Jankel Adler wurde als siebtes von zehn Kindern in Tuszyn (nahe Lodz) geboren und wuchs in der Welt des chassidischen Judentums auf. 1912 begann er eine Lehre als Graveur bei seinem Onkel in Belgrad. Nach Reisen durch den Balkan siedelte er 1914 nach Deutschland über und wohnte zunächst bei seiner Schwester in Barmen. Dort studierte er an der Kunstgewerbeschule in der Malklasse bei Gustav Wiethüchter. Von 1918 bis 1919 ging er zurück nach Łódź. Dort war er Mitgründer der Avantgarde-Künstlergruppe Jung Jiddisch und stellte beim Stowarzyszenie Artystów i Zwolenników Sztuk Pięknych aus. 1920 hielt er sich für kurze Zeit in Berlin auf. Er hatte dort Kontakt mit vielen Künstlern, u.a. mit Marc Chagall. 1921 kehrte er nach Barmen zurück und war dort Mitglied der Künstlergruppe Die Wupper.
Jankel Adler bezog 1931 in der Düsseldorfer Akademie ein Atelier, das er 1933 wieder aufgab, als er auf Anraten von Freunden Deutschland verließ. Mit links stehenden Künstlern und Intellektuellen hatte Adler zuvor in Düsseldorf während des Wahlkampfes zur Reichstagswahl März 1933 im Februar einen „dringenden Appell“ gegen die Politik der Nationalsozialisten und für den Kommunismus veröffentlicht. Adlers politische Haltung konnte man eher als eine Art anarchistischen Kommunismus bezeichnen, dem nichts ferner lag als die Unterwerfung unter eine damals bereits die KPD beherrschende leninistische Parteidisziplin.
Seine mutmaßlich letzte Ausstellung dürfte 1933 im Künstlerhaus Hannover die 101. Große Frühjahrsausstellung des Kunstvereins Hannover gewesen sein. Adler flüchtete zunächst nach Paris und fasste sein Exil als einen bewussten Kampf gegen das faschistische Regime in Deutschland auf. Zahlreiche Reisen führten ihn in den nächsten Jahren nach Polen, Italien, Jugoslawien, in die Tschechoslowakei, nach Rumänien und in die Sowjetunion.
1939, mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, meldete er sich freiwillig zu den polnischen Streitkräften, die in Frankreich aufgestellt wurden, und gelangte mit diesen auf dem Rückzug nach Schottland. 1941 wurde er aus gesundheitlichen Gründen aus dem Wehrdienst entlassen. Er lebte anschließend in Kirkcudbright in Schottland. 1943 siedelte er nach London über.
Nach dem Krieg erfuhr er, dass keines seiner neun Geschwister den Holocaust überlebt hatte.
Jankel Adler war stark beeinflusst von Pablo Picasso und Fernand Léger. Sein Bildaufbau ist meist streng. Mit Farben und Materialien ging er experimentierfreudig um, er verwandte zum Beispiel Sandbeimischungen. Der Farbauftrag war oft pastös, die Bilderoberflächen bekamen so etwas Sgraffito-artiges. Die Themen seiner Bilder sind oft jüdischen Ursprungs. Er malte auch einige wenige abstrakte Kompositionen.
Selbstbildnis, um 1926, Mischtechnik auf Leinwand, Von der Heydt-Museum, Wuppertal.
Venus of Kirkcudbright (1943)
Zwei Mädchen / Mutter und Tochter, 1927, Öl auf Leinwand, 150 × 100 cm; 1929 für die Kunsthalle Mannheim angekauft, dort 1937 als „entartet“ beschlagnahmt, später verkauft, heute Privatbesitz.
Junger Arbeiter, 1929, Öl, 78 × 130 cm
Der Geigenspieler, 1928, Öl
Mandolinenspieler, 1929, Öl auf Leinwand, 166 × 121 cm, wurde 1931 von der Städtischen Kunstsammlung Düsseldorf unter dem Titel Musikanten angekauft und 1937 als „entartet“ nach München gesendet, Standort heute unbekannt.
2009/2010: Düsseldorf, Galerie Remmert und Barth („Jankel Adler im Exil. Arbeiten der Jahre 1933 bis 1949“)
2014: Uppingham, Rutland, Goldmark Gallery (“Jankel Adler. The British years”)
2018: Wuppertal, Von der Heydt-Museum („Jankel Adler und die Avantgarde. Chagall/Dix/Klee/Picasso“)
2022: Wuppertal, Von der Heydt-Museum („Arbeiten auf Papier. Mensch Motiv“)
Literatur
Paul Fierens: Jankel Adler. Nicholson and Watson, London, 1948
Anna Klapheck: Jankel Adler. Bongers, Recklinghausen, 1966 (Reihe Monographien zur rheinisch-westfälischen Kunst der Gegenwart)
Ursula Horn: Menschliche Würde bestimmte sein Schaffen. In: Bildende Kunst, Berlin, 3/1972, S. 135–137
Ulrich Krempel: Jankel Adler 1895–1949. Katalog anlässlich der Wanderausstellung 1985: Städtische Kunsthalle Düsseldorf, The Tel Aviv Museum, Muzeum Sztuki w Lodzi. DuMont Verlag, Köln 1985, ISBN 3-7701-1771-9.
Alexander Haeder: Jankel Adler. In: Bildende Kunst, Berlin, 6/1986, S. 256 ff.
Claus Stephani: Das Bild des Juden in der modernen Malerei. Eine Einführung. / Imaginea evreului în pictura modernă. Studiu introductiv. Zweisprachige Ausgabe (rumänisch/deutsch). Editura Hasefer, Bukarest 2005, ISBN 973-630-091-9.
Annemarie Heibel:Jankel Adler (1895–1949). Band I: Monografie, Band II: Werkverzeichnis der Gemälde (=Wissenschaftliche Schriften der WWU Münster, Reihe X. Band23). Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat, Münster 2016, ISBN 978-3-8405-0128-9, urn:nbn:de:hbz:6-88239662183.
Adler, Jankel, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933–1945. Band 2,1. München: Saur, 1983, S. 10
↑Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion „Entartete Kunst“, Forschungsstelle „Entartete Kunst“, FU Berlin
↑Kristina Hoge: Selbstbildnisse im Angesicht der Bedrohung durch den Nationalsozialismus, Reaktionen diffamierter Künstler auf die nationalsozialistische Kulturpolitik. Dissertation. Heidelberg 2005, S. 154; auch als PDF-Datei, abgerufen am 26. Juli 2010