Jan Tünnermann

Jan Tünnermann (* 1984 in Lemgo) ist ein deutscher Psychologe.

Seit 2025 ist er Professor für Allgemeine Psychologie und Kognitive Neurowissenschaften an der Charlotte Fresenius Hochschule am Standort Köln. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich selektiver visueller Aufmerksamkeit, vor allem in handlungsorientierten Aufgaben, der Modellierung von Aufmerksamkeitsprozessen in hierarchischen Bayes-Modellen (Bayes-Statistik) und motorischen Einflüssen auf die visuelle Suche mit Deep-Learning-basiertem Erfassen von Bewegungen (Motion-Tracking).

Leben und Werk

Jan Tünnermann studierte an der Universität Paderborn Informatik mit dem Nebenfach Psychologie. Nach dem Masterabschluss promovierte 2016 er in Paderborn in der Psychologie bei Ingrid Scharlau mit einer Arbeit, in der die Theory of Visual Attention erstmals auf das Aufmerksamkeitsphänomen Prior Entry angewandt und mit dem zeitlichen Reihenfolgeurteil gemessen wurde. Als Prior Entry bezeichnet man die schnellere Wahrnehmung eines beachteten Reizes. Für die Dissertation wurde er mit dem ersten Preis im Dissertationswettbewerb der Fachgruppe Allgemeine Psychologie in der Deutschen Gesellschaft für Psychologie ausgezeichnet, zudem auch mit dem Ferdinand Schöningh Promotionspreis für die beste Dissertation der Fakultät für Kulturwissenschaften an der Universität Paderborn.

Als Postdoktorand arbeitete er zunächst weiter in der Kognitionspsychologie in Paderborn. Im Jahr 2018 wechselte er 2018 an die Universität Marburg in die Kognitive Psychophysiologie, wo er sich dem Phänomen des visuellen Foraging zuwandte, der kontinuierlichen visuellen Suche. Zum Wintersemester 2025/26 wurde er an die Charlotte Fresenius Hochschule berufen.

Jan Tünnermanns Hauptinteresse bezieht sich auf künstliche und biologische kognitive Systeme, die er mithilfe experimentalpsychologischer und computationaler Methoden untersucht. Er arbeitet insbesondere mit der Theory of Visual Attention, deren mathematische Modellierung er nutzt, um die Prozesse und Folgen von visueller Aufmerksamkeit zu verstehen, etwa beim visuellen Foraging, im zeitlichen Reihenfolgeurteil und bei der Identifikation visueller Reize. Zudem modelliert er Aufmerksamkeit mit Methoden der digitalen Bildverarbeitung für künstliche kognitive Systeme bzw. die Robotik.

Jan Tünnermann beschäftigt sich außerdem mit der Präparierung und Photogrammetrie von Fossilien.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. ↑ Jan Tünnermann: On the origin of visual temporal-order perception by means of attentional selection. Paderborn 2016, urn:nbn:de:hbz:466:2-26486 (englisch).
  2. ↑ Prior Entry. In: Dorsch: Lexikon der Psychologie. Hogrefe, abgerufen am 21. Oktober 2025.
  3. ↑ 10. Dissertationwettbewerb 2017. In: Deutsche Gesellschaft für Psychologie. 29. September 2021, abgerufen am 1. Oktober 2025.
  4. ↑ J. M. Wolfe: When is it time to move to the next raspberry bush? Foraging rules in human visual search. In: Journal of Vision. Band 13, Nr. 3, 1. Januar 2013, ISSN 1534-7362, S. 10–10, doi:10.1167/13.3.10, PMID 23641077, PMC 4521330 (freier Volltext) – (arvojournals.org [abgerufen am 27. Oktober 2025]).
  5. ↑ Jan Tünnermann. Orcid, abgerufen am 21. Oktober 2025 (englisch).
  6. ↑ Jan Tünnermann. Abgerufen am 21. Oktober 2025.
  7. ↑ Jan Tünnermann, Bärbel Mertsching: Region-Based Artificial Visual Attention in Space and Time. In: Cognitive Computation. Band 6, Nr. 1, 1. März 2014, ISSN 1866-9964, S. 125–143, doi:10.1007/s12559-013-9220-5 (englisch).
  8. ↑ Vom Stein zum 3D-Modell: Photogrammetrie Tutorial 1 – Erfassung einer kleinen Stufe mit Photoscan. Steinkern.de, 16. April 2017, abgerufen am 1. Oktober 2025.
Personendaten
NAME Tünnermann, Jan
KURZBESCHREIBUNG deutscher Psychologe
GEBURTSDATUM 1984
GEBURTSORT Lemgo