
Jean „Binta“ Breeze MBE (* 11. März 1956 im Hanover Parish; † 4. August 2021 in Sandy Bay) war eine jamaikanische Dub-Poetin, Erzählerin und Performerin, die als erste Frau gilt, die Dub Poetry schrieb und auf der Bühne vortrug. Ihre Auftritte verbanden Reggae-Rhythmen mit Spoken Word; ihre Präsenz brachte ihr den Ruf eines „one-woman festival“ ein. 2012 wurde sie für Verdienste um die Literatur als Member of the Order of the British Empire (MBE) ausgezeichnet.
Breeze wurde als Jean Lumsden in Patty Hill im Parish Hanover (Jamaika) geboren und wuchs zeitweise bei ihrer Großmutter und Großtante auf. Nach dem Besuch der Rusea’s High School in Lucea heiratete sie 1974 den Lehrer Brian Breese, dessen Namen sie später zu „Breeze“ abwandelte. 1978 zog sie nach Kingston und studierte an der Jamaican School of Drama, wo sie die Dub-Poeten Mikey Smith, Oku Onuora und Mutabaruka kennenlernte. Später lebte sie mehrere Jahre in einer Rastafari-Gemeinschaft in den Clarendon Hills, schloss sich dem Sistren Theatre Collective an und nahm den zusätzlichen Namen „Binta“ an. Im Jahr 1985 kam sie auf Einladung von Linton Kwesi Johnson ins Vereinigte Königreich, um beim International Book Fair of Radical Black and Third World Books aufzutreten; anschließend unterrichtete sie u. a. in London. Seit den 2010er-Jahren lebte sie teils in Leicester und teils im heimatlichen Sandy Bay. Breeze starb am 4. August 2021 im Alter von 65 Jahren zu Hause in Sandy Bay, Hanover, nach einer längeren Erkrankung an COPD.
Ihr Debütband Answers erschien in Jamaika; es folgten u. a. Riddym Ravings and Other Poems (1988), The Fifth Figure (2006), die Auswahl Third World Girl (2011) und The Verandah Poems (2016). Das Langgedicht Riddym Ravings verarbeitete Erfahrungen mit Schizophrenie; das Stück Aid Travels With a Bomb erreichte als Song Platz 2 der New Yorker Reggae-Charts. Neben Gedichten schrieb und inszenierte sie Theater- und Filmtexte (u. a. Hallelujah Anyhow, 1991) und veröffentlichte mehrere Alben, darunter Tracks (1991) und Eena Me Corner (2010) mit der Dennis-Bovell-Dub-Band. Ihre Gedichte Moonwise, Rising und Dreamer wurden im Londoner Programm Poems on the Underground gezeigt; Dreamer wurde 2024 erneut in einer Sommerauswahl vorgestellt. Breeze gilt als prägende Vertreterin der Dub-Poetry-Szene, die weibliche Blickwinkel ins Zentrum stellte und jamaikanisches Patois in die Performance-Poetry einbrachte. Sie war seit 2011 Honorary Creative Writing Fellow an der University of Leicester und wurde 2017 mit der Ehrendoktorwürde (D.Litt.) der Universität ausgezeichnet. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2012 das MBE, 2018 einen Lifetime Achievement Award des Jamaican Poetry Festival sowie eine Silver Musgrave Medal des Institute of Jamaica. Ihre Bücher erschienen u. a. bei Bloodaxe Books; zudem gibt es einen Archivbestand zu Breeze im Bloodaxe Books Archive der Newcastle University Special Collections. Ihr Einfluss wurde in zahlreichen Würdigungen hervorgehoben, darunter Essays und Erinnerungen im britischen Literaturumfeld.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Breeze, Jean Binta |
| ALTERNATIVNAMEN | Breeze, Jean; Breeze, Binta (Spitzname) |
| KURZBESCHREIBUNG | jamaikanische Dub-Poetin, Erzählerin und Performerin |
| GEBURTSDATUM | 11. März 1956 |
| GEBURTSORT | Hanover Parish |
| STERBEDATUM | 4. August 2021 |
| STERBEORT | Sandy Bay |