Jacob Herman Jan Mellaart

Jacob Herman Jan Mellaart mit seinem Sohn James, Ende der 40er oder Anfang der 50er Jahre.

Jacob Herman Jan Mellaart (* 15. Dezember 1895 in ’s-Gravenzande; † 1972) war ein niederländischer Kunsthistoriker und Kunsthändler. Er war Sohn des Rotterdamer Lotsen Marinus Mellaart (1865–1940) und jüngerer Bruder von Jan Jacob Herman Mellaart (1892–1946). Er studierte bei Abraham Bredius (1855–1946) und trat auf dessen Vermittlung hin im Februar 1918 in die Dienste des bedeutenden Kunsthistorikers, Sammlers und Händlers Frits Lugt (1884–1970), der ihn zunächst wie einen Ziehsohn förderte und überallhin mitnahm. Nach dem Ersten Weltkrieg holte Lugt ihn nach London, doch bald kam es zu Spannungen. Lugt fand, dass Mellaart zu stark auf den eigenen Vorteil bedacht sei und geschäftliche Entscheidungen nicht ausreichend von moralischen Verpflichtungen leiten lasse. Daraufhin riet er ihm, seinen eigenen Weg zu gehen; im Januar 1920 trennten sich ihre Wege wieder.

Anschließend machte sich Mellaart als Kunsthändler in London selbstständig, unterhielt jedoch zugleich ein Pied-à-terre in Den Haag, von wo aus er niederländische Kunden betreute – darunter Dirk Hannema, den Direktor des Museums Boijmans. 1926 erschien bei Ernest Benn seine vielbeachtete Studie Dutch Drawings of the Seventeenth Century. Im Lauf der Jahre trug er überdies eine Sammlung chinesischer Antiquitäten zusammen und wirkte am Katalog der 1956 im Rijksmuseum Amsterdam gezeigten Rembrandt-Ausstellung mit. Seinen Lebensunterhalt bestritt er hauptsächlich mit dem An- und Verkauf niederländischer Zeichnungen und Gemälde; seine Fachkenntnisse stellte er zudem in den Dienst der Begutachtung und Authentifizierung von Gemälden in der Sammlung des Königs und später der Königin. Für das Burlington Magazine verfasste er darüber hinaus einen Beitrag über die Wiederentdeckung von Gemälden des Künstlers GP van Zyl.

Der Börsenkrach von 1929 traf Mellaarts Geschäfte schwer, sodass er 1931 in die Niederlande zurückkehrte, wo er sich einen deutlich größeren Kundenstamm erhoffte als im Vereinigten Königreich; in der Folge zog die Familie innerhalb der Niederlande mehrfach um. 1933 verkaufte er über Professor F. W. Hudig seine rund 30.000 Reproduktionsgrafiken umfassende Sammlung an das Kunsthistorische Institut der Universität Amsterdam.

Am 27. Mai 1924 heiratete Mellaart in Hillegom Apollonia Dingena („Linn“) van der Beek. Aus der Ehe gingen der Archäologe James Mellaart (1925–2012) – von 1959 bis 1961 stellvertretender Direktor des BIAA, später Dozent für Anatolische Archäologie am UCL – sowie die Schriftstellerin Helen Mellaart (1929–1986) hervor. Nach dem Tod seiner ersten Frau 1933 heiratete Mellaart in zweiter Ehe Elisabeth Johanna Fetter (1905–1986), das frühere Kindermädchen der Familie. Dieser Verbindung entstammten vier Söhne, darunter der Fotograf Paul Mellaart (* 1943).

Die Familie zog schließlich auf Schloss Borgharen an der Maas, sieben Kilometer von Maastricht entfernt – Mellaart handelte inzwischen neben Gemälden auch mit antiken Möbeln und benötigte dafür entsprechend viel Lagerraum. Von 1942 bis 1945 diente ihnen das Schloss als Wohnsitz, bevor sie auf das nahegelegene Schloss Mheer übersiedelten. Dort ging Mellaart bis 1967 weiterhin seinem Beruf als Kunsthändler nach, während seine Ehefrau im Schloss ein Hotel führte. Im selben Jahr wurde ein großer Teil seiner Kunstreproduktionen im Rahmen einer Liquidation veräußert, darunter eine alphabetisch geordnete Sammlung von Reproduktionen nach Zeichnungen, Aquarellen und Gemälden, die in Ordnern einen Umfang von rund 65 Metern erreichte. Bereits seit den 1930er Jahren hatte er zudem etwa 30 Zeichnungen dem Rijksprentenkabinet geschenkt.

Literatur

Anmerkungen

  1. ↑ Emma L. Baysal (Hrsg.): James Mellaart. The Journey to Çatalhöyük, Istanbul 2020, S. 14f.; Jan Frederik Heijbroek: Frits Lugt 1884–1970. Living for Art, Bussum/Paris 2012, S. 104.
  2. ↑ Michael Balter: The Goddess and the Bull, New York u. a. 2005, S. 12; Jan Frederik Heijbroek: Frits Lugt 1884–1970. Living for Art, Bussum/Paris 2012, S. 104f.
  3. ↑ Justin Corfield/Harald Haarmann: The Findings of Neolithic Drawings at Çatalhöyük in Turkey are a Fraud. In: Steven L. Danver (Hrsg.): Popular Controversies in World History. Bd. 1: Prehistory and Early Civilizations, Santa Barbara 2010, S. 127–48, hier: S. 127; Esther Boeles: De platenkamer van de Universiteit van Amsterdam. In: RKD Bulletin 2014/2, S. 3–13, hier: S. 8; Alan Mellaart: The Live of James Mellaart. In: Emma L. Baysal (Hrsg.): James Mellaart. The Journey to Çatalhöyük, Istanbul 2020, S. 33–103, hier: S. 33, 36.
  4. ↑ Michael Balter: The Goddess and the Bull, New York u. a. 2005, S. 12; Alan Mellaart: The Live of James Mellaart. In: Emma L. Baysal (Hrsg.): James Mellaart. The Journey to Çatalhöyük, Istanbul 2020, S. 33–103, hier: S. 37, 41, 43.
  5. ↑ Jan Frederik Heijbroek: Frits Lugt 1884–1970. Living for Art, Bussum/Paris 2012, S. 105; Esther Boeles: De platenkamer van de Universiteit van Amsterdam. In: RKD Bulletin 2014/2, S. 3–13, hier: S. 8.
  6. ↑ Ian Hodder: James Mellaart, 1925–2012. In: Biographical Memoirs of Fellows of the British Academy 14 (2015), S. 411–420.
  7. ↑ Alan Mellaart: The Live of James Mellaart. In: Emma L. Baysal (Hrsg.): James Mellaart. The Journey to Çatalhöyük, Istanbul 2020, S. 33–103, hier: S. 37.
  8. ↑ Jan Frederik Heijbroek: Frits Lugt 1884–1970. Living for Art, Bussum/Paris 2012, S. 105; Alan Mellaart: The Live of James Mellaart. In: Emma L. Baysal (Hrsg.): James Mellaart. The Journey to Çatalhöyük, Istanbul 2020, S. 33–103, hier: S. 44.
  9. ↑ Esther Boeles: De platenkamer van de Universiteit van Amsterdam. In: RKD Bulletin 2014/2, S. 3–13, hier: S. 8f.
Personendaten
NAME Mellaart, Jacob Herman Jan
KURZBESCHREIBUNG niederländischer Kunsthistoriker und Kunsthändler
GEBURTSDATUM 15. Dezember 1895
GEBURTSORT ’s-Gravenzande
STERBEDATUM 1972