Jan Albert de Grave

Jan Albert de Grave (geboren um 1666 möglicherweise in Celle; beerdigt am 29. Juli 1729 in Amsterdam) war ein niederländischer Büchsen-, Kanonen- und Glockengießer.

Leben

De Grave war vermutlich der Sohn eines Albert de Grave und wurde zunächst Büchsengießer, der von Celle aus nach Amsterdam kam. Er wurde zunächst durch den Guss zahlreicher Artilleriegeschütze bekannt. Seine Büchsengießerei befand sich in der Palmstraat in Amsterdam. Spätestens seit dem Jahr 1700 war er als Bürger von Amsterdam gemeldet. Mit seiner Vermählung im Jahr 1699 wurde er Besitzer einer Glockengießerei, die bis dahin von dem Vorarbeiter Nicolas Van Noorden oder Claas Noorden (1633–1716) geleitet worden war, der seit 1662 in der Gießerei arbeitete. Die Witwe des Inhabers Fremy mietete im Januar 1699 für sechs Jahre eine Werkstatt mit drei Öfen und ein Wohnhaus an der Lijnbaansgracht in Amsterdam. Sie hatte zur Fortführung der Geschäfte am 27. Februar 1699 bei einem Notar einen Kooperationsvertrag mit Noorden aufgesetzt, in dem die Führung des Unternehmens, die Interessen der Erwachsenen und Kindern und die Nutzung des Gebäudes festgeschrieben wurden. Während der Laufzeit des Vertrages durfte Noorden weder eine andere Partnerschaft eingehen noch ein eigenes Unternehmen gründen und musste sich dem neuen Ehemann der Vertragspartnerin unterordnen. Durch den Tod seiner Ehefrau wurde de Grave nun Eigentümer des Unternehmens und er schloss einen neuen Vertrag mit Noorden. In den Jahren 1705 bis 1715 stellten sie gemeinsam sechs Glockenspiele und 37 Schwingglocken her. Der Amsterdamer Organist Sybrand van Noord (1659–1705) beaufsichtigte im Jahr 1704 den Guss und das Stimmen der drei Glockenspiele, die Zar Peter der Große für die Tore des Moskauer Kremls bestellt hatte. Der Turm der St.-Nikolaus-Kirche in Brüssel, in den 1714 ein Glockenspiel eingebaut worden war, soll noch im selben Jahr unter dem Gewicht der 13 Glocken eingestürzt sein.

Nach dem Tod seines Partners Noorden fertigte er von 1716 bis 1729 rund 56 Glockenspiele und vier Carillons, zu denen auch jene in die aus Potsdam, Berlin und Hattem gehörten. Nach seinem Tod 1729 führte seine Witwe das Geschäft unter seinem Namen noch bis 1734 fort und heiratete 1732 den Glockengießer Pieter Oudeborn. De Grave stellte auch Gegenstände für Apotheken her.

Es sind zahlreiche Glockeninschriften aus dem 18. Jahrhundert überliefert, so unter anderem in den Jahren 1704 bis 1727 für Glocken in der Provinz Friesland. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele der Glocken durch die Deutschen Besatzer beschlagnahmt.

Familie

De Grave war dreimal verheiratet:

Werke (Auswahl)

Glockenspiel (Garnisonkirche Potsdam)

Zusammen mit Claes Noorden

Von de Grave

Nach seinem Tod gefertigt

Andere Gegenstände

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ De Grave, Jan-Albert. In: Dictionnaire des fondeurs de cloches en Belgique (französisch, tchorski.fr).
  2. ↑ Dik Nas: Jan Albert de Grave. In: Zoet gelui en bars gebulder – Encyclopedie van klokken- en geschutgieterijen in Nederland. 17. März 2023, S. 48–49 (niederländisch, vrijeuitgeverij.nl PDF).
  3. ↑ Klokken uit de achttiende eeuw. In: De Vrije Fries. Leeuwarden : G.T.N. Suringar, 1837, S. 259–277 (Textarchiv – Internet Archive).
  4. ↑ Abraham Bredius, Ernst Wilhelm Moes (Hrsg.): Oud Holland. 16. Jahrgang. Netherlands Institute for Art History, Den Haag 1898, S. 103 (Textarchiv – Internet Archive – Anmerkung 1) Pieter Hemony …).
  5. ↑ Sneek – Snits – Carillon van de Grote- of Martinikerk (niederländisch, carillontorens.com).
  6. ↑ William Gorham Rice: Middelburg, Zeeland. In: Carillons of Belgium and Holland : tower music in the low countries. John Lane Co., New York 1914, S. 189 (englisch, Textarchiv – Internet Archive).
  7. ↑ Laura J. Meilink-Hoedemaker: Een driegelui van Jan Albert de Grave voor de Oude Kerk in Delft – 1719. 8 Seiten (niederländisch, laurameilink.nl PDF).
  8. ↑ Das Glockenspiel der Potsdamer Garnisonkirche. In: Illustrierte Weltschau : Beilage zur Deutschen Rundschau in Polen. Nr. 15, 16. April 1933 (Textarchiv – Internet Archive).
  9. ↑ Die Paulskapelle oder Kleine Kirche. In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. T. Schulzes Buchhandlung, Hannover 1902, S. 168–175 (Textarchiv – Internet Archive).
  10. ↑ New York’s Liberty Bell nyhistory.org (englisch).
  11. ↑ A Dutch bronze mortat, Jan Albert de Grave, circa 1729 2010 (christies.com).