte.

J. J. Cale und Eric Clapton veröffentlichten im November 2006 das gemeinsame Album The Road to Escondido, das 2008 mit einem Grammy als Best Contemporary Blues Album (Bestes zeitgenössisches Bluesalbum) ausgezeichnet wurde.

Cale war mit der Gitarristin Christine Lakeland (* 1954) verheiratet, die seit 1979 auf seinen Alben mitspielte und an den meisten seiner Touren als Bandmitglied teilnahm. J. J. Cale starb im Juli 2013 in der Nähe von San Diego nach einem Herzinfarkt. Sein Grab befindet sich auf dem Mission San Luis Rey Cemetery in San Diego.

Rezeption

J. J. Cale, der die Öffentlichkeit eher mied und nur einen eigenen großen Hit hatte (Cocaine, 1977 Platz 22 in Deutschland, Platz 2 in der Schweiz, Platz 5 in Österreich), ist in Musikerkreisen wegen seiner Kompositionen hoch angesehen. Sein Instrumentalstück Okie wurde ab 1975 im SWF3 für lange Zeit als Erkennungsmelodie des Pop Shop mit Frank Laufenberg verwendet.

J.J. Cale wurde insbesondere durch zahlreiche Interpretationen seiner Songs durch andere Musiker bekannt, wie die Coverversionen von After Midnight und Cocaine durch Eric Clapton. 2014 erschien das Album The Breeze – An Appreciation of JJ Cale von Eric Clapton & Friends, das eine Hommage an Cale ist.

Diskografie

Studioalben

Jahr Titel
Musiklabel
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungenTemplate:Charttabelle/Wartung/ohne Quellen
(Jahr, Titel, Musiklabel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmer­kungen
 DE  AT  CH  UK  US
1972 Naturally
Shelter Records
— — — UK—
Silber
Silber
UK
—
Erstveröffentlichung: 1972
Re-Release: 2009
1973 Really
Shelter Records
— — — — —
Erstveröffentlichung: 1973
Aufnahme: April bis Juli 1972
1974 Okie
Shelter Records
— — — — —
Erstveröffentlichung: 30. April 1974
Aufnahme: 7. Mai bis 5. Dezember 1973
1976 Troubadour
Shelter Records
DE22
(8 Wo.)DE
AT24
(4 Wo.)AT
— UK53
Silber
Silber

(1 Wo.)UK
—
Erstveröffentlichung: September 1976
Verkäufe: + 70.000
1979 5
Shelter Records / MCA
DE27
(7 Wo.)DE
AT22
(8 Wo.)AT
— UK40
(6 Wo.)UK
—
Erstveröffentlichung: August 1979
1981 Shades
Shelter Records / MCA
DE37
(11 Wo.)DE
— — UK44
(7 Wo.)UK
—
Erstveröffentlichung: Februar 1981
1982 Grasshopper
Mercury Records
— — — UK36
(5 Wo.)UK
—
Erstveröffentlichung: März 1982
Verkäufe: + 20.000
1983 #8
Mercury Records
— — — UK47
(3 Wo.)UK
—
Erstveröffentlichung: September 1983
1989 Travel-Log
Silvertone
— — CH29
(2 Wo.)CH
— US131
(10 Wo.)US
Erstveröffentlichung: 6. November 1989
1992 Number 10
Silvertone
— — — UK58
(2 Wo.)UK
—
Erstveröffentlichung: 7. September 1992
1994 Closer to You
Delabel/Virgin
— — CH50
(1 Wo.)CH
— —
Erstveröffentlichung: 30. Mai 1994
Verkäufe: + 60.000
1996 Guitar Man
Delabel/Virgin
— — — — —
Erstveröffentlichung: 25. Juni 1996
2004 To Tulsa and Back
Sanctuary, Blue Note
DE82
(6 Wo.)DE
— CH99
(1 Wo.)CH
— —
Erstveröffentlichung: 7. Juni 2004
2009 Roll On
Rounder, Because Music
DE32
(7 Wo.)DE
AT62
(1 Wo.)AT
CH53
(4 Wo.)CH
— —
Erstveröffentlichung: 24. Februar 2009
2019 Stay Around
Because Music
DE9
(6 Wo.)DE
AT15
(1 Wo.)AT
CH3
(10 Wo.)CH
— —
Erstveröffentlichung: 26. April 2019

grau schraffiert: keine Chartdaten aus diesem Jahr verfügbar

Coverversionen (Auswahl)

Lied Künstler
Anyway the Wind BlowsBill Wyman’s Rhythm Kings, Brother Phelps
After MidnightEric Clapton, Chet Atkins, Sérgio Mendes, Merl Saunders mit Jerry García, Reiner Schöne („So um Mitternacht“), The Seldom Scene, The Yardbirds, John Mayer
Bringing It BackKansas, Lynyrd Skynyrd
Cajun MoonEric Clapton, Randy Crawford, Igor Flach, Herbie Mann, Maria Muldaur, Poco, Chris Spedding
Call Me the BreezeEric Clapton, The Allman Brothers Band, Bobby Bare, Johnny Cash, David Allan Coe, Dr. Hook, Waylon Jennings, Lynyrd Skynyrd, Tom Petty, John Mayer, Spiritualized
ClydeDr. Hook, Waylon Jennings
CocaineEric Clapton, Joe Cocker, Nazareth
Crazy MamaEric Clapton, The Band, Larry Carlton, Redbone, Johnny Rivers
I Got the Same Old BluesEric Clapton, Bobby „Blue“ Bland, Bryan Ferry, Freddie King, Lynyrd Skynyrd, Captain Beefheart
MagnoliaEric Clapton, José Feliciano, David Kitt, Poco, Chris Smither, Pat Travers
Mama Don’tFrancis Cabrel („Madame n’aime pas“), Klaus Lage („Mama“)
Right Down HereAsha Puthli
The Sensitive KindEric Clapton, John Mayall, Carlos Santana, Калинов Мост
Travelin’ LightEric Clapton, Widespread Panic
You Keep Me Hangin’ OnKevin Ayers, Diamond Jack And The Queen Of Pain

Literatur

Dokumentarfilm

Commons: J. J. Cale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Biographie (Memento vom 15. Juni 2011 im Internet Archive) auf J. J. Cales offizieller Website
  2. ↑ JJ-Cale Biografie auf laut.de, abgerufen am 19. September 2015
  3. ↑ Jörg Gülden: Der Schweiger von Tulsa: J. J. Cale. In: Sounds. Nr. 6, Juni 1973, S. 14–15.
  4. ↑ To Tulsa And Back: On Tour With J. J. Cale
  5. ↑ Sebastian Münster: La Jolla: „Cocaine“-Komponist J. J. Cale ist tot. Rheinische Post, 29. Juli 2013.
  6. ↑ J. J. Cale in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 12. September 2022.
  7. ↑ Emmanuel Legrand: France’s Delabel Provides Cale With a Home Away from Home. (PDF) In: Billboard Magazine. American Radio History Archive, 16. Juli 1994, S. 89, abgerufen am 23. Februar 2020 (englisch).
  8. ↑ J. J. Cale, Eric Clapton, Rocky Frisco: To Tulsa and Back: On Tour with J.J. Cale. Kick Film, abgerufen am 11. Mai 2024.
  9. ↑ TO TULSA AND BACK - ON TOUR WITH J.J. CALE - Official Trailer. Abgerufen am 11. Mai 2024 (deutsch).
Personendaten
NAME Cale, J. J.
ALTERNATIVNAMEN Cale, John Weldon (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Musiker und Komponist
GEBURTSDATUM 5. Dezember 1938
GEBURTSORT Oklahoma City, Oklahoma
STERBEDATUM 26. Juli 2013
STERBEORT La Jolla, Kalifornien