James G. Blaine

James G. Blaine, um 1875
Blaines Unterschrift
Blaines Unterschrift
James Gillespie Blaine

James Gillespie Blaine (* 31. Januar 1830 in West Brownsville, Washington County, Pennsylvania; † 27. Januar 1893 in Washington, D.C.) war ein US-amerikanischer Politiker (Republikanische Partei), der 1881 für einige Monate Außenminister war und als Kandidat seiner Partei bei der Präsidentschaftswahl 1884 Grover Cleveland unterlag. Von 1889 bis 1892 war er nochmals Außenminister.

Leben

James G. Blaine war der Sohn Ephraim Blaines, eines reichen Grundbesitzers schottisch-irischer Abstammung, und dessen Frau Maria Gillespie. Sein Urgroßvater war Colonel Ephraim Blaine, der im Unabhängigkeitskrieg eine wichtige Rolle spielte.

Er machte seinen Schulabschluss 1847 auf dem Washington College in Pennsylvania und nahm eine Lehrstelle am Western Military Institute in Georgetown an. 1850 heiratete er Harriet Stanwood, mit der er später sechs Kinder hatte. Im Jahr darauf wechselte er zum Pennsylvania Institute for the Education of the Blind in Philadelphia. 1854 zog er nach Augusta in Maine, wo er als Redakteur bei der Zeitung Kennebec Journal eine Stelle fand. Als Journalist engagierte er sich für die neu gegründete Republikanische Partei, die schon bald größere Erfolge zu verbuchen hatte.

Von 1859 bis 1862 war er Abgeordneter im Repräsentantenhaus von Maine. Außerdem wurde er Vorstandsmitglied der Republikaner in diesem Bundesstaat. 1862 wurde er in das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten gewählt, wo er als geschickter Redner auffiel und von 1869 bis 1875 als dessen Vorsitzenden (Speaker) diente. 1876 bis 1881 diente er als Nachfolger von Lot M. Morrill, der von Präsident Ulysses S. Grant zum Finanzminister ernannt worden war, im Senat der Vereinigten Staaten. Blaine galt seinen Zeitgenossen als überaus charismatischer Politiker, der geschickt im Umgang mit den Medien war. Besonders Whitelaw Reid und seine New York Tribune standen an seiner Seite. Gegen Ende der 1870er Jahre zählte er zu den führenden Köpfe der Republikaner.

1876 versuchte er das erste Mal auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner sein Glück, unterlag jedoch knapp Rutherford B. Hayes, der schließlich auch die Präsidentschaftswahl im selben Jahr für sich entscheiden konnte. Einer der Gründe für Blaines Niederlage waren Korruptionsvorwürfe rund um die sogenannten „Mulligan-Briefe“, die ihn angeblich in Machenschaften mit der Little Rock & Fort Smith Railroad verwickelten. Auch vier Jahre später, 1880, trat er für die Nominierung an, diesmal als der Kandidat der Half-Breeds, einer der damaligen Flügel der Republikanischen Partei. Weder er noch Ulysses S. Grant, Kandidat der Stalwarts rund um Blaines Erzrivalen Roscoe Conkling, der anderen innerparteilichen Fraktion, konnten eine Mehrheit für sich gewinnen. Nach mehr als 30 Wahlrunden schlug Blaine zusammen mit John Sherman, einem weiteren Kandidaten, seine Stimmen James A. Garfield zu, um erfolgreich einen möglichen Sieg Grants zu verhindern.

Garfield, der auch die Präsidentschaftswahl 1880 gewann, berief ihn am 4. März 1881 als Außenminister in sein Kabinett. Als Außenminister arbeitete er daran, den Einfluss der USA in den übrigen Staaten des amerikanischen Kontinents zu erweitern und zu vergrößern. Doch war seine Einmischung im Salpeterkrieg zwischen Chile, Peru und Bolivien nicht erfolgreich, und Blaine trat daher unter dem neuen Präsidenten Chester A. Arthur im Dezember 1881 zurück. Er gilt als Hauptinitiant der vom 2. Oktober 1889 bis 19. April 1890 nachträglich so benannten ersten Panamerikanischen Konferenz in Washington. Interessiert war er vor allem an einem Kanal durch Mittelamerika.

Nach einer kurzen politischen Auszeit, in der er seine Memoiren verfasste, wurde Blaine auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner in Chicago 1880 an Stelle des amtierenden Präsidenten Chester A. Arthur zu ihrem Kandidaten gewählt. Es folgte ein heftig und aggressiv geführter Wahlkampf, bei dem Blaine jedoch bestimmte Fehler machte. Vor allem der Ausspruch eines prominenten Wahlkampfmitarbeiters, die Demokraten seien die Partei von „Rum, Romanismus und Rebellion“ schadete Blaines Ruf bei den irisch-katholischen Wählern im wichtigen Bundesstaat New York. Da half auch sein Bonmot Down with British Free Trade and Up with the Irish Flag nichts. Eine Spendengala von Blaine mit 200 der wohlhabendsten Männer der Nation wurde ebenfalls scharf kritisiert. Außerdem bekannte sich die republikanische Fraktion der Mugwumps, angeführt vom Deutschamerikaner Carl Schurz, öffentlich zum demokratischen Kandidaten Grover Cleveland. Diese meinten, dass Blaine die moralische Standhaftigkeit fehlte, die man von einem amerikanischen Präsidenten eigentlich zu erwarten hatte. Cleveland konnte die Wahl knapp mit 48,9 % zu 48,3 % in der Popular Vote und 219 der 401 Wahlmänner für sich entscheiden. Im entscheidenden Staat New York trennte die beiden Kandidaten nur etwas mehr als Tausend Stimmen.

Während der ersten Amtszeit Clevelands galt er als inoffizieller Oppositionsführer, weigerte sich jedoch, auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner 1892 erneut anzutreten. Stattdessen unterstützte er den Senator Benjamin Harrison, der sowohl auf dem Parteitag als auch in der eigentlichen Wahl den Sieg davontragen konnte. Im Gegenzug ernannte Harrison Blaine zu seinem Außenminister. Dieses Amt führte er von 1889 bis 1892 aus. In dieser Zeit lenkte er die US-amerikanische Außenpolitik weiter in eine imperialistische Richtung, mit dem Ziel, den Einfluss der Vereinigten Staaten in Lateinamerika, der Karibik und dem Pazifik zu erweitern und die Kontrolle über einen Kanal durch Mittelamerika zu gewinnen. Eine der Gründe dafür war die Suche nach neuen Absatzmärkten für die Güter amerikanischer Firmen.

Blaines schwache Gesundheit hinderte ihn bei der Ausführung seines Amtes, so bereits während der Berliner Samoa-Konferenz 1889. Die plötzlichen Tode seines Sohnes Walker und seiner Tochter Alice 1890 trugen zu einem Nervenzusammenbruch bei. Dennoch versuchten einige Parteibosse wie Thomas C. Platt und Matthew Quay, ihn gegen Präsident Harrison auf dem Nominierungsparteitag 1892 auszuspielen. Blaine lehnte diese Intrigen ab und trat im Juni 1892 sichtlich geschwächt von seinem Amt zurück. Er und William McKinley erhielten beide je 182 Stimmen, während Harrison eindeutig als Kandidat der Republikaner bestätigt wurde.

Der Tod seines Sohnes Emmons kurz nach dem Parteitag 1892 schwächte ihn weiter. Er verstarb nach einer kurzen Krankheit im Januar 1893.

Ehrungen

Nach James G. Blaine wurden folgende Orte in den USA benannt: Blaine County (Idaho), Blaine County (Montana), Blaine County (Oklahoma) und Blaine County (Nebraska) sowie die Stadt Blaine im Bundesstaat Washington und Blaine in Maine.

Literatur

Commons: James G. Blaine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Giancarlo Summa: Jenseits der Monroe-Doktrin – Die panamerikanischen Wurzeln des Multilateralismus. Übersetzt von Heike Maillard. In: Dorothee D’Aprile (Hrsg.): Le Monde diplomatique. Nr. 10/31. TAZ/WOZ, 9. Oktober 2025, ISSN 1434-2561, S. 11 (monde-diplomatique.de).
  2. ↑ Kerwin Swint: Mudslingers. The twenty-five dirtiest political campaigns of all time. Union Square Press, New York NY u. a. 2006, ISBN 1-4027-5736-0, S. 210.
  3. ↑ Poultney Bigelow in einem Leserbrief an die Londoner Times vom 13. September 1887, S. 3.
Personendaten
NAME Blaine, James G.
ALTERNATIVNAMEN Blaine, James Gillespie (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Politiker
GEBURTSDATUM 31. Januar 1830
GEBURTSORT West Brownsville, Pennsylvania
STERBEDATUM 27. Januar 1893
STERBEORT Washington, D.C.