
Jochen Lengemann (* 10. Januar 1938 in Kassel) ist ein deutscher Jurist und Politiker (CDU). Er war von 1970 bis 1990 Mitglied des Hessischen Landtags und dort von Dezember 1982 bis Oktober 1983 sowie von April 1987 bis Juli 1988 Landtagspräsident . Nach der deutschen Wiedervereinigung war er von 1990 bis 1992 Minister für besondere Aufgaben in Thüringen. Zudem ist er Autor einer Reihe von Werken zu parlamentsgeschichtlichen Themen.
Nach dem Abitur 1958 an der Goetheschule, einem Realgymnasium, studierte Lengemann Rechtswissenschaften in Marburg, Bonn und Köln. Er legte 1962 das erste juristische Staatsexamen ab, führte sein Studium in Genf fort und absolvierte anschließend sein Referendariat im Landgerichtsbezirk Kassel. 1967 beendete er seine Ausbildung mit dem zweiten juristischen Staatsexamen. Lengemann fungierte 1967/68 als Richter am Landgericht Frankfurt am Main, 1968/69 am Amtsgericht Kassel und 1969 am Landgericht Kassel.
Seit den 1990er Jahren hat Lengemann zahlreiche personengeschichtliche Veröffentlichungen zur hessischen und thüringischen Landesgeschichte vorgelegt. Seit 1992 ist er Mitglied der Historischen Kommission für Hessen.
Lengemann ist verheiratet und hat zwei Söhne, von denen der ältere der Fotograf Martin U. K. Lengemann ist.
Lengemann trat 1956 der CDU bei. Er war von 1966 bis 1981 Kreisvorsitzender der CDU Kassel-Stadt und gehörte von 1967 bis 1988 dem Landesvorstand der CDU Hessen an.
Lengemann war von 1964 bis 1974 Stadtverordneter in Kassel. Er wurde 1970 erstmals in den Hessischen Landtag gewählt. Dort war er von 1976 bis 1978 stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion und von 1974 bis 1982 sowie von 1988 bis 1990 Vorsitzender des Innenausschusses.
Lengemann amtierte vom 1. Dezember 1982 bis zum 13. Oktober 1983 sowie vom 23. April 1987 bis zum 22. Juli 1988 als Präsident des Landtags. Sein Rücktritt als Landtagspräsident war Folge der gescheiterten Diätenerhöhung im hessischen Landtag 1988. Von 1978 bis 1982 und von 1983 bis 1987 war er hessischer Landtagsvizepräsident. Nach seiner Ernennung zum thüringischen Landesminister legte er am 19. November 1990 sein Landtagsmandat nieder, sein Mandat erhielt Heiner Hofsommer.
Nach der Landtagswahl in Thüringen 1990 wurde Lengemann Berater der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag und anschließend am 8. November 1990 als Minister für besondere Aufgaben ins Kabinett Duchač berufen. Neben dem Justizminister Hans-Joachim Jentsch, ebenfalls aus Hessen, war er der einzige Jurist im Kabinett. Während seiner Thüringer Zeit lebte er in Ramsla bei Weimar, dem Wohnort der damaligen Kultusministerin Christine Lieberknecht, die ihm eine Wohnung im Haus ihrer Nachbarin vermittelt hatte.
Nachdem Ministerpräsident Josef Duchač seit Mitte 1991 aufgrund seiner DDR-Vergangenheit und seines Führungsstils in die Kritik geraten war, lösten Lengemann, Lieberknecht und Finanzminister Klaus Zeh den Rücktritt des Ministerpräsidenten aus, indem sie während Duchačs Abwesenheit von Thüringen am 23. Januar 1992 gleichzeitig ihren Rücktritt erklärten. Dem anschließenden Kabinett von Bernhard Vogel gehörte Lengemann nicht mehr an und kehrte nach Hessen zurück.
Am 1. Februar 2010 wurde er von der Kasseler Stadtverordnetenversammlung zum Ehrenbürger der Stadt Kassel ernannt.
Jochen Lengemann ist Autor einer Reihe von Büchern zu historischen und insbesondere parlamentsgeschichtlichen Themen. Eine Auswahl:
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lengemann, Jochen |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Jurist und Politiker (CDU), hessischer Landtagspräsident |
| GEBURTSDATUM | 10. Januar 1938 |
| GEBURTSORT | Kassel |