
Jeanne Bardey (geb. Jeanne Bratte; * 10. April 1872 in Lyon; † 13. Oktober 1954 ebenda) war eine französische Bildhauerin, Malerin, Radiererin und Zeichnerin. Sie gilt als die letzte Schülerin Auguste Rodins.
Jeanne Bardey war eine Tochter von Jacques Bratte, einem Möbelhändler auf dem Cours Bourbon in Lyon, und Marie Baron. Von acht Kindern überlebten nur sie und ihre ältere Schwester Félicie. Ihr zwanzig Jahre älterer Ehemann Louis Bardey (* 1. Oktober 1851), von Beruf Dekorationsmaler, gab ihr die ersten künstlerischen Ratschläge, nachdem sie 1893 geheiratet hatten. Sie begann aus Freude am Malen mit Stillleben. Im Jahr 1894 wurde ihre gemeinsame Tochter Henriette Bardey (1894–1960) im Haus Rue Robert 14 in Lyon geboren.
Ihre erste systematische künstlerische Ausbildung erhielt Bardey bei dem autodidaktischen Maler Jacques Martin (1844–1919). Bei ihm erlernte sie das Malen kleiner Porträts und Stillleben. Ab 1907 war sie Schülerin von François Guiguet. Dieser ermutigte sie zur Bildhauerei und empfahl sie Auguste Rodin. Dort zeigte sie sich außerordentlich ehrgeizig und fertigte bis zu vierzig Zeichnungen täglich an, um den Meister zu beeindrucken. Ab 1909 war sie Rodins Schülerin in der Bildhauerei und arbeitete für ihn als Praktikantin, indem sie seine Skulpturen auf seinen Wunsch hin als Druckgrafiken interpretierte.

Nach dem Tod ihres Mannes 1915 zog Bardey nach Paris, wo sie Rodin bei der Vorbereitung des geplanten Musée Rodin im Hôtel Biron unterstützte. Zeitgenössischen Quellen zufolge betrachtete Rodin sie zeitweise als eine enge künstlerische Vertraute. Die genauen Zusicherungen, die Rodin ihr gegenüber gemacht haben soll, sind in der Literatur unterschiedlich dargestellt und lassen sich urkundlich nicht abschließend belegen.
Historisch gesichert ist, dass Rodin seinen künstlerischen Nachlass und das Hôtel Biron dem französischen Staat zur Gründung des Musée Rodin vermachte und kurz vor seinem Tod im Jahr 1917 seine langjährige Lebensgefährtin Rose Beuret heiratete. Bardey erhielt keine rechtlich verankerte Stellung in der endgültigen Nachlassverwaltung. Dieser Ausschluss, den Hubert Thiolier als La bataille du musée Rodin (die Schlacht um das Musée Rodin) bezeichnete, ist in der Forschungsliteratur dokumentiert, jedoch in seinen Einzelheiten unterschiedlich bewertet. Nach Rodins Tod 1917 kehrte Bardey nach Lyon zurück.
Bardey wurde von den Kritikern Roger Marx und Camille Mauclair mit Camille Claudel verglichen. Der Kritiker Pierre Marcel schrieb in der „Gazette des Beaux-Arts“, dass eine geistige Verwandtschaft zwischen Bardeys Werk und den besonderen ästhetischen Vorstellungen von Joseph Bernard, Aristide Maillol und Jeanne Poupelet bestehe. Laut Jean Adhémar umfasst ihr druckgrafisches Werk mehr als 300 Blätter, viele davon in Kaltnadelradierung. 1923 veröffentlichte sie bei Helleu et Sergent ein „Hommage à Rodin“ mit fünfzehn Kaltnadelradierungen nach dem Meister. Sie erhielt 1923 den Prix Albert Morancé und 1929 den Prix Chenavard. Nach ihrem Tod im Jahr 1954 vermachte ihre Tochter Henriette das Werk der Mutter dem Musée des Arts décoratifs de Lyon. Eine erste Wiederentdeckung erfolgte 1991 durch eine Ausstellung im Maison de Pays in Mornant, wo Bardey ein Haus besessen hatte. 2001 wurde eine Retrospektive in der Maison Ravier präsentiert.

Das Gesamtwerk Bardeys ist außerordentlich umfangreich. Es umfasst rund 600 Skulpturen sowie mehr als 2000 Zeichnungen, Druckgrafiken und Gemälde, die sich im Musée des Arts décoratifs de Lyon und im Musée des Beaux-Arts de Lyon befinden. Weitere Skulpturen befinden sich im Musée d’Orsay in Paris sowie im Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris (Bronze „Adolescente“). Als Bildhauerin schuf Bardey vor allem Akte und Medaillen. Sie studierte auch die Darstellung von psychisch Kranken und illustrierte medizinische Abhandlungen. Als Malerin widmete sie sich hauptsächlich Porträts und vereinzelt Blumenbildern. Ihr grafisches Werk umfasst vorwiegend Porträts und Reiselandschaften.
Bardey beteiligte sich an zahlreichen Gruppenausstellungen, unter anderem 1904 am Salon in Grenoble, von 1905 bis 1907 am Salon in Lyon sowie ab 1908 am Salon des Indépendants in Paris. Außerdem stellte sie 1911 und 1912 beim Salon des Artistes décorateurs in Paris aus und reiste in dieser Zeit nach Brüssel, Antwerpen und London. Anschließend war sie beim Salon national des Beaux-Arts vertreten und nahm von 1913 bis 1923 am Salon des Tuileries teil. Bis 1938 beteiligte sie sich am Salon d’Automne und am Salon de Printemps in Lyon sowie am Salon des Femmes Artistes Modernes in Paris.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bardey, Jeanne |
| ALTERNATIVNAMEN | Bratte, Jeanne |
| KURZBESCHREIBUNG | französische Bildhauerin, Malerin, Radiererin und Zeichnerin |
| GEBURTSDATUM | 10. April 1872 |
| GEBURTSORT | Lyon |
| STERBEDATUM | 13. Oktober 1954 |
| STERBEORT | Lyon |