Jakowlew Jak-40

Jakowlew Jak-40
Jak-40 der polnischen Luftwaffe beim Anflug auf die Luftwaffenbasis in Geilenkirchen
TypKurzstreckenverkehrsflugzeug
Entwurfsland

Sowjetunion 1955 Sowjetunion

Hersteller OKB Jakowlew
Erstflug 21. Oktober 1966
Indienststellung September 1968
Produktionszeit

1967 bis 1981

Stückzahl 1011

Die Jakowlew Jak-40 (russisch Яковлев Як-40, NATO-Codename Codling) ist ein dreistrahliges Kurzstreckenverkehrsflugzeug aus sowjetischer Produktion. Sie wurde Anfang der 1960er-Jahre entworfen, um die Zubringerdienste insbesondere von der Iljuschin Il-14 zu übernehmen. Sie kann eine zwei- bis dreiköpfige Besatzung und bis zu 32 Passagiere transportieren.

Um von unbefestigten Flugplätzen wie etwa Graslandeplätzen und Behelfspisten aus starten zu können, erhielt der neue Typ niedrig belastete Tragflächen und zur Sicherheit drei statt nur zwei Triebwerke.

Die ausfahrbare Fluggasttreppe im Heck und das bordeigene Hilfstriebwerk zur Klimatisierung der Kabine und zum Anlassen der drei Triebwerke machen die Jak-40 unabhängig von Bodengeräten an Flugplätzen.

Geschichte

Jak-40 auf dem kirgisischen Flughafen Osch (Aufnahme von 1974)

Etwa ein Jahr nach Beginn der Entwicklung fand am 21. Oktober 1966 durch Arseni Kolossow der Erstflug des ersten der insgesamt fünf Prototypen statt. Die erste öffentliche Präsentation fand am 8. Juli 1967 in Domodedowo statt. Am 30. September 1968 wurde die Jak-40 in den Liniendienst der Aeroflot eingeführt.

Die Jak-40 wurde zu einem der meistgebauten Passagierflugzeuge der Sowjetunion. Sie wurde vielfach exportiert, es gelangen sogar Verkäufe in den Westen. Der größte „West-Kunde“ war die deutsche General Air. Drei weitere wurden an die italienische Aertirrena vermietet.

Bis zum Auslaufen der Produktion im Jahre 1976 wurden über 1000 Jak-40 gebaut. Sie wird noch bei einigen mittelasiatischen Fluggesellschaften der ehemaligen Sowjetunion sowie bei einigen Luftwaffen des ehemaligen Ostblocks eingesetzt.

Obwohl die Produktion schon ausgelaufen ist, bietet Jakowlew zusammen mit Skorost die Umrüstung zur Jak-40TL an. Dabei werden die drei Iwtschenko-Triebwerke durch zwei Mantelstromtriebwerke vom Hersteller Textron-Lycoming (LF 507-1N je 31,14 kN Schub) ersetzt, die eine höhere Reisefluggeschwindigkeit zulassen und zudem ein besseres Leistungsvermögen sowie deutlich niedrigere Betriebskosten aufweisen.

Konstruktion

Die Jak-40 ist ein freitragender Tiefdecker mit einziehbarem Fahrwerk in Ganzmetall-Halbschalenbauweise. Sie besteht mit Ausnahme zweier aus Stahl gefertigter Baueinheiten zum größten Teil aus Duraluminium. Die Passagierkabine befindet sich im ausgeführten Rumpfmittelteil mit zylindrischem Querschnitt und ist über eine einklappbare Treppe im Heck zugänglich. Die frühe Ausführung bietet Platz für 24 Fluggäste auf acht Dreierstuhlreihen mit Einzelsitzen auf der linken und Doppelsitzen auf der rechten Seite. In der Touristenklasse kann die Sitzanzahl auf maximal 31 erhöht werden. Für den Transport von Fracht sind die Stuhlreihen an die Bordseiten klappbar gestaltet, so dass der freigewordene Raum Platz für 2500 kg Ladung bietet. Links und rechts vor den Triebwerken befinden sich zwei Notausstiege, durch die die Fluggäste im Ernstfall über die Tragflächen evakuiert werden können. Der Einstieg für die Besatzung befindet sich auf der Backbordseite der Führerkabine, die mit einem Doppelsteuer ausgerüstet ist. Die drei Triebwerke sind im Heck angeordnet und gewährleisten durch ihren großen Bodenabstand auch den Betrieb von unbefestigten Pisten, da dadurch das Risiko des Einsaugens von auf der Startbahn liegenden Fremdkörpern minimiert wird. Die Jak-40 verfügt über eine zusätzliche Gasturbine AI-9 im Heck, mit der die Triebwerke unabhängig von üblicherweise dafür benötigten Bodenfahrzeugen angelassen werden können, was dem Betrieb auf weniger gut ausgestatteten Inlandflugplätzen in den Zeiten der Sowjetunion entgegenkam. Hinter dem mittleren Triebwerk befindet sich das T-Leitwerk.

Die ungepfeilten Tragflächen der Jak-40 bestehen aus dem Hauptholm, dem Nasenkasten sowie Rippen und Gurten, die mit einer Beplankung unterschiedlicher Dicke verkleidet sind. Die beiden Flügelkästen zwischen den Querrudern dienen als Kraftstoffbehälter, die zusammen 3800 l fassen. Das Bugradfahrwerk ist für den Einsatz auf unbefestigten Plätzen mit einem langen Federweg versehen. Es besteht aus den beiden einzelnen Haupträdern mit den Maßen 1120 × 450 mm und dem Bugrad mit 720 × 310 mm. Der geringe Reifendruck von 3,5 bis 4 kp/cm² dient ebenfalls der Nutzung unbefestigter Bahnen.

Zwischenfälle

Dreiseitenriss
Cockpit

Die genauen Unfallzahlen sowjetischer Flugzeugtypen sind im Vergleich zu westlichen Typen schwer zu ermitteln. Es sind keine gesicherten Informationen über Unfälle vor der Wendezeit vorhanden. Ein unvollständiger Vergleich ist jedoch über die Webseiten des Aviation Safety Network möglich. Demnach kam es vom Erstflug 1966 bis November 2025 mit Jakowlew Jak-40 zu 92 Totalschäden. Bei 50 davon kamen insgesamt 870 Menschen ums Leben. Auszüge:

Eine mit der im August 1993 verunglückten baugleiche Jak-40 der Tajikistan Airlines

Technische Daten

Jak-40 der General Air im Jahr 1973
Länder, in denen die Jak-40 genutzt wird (blau nur zivil)
KenngrößeDaten
Baujahre1966–1981
TypKurzstreckenverkehrsflugzeug
Besatzung1 × Pilot
1 × Flugingenieur
Passagiere24–31
Länge20,19 m
Spannweite25,00 m
Höhe6,38 m
Flügelfläche70 m²
Flügelstreckung8,9
Höhe6,50 m
Leermasse9.400 kg
max. Startmasse17.200 kg
Reisegeschwindigkeit510 km/h in 6.000 m Höhe
Reichweitemit max. Nutzlast 1.450 km
Dienstgipfelhöhe6.000 m
Triebwerkedrei Mantelstromtriebwerke Iwtschenko AI-25
Leistungje 14,7 kN
Startrollstrecke340 m
Landerollstrecke360 m

Siehe auch

Commons: Jakowlew Jak-40 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Manfred Jurleit: Jakowlew Jak-40. In Fliegerrevue 3/1993. S. 43
  2. ↑ Karl-Heinz Eyermann, Wolfgang Sellenthin: Die Luftparaden der UdSSR. Zentralvorstand der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, 1967. S. 40
  3. 1 2 Helmut Kreuzer: JETTLINER, VON DER COMET ZUM AIRBUS A 321, Air Gallery Verlag, Ratingen (1991) ISBN 3-9802101-4-6
  4. ↑ Achim Figgen u. a.: Verkehrsflugzeuge, Bechtermünz Verlag, Augsburg (2000) ISBN 3-8289-5351-4
  5. 1 2 3 4 5 6 E. G. Adler: Das Kurzstrecken-Verkehrsflugzeug Jak-40. In: Aerosport, Nr. 1/1968. Deutscher Militärverlag, Berlin, S. 57–61.
  6. ↑ Liste von Unfällen mit Yakovlev Yak-40, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 23. Dezember 2025.
  7. ↑ Unfallbericht Jak-40 CCCP-87602, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 24. Januar 2022.
  8. ↑ Катастрофа Як-40 Казахского УГА близ аэропорта Семипалатинска (борт CCCP-87602), 28 февраля 1973 года. In: www.airdisaster.ru. Abgerufen am 9. September 2020 (russisch).
  9. ↑ Unfallbericht Jak-40FG D-BOBD, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 20. Dezember 2016.
  10. ↑ Flugunfalldaten und -bericht Jak-40 YK-AQC im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 28. Mai 2021.
  11. ↑ Unfallbericht Jak-40 CCCP-87772, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 16. März 2020.
  12. ↑ Unfallbericht AN-24 CCCP-46518, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 16. März 2020.
  13. ↑ Flugunfalldaten und -bericht Yak-40 CCCP-87738 im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 22. Juni 2023.
  14. ↑ Flugunfalldaten und -bericht Jak-40 D2-TYC im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 12. März 2021.
  15. ↑ Flugunfalldaten und -bericht Jak-40 CCCP-87928 im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 17. Februar 2024.
  16. ↑ Flugunfalldaten und -bericht Jak-40 СССР-87618 im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 2. Mai 2022.
  17. ↑ Unfallbericht Jak-40 CCCP-87453, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 1. April 2020.
  18. ↑ Unfallbericht Jak-40 CCCP-87526, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 25. Januar 2025.
  19. ↑ Unfallbericht Jak-40 VN-A449, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 3. April 2020.
  20. ↑ Unfallbericht Jak-40 EY-87995, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 25. Januar 2025.
  21. ↑ Unfallbericht Jak-40 YA-KAE, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 2. April 2020.
  22. ↑ Flugunfalldaten und -bericht Jak-40 TL-ACO im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 13. März 2021.
  23. ↑ Unfallbericht Jak-40 RA-87847, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 25. Januar 2025.
  24. ↑ Unfallbericht. In: asn.flightsafety.org. Aviation Safety Network, abgerufen am 9. Oktober 2025 (englisch).
  25. ↑ Unfallbericht Jak-40 RP-C2803, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 20. Dezember 2016.
  26. ↑ Tauchvideo aus Boracay auf dem der Flugzeugtyp gut zu erkennen ist
  27. 1 2 Flugzeughandbuch Jak-40, Verlag Luftverkehr, Moskau (1995)