James Stagg

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James Martin Stagg (* 30. Juni 1900 in Musselburgh, Schottland; † 23. Juni 1975 in Seaford, East Sussex) war ein britischer Meteorologe und Offizier der Royal Air Force Volunteer Reserve. Internationale Bekanntheit erlangte er durch seine Tätigkeit als leitender Meteorologe des alliierten Oberkommandos während des Zweiten Weltkriegs. Insbesondere seine Wetterprognosen im Vorfeld der alliierten Landung in der Normandie (Operation Overlord) im Juni 1944 hatten maßgeblichen Einfluss auf die Entscheidung, den Beginn der Invasion vom 5. auf den 6. Juni 1944 zu verschieben.

Leben und Ausbildung

James Martin Stagg wurde am 30. Juni 1900 in Musselburgh in der schottischen Grafschaft East Lothian geboren. Er wuchs in Dalkeith bei Edinburgh auf und besuchte dort die Dalkeith High School. Seine schulische Ausbildung setzte er anschließend in Edinburgh fort.

1921 schloss er sein Studium an der University of Edinburgh mit einem Master of Arts ab. Anschließend arbeitete er als Lehrer für Naturwissenschaften an der George Heriot's School in Edinburgh.

Meteorologische Laufbahn

1924 trat Stagg als Assistent in den britischen staatlichen Wetterdienst, das Meteorological Office (heute Met Office), ein. Im Winter 1932/1933 leitete er eine britische Polarexpedition in die kanadische Arktis. Die Expedition diente insbesondere meteorologischen und geophysikalischen Untersuchungen.

1936 promovierte er an der University of Edinburgh zum Doctor of Science. Seine wissenschaftlichen Arbeiten befassten sich unter anderem mit dem Erdmagnetismus und den Polarlichtern.

1939 wurde er zum Leiter des Kew Observatory in London ernannt. Aufgrund seiner fachlichen Erfahrung und seiner Kenntnisse in der Wettervorhersage übernahm er während des Zweiten Weltkriegs zunehmend verantwortungsvolle Aufgaben im militärischen Wetterdienst.

Zweiter Weltkrieg und Operation Overlord

1943 wurde Stagg zum leitenden Meteorologen des alliierten Oberkommandos Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force (SHAEF) ernannt. In dieser Funktion war er für die Koordination der meteorologischen Vorhersagen verantwortlich, die den alliierten Streitkräften bei der Planung militärischer Operationen in Westeuropa dienten.

Er arbeitete mit verschiedenen Wetterdienststellen der britischen Royal Navy, des britischen Meteorological Office und der US-amerikanischen Luftstreitkräfte zusammen. Seine besondere Aufgabe bestand darin, die teilweise voneinander abweichenden Einschätzungen der beteiligten Meteorologenteams zusammenzuführen und dem Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte, General Dwight D. Eisenhower, eine einheitliche Prognose vorzulegen.

Die Wettervorhersage für den D-Day

Eine seiner bedeutendsten Aufgaben war die meteorologische Einschätzung der Wetterbedingungen für die geplante Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944.

Die Invasion war unter dem Decknamen Operation Overlord vorbereitet worden. Für ihren Erfolg waren neben militärischen Faktoren auch bestimmte Wetterbedingungen entscheidend. Insbesondere mussten Wind, Seegang, Sichtverhältnisse und Gezeiten für die Landungsoperation geeignet sein. Auch die Mondphase spielte wegen der Beleuchtung für die Fallschirm- und Luftlandetruppen eine wichtige Rolle.

Ursprünglich war der 5. Juni 1944 als Angriffstag vorgesehen. Anfang Juni näherte sich jedoch ein ausgeprägtes Tiefdruckgebiet mit einer Schlechtwetterfront dem Ärmelkanal. Stagg und sein Team sagten für den 5. Juni stürmische Bedingungen voraus, die eine Landung erheblich gefährdet hätten.

Am Abend des 4. Juni 1944 präsentierte Stagg General Eisenhower und den anderen alliierten Befehlshabern seine Einschätzung. Trotz unterschiedlicher Prognosen der beteiligten Wetterdienststellen ging er davon aus, dass sich am 6. Juni ein kurzes Zeitfenster mit ausreichend günstigen Wetterbedingungen ergeben würde.

Eisenhower entschied daraufhin, die Invasion um 24 Stunden zu verschieben. Am Morgen des 6. Juni 1944 begann schließlich die Landung der alliierten Streitkräfte an der Küste der Normandie.

Die Vorhersage erwies sich als entscheidend: Zwar herrschten auch am 6. Juni keine idealen Wetterbedingungen, sie ermöglichten jedoch die Durchführung der amphibischen Landung. In der zweiten Junihälfte verschlechterte sich das Wetter erneut erheblich. Ein schwerer Sturm zwischen dem 19. und 22. Juni hätte die Landungsoperationen massiv beeinträchtigt.

Die Wetterprognosen von Stagg und seinem Team gelten daher als eine der bedeutendsten meteorologischen Leistungen des Zweiten Weltkriegs. Die Arbeit der alliierten Meteorologen profitierte dabei auch von einem umfangreicheren Netz meteorologischer Beobachtungen über dem Nordatlantik.

Für seine Verdienste während der Operation Overlord wurde Stagg im Oktober 1945 mit der US-amerikanischen Legion of Merit ausgezeichnet.

Nachkriegszeit und Ehrungen

Nach dem Krieg kehrte Stagg zum Meteorological Office zurück. Dort war er bis 1960 als Director of Services tätig.

1951 wurde er zum Fellow der Royal Society of Edinburgh gewählt. 1954 erhielt er die britische Auszeichnung Companion of the Order of the Bath (CB). Von 1959 bis 1961 war er Präsident der Royal Meteorological Society.

1971 veröffentlichte er unter dem Titel Forecast for Overlord seine Erinnerungen und seine Darstellung der meteorologischen Arbeit im Vorfeld der alliierten Landung in der Normandie.

Stagg starb am 23. Juni 1975 im Alter von 74 Jahren in Seaford in der englischen Grafschaft East Sussex. Er wurde auf dem Friedhof von Dalkeith beigesetzt.

Am 6. Juni 2019, dem 75. Jahrestag der Landung in der Normandie, wurde ihm zu Ehren in Dalkeith eine Gedenktafel enthüllt. Sie befindet sich am Dalkeith Library and Arts Centre. Eine weitere kleinere Gedenktafel erinnert an seinem ehemaligen Wohnhaus an ihn.

Rezeption

James Staggs Rolle bei der Vorbereitung des D-Day wurde in verschiedenen Filmen und Theaterproduktionen dargestellt.

Im Spielfilm Der längste Tag (1962) wurde er von Patrick Barr verkörpert. Weitere Darstellungen folgten in dem Fernsehfilm Ike: Countdown to D-Day (2004), im Film Churchill (2017) und in dem Theaterstück Pressure von David Haig aus dem Jahr 2014.

2026 erschien der Spielfilm Pressure, in dem Andrew Scott die Rolle von James Stagg übernahm. Der Film beschäftigt sich mit den schwierigen meteorologischen Entscheidungen im Vorfeld der alliierten Landung.

Veröffentlichungen

Literatur

Commons: James Stagg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien