Jadran Ferluga

Jadran Ferluga (* 13. Februar 1920 in Triest; † 27. Januar 2004 in Piran) gilt als bedeutendster slowenischer Byzantinist.

Jadran Ferluga studierte ab 1946 Geschichte in Paris, später in Belgrad. 1956 wurde er in Belgrad bei Georg Ostrogorsky mit einer Dissertation über die byzantinische Verwaltung Dalmatiens promoviert. Danach lehrte er am Institut für Byzantinistik der Universität Belgrad. Ab 1968 vertrat er die vakante Professur für Byzantinistik an der Universität Münster, die er ab 1970 als ordentlicher Professor innehatte. Im Sommer lebte er in Motovun auf Istrien, im Winter in Münster.

Sein Großvater Štefan war Schulverwalter in Opicina (Opčinah) bei Triest, wo sein Vater Karel als Rechtsanwalt tätig war. Seine Mutter war Felicita Stamberger, geboren in Polen. Jadran besuchte das Gymnasium in Rijeka und in Cividale (1930–1939). An der Pariser Sorbonne studierte er Geschichte in den Jahren 1930 bis 1939, dann erneut in den Nachkriegsjahren 1946 bis 1947. Aufgrund seiner antifaschistischen Aktivitäten wurde er 1940 in Rijeka inhaftiert und anschließend in Süditalien interniert.

Sein Studium schloss er 1949 in Belgrad im Fachbereich Geschichte ab. Promoviert wurde er 1956 mit einer Dissertation zur byzantinischen Verwaltung in Dalmatien (Vizantiska uprava u Dalmaciji). Zunächst arbeitete er als Bibliothekar am Seminar für Byzantinistik der Philosophischen Fakultät in Belgrad (1949–1950 und 1952–1957); dann als Dozent von 1957 bis 1962. 1962 erhielt er eine außerordentliche Professor, 1968 eine ordentliche.

1968 bis 1970 war er „Visiting Professor“ an der Philosophischen Fakultät der Universität Münster am Seminar für Byzantinistik. Er wurde 1970 an dieses Seminar berufen, dessen Direktor er zudem von 1970 bis 1985 war. 1985 wurde er emeritiert.

Jadran Ferluga war Mitherausgeber des (vorzeitig abgebrochenen) Glossars zur frühmittelalterlichen Geschichte im östlichen Europa. Er leitete die Herausgabe der griechischen Serie (B), die ab 1974 erschien und bis Bd. 3, Liefg. 1–2, 1988, gedieh. Ebenso war er Mitherausgeber der fünf Beihefte des Glossars. Ferluga war korrespondierendes Mitglied der Deputazione di Storia Patria per le Venezie und in der Società dalmata di storia patria.

Seine Forschungsschwerpunkte waren die Geschichte des Balkans vom 5. bis zum 13. Jahrhundert, darin die byzantinischen Quellen, Verwaltung und Wirtschaft, dann die früheste slawische Besiedlung, die ersten slawischen Staaten, wobei er seine Interessen auf den Adriaraum und damit auch auf Italien ausdehnte. Sein Werkverzeichnis umfasst mehr als 90 Arbeiten.

Schriften (Auswahl)

Literatur

Anmerkungen

  1. ↑ Martin Jevnikar: Ferluga Jadran, in: Primorski slovenski biografski leksikon.
Personendaten
NAME Ferluga, Jadran
KURZBESCHREIBUNG slowenischer Byzantinist
GEBURTSDATUM 13. Februar 1920
GEBURTSORT Triest
STERBEDATUM 27. Januar 2004
STERBEORT Piran