
Johannes Richenbach († 1486) war ein deutscher Geistlicher und Buchbinder in Geislingen an der Steige. Er gilt als einer der bedeutendsten Buchbinder des 15. Jahrhunderts. In den 1480er Jahren wurde er in seiner Werkstatt von seinem Bruder Bernhardin unterstützt. Richenbach band vor allem für Geistliche aus der Umgebung von Geislingen und Ulm sowie für solche in Schwäbisch Gmünd. Die datierten Einbände stammen aus dem Zeitraum 1467 bis 1484.
Nach Konrad Forster in Nürnberg war Richenbach der zweite Buchbinder, der für seine Einbände Schriftaufdruck wählte. Auf den Vorderdeckel prägte er üblicherweise Verfasser und/oder Titel des Werks, in einigen Fällen auch den Namen des Besitzers. Den Rückdeckel versah er meist mit einer selbstbewussten Signatur per me richenbach oder ähnlich. Richenbach verfügte über etwa 50 Einzelstempel, deren anderweitige Nachweise auf den Ulmer Raum verweisen. Daneben besaß er sieben Rollen. Vermutlich war er der erste Buchbinder, der Rollenstempel einsetzte. Auf eine ästhetische Wirkung zielte die ungewöhnliche Verwendung von roter und grüner Bemalung der Schrift.
Aus Eintragungen der Investiturprotokolle des Bistums Konstanz geht hervor, dass Johannes Richenbach am 22. September 1463 die Kaplaneipfründe auf dem Allerheiligenaltar der Geislinger Pfarrkirche erhielt. Im Sommer 1486 muss er gestorben sein, da aufgrund des Todes Richenbachs ein Nachfolger am 6. September 1486 bestellt wurde.
Bernhardin, in dem man den jüngeren Bruder von Johannes erkennen will, signierte ebenfalls einige Einbände. Auf dem Einband der Eichstätter Handschrift st 193 heißt es: per me bernhardinum richenbach illigatum in gyslingen. Bernhardin studierte 1489 in Tübingen und arbeitete wohl frühestens 1480 mit seinem Bruder zusammen. Seine Einbände sind deutlich weniger qualitätvoll. Nach dem Tod von Johannes scheint er das Buchbinden aufgegeben zu haben. Er war ab 1480 ebenfalls Kaplan in Geislingen, von wo er 1492 als Pfarrer nach Unterböhringen ging, wo er noch 1507 bezeugt ist.

Beide dürften das Buchbinden betrieben haben, um ihre bescheidenen Pfründen finanziell aufzubessern.
2011 verband Scott Husby die Mitteilung eines Richenbach-Funds in der Huntington-Library mit der Veröffentlichung einer auf Vollständigkeit abzielenden Liste aller bekannten Einbände: (R1) bis (R56). Es handelt sich um die zweite Zählung der Einbände. Die erste Zählung geht auf Franz Falk zurück, der die ersten vier Bände zusammenstellte, ohne auch nur einen einzigen selbst gesehen zu haben. 1910 setzten Seymour de Ricci und der einen Nachtrag (Nr. 10) liefernde Paul Schwenke die Zählung fort. Otto Glauning stellte 1927 23 Nummern (unter Übernahme der Zählung von De Ricci) zusammen. Die von Falk begründete Durchnummerierung endete mit dem Aufsatz von Ernst Kyriss 1944. Die Nummern 24 bis 39 werden im Folgenden in Klammern den Literaturangaben hinzugesetzt.
Unter „Literatur“ werden nur die von Husby angegebenen ersten Nennungen/Beschreibungen in der Literatur, in der Richenbach-Spezialliteratur (von De Ricci, Glauning, Kyriss und Pingree) und in den wichtigsten Inkunabeldatenbanken (Bod-Inc, BSB-Ink, INKA) verzeichnet. Weitere Literatur zu den einzelnen Exemplaren ist, soweit bekannt, in den Anmerkungen zu finden.
Abbildungen werden nur nachgewiesen, wenn sie online sind.









Es sind 58 Bände bekannt, die von Johannes und Bernhardin Richenbach gebunden wurden, 59, wenn man die beiden Salzburger Einbände (R 23) nicht nur einfach zählt. Zwei Einbände sind so lange verschollen, dass man von einem Verlust ausgehen muss. Zwei Bände befinden sich unzugänglich in Privatbesitz. (R59) wurde nicht berücksichtigt.
Die Datierungen der Bände reichen von 1467 bis 1484.
Die meisten Bände befinden sich in Deutschland. Die Württembergische Landesbibliothek nennt 11 Bände ihr eigen, die Bayerische Staatsbibliothek noch 5 (früher waren es drei mehr). Bis auf die beiden Einbände in Leipzig (35, 54) besitzen nur Bibliotheken in Baden-Württemberg und Bayern Exemplare.
In den USA gibt es 6 Einbände, in Großbritannien 5, in der Schweiz 4, in Österreich 3 (alle in Salzburg, 4 Einbände), in Dänemark, Tschechien und der Ukraine je einen. In Privatbesitz befinden sich drei Bände (12, 42, 47). Noch existierende Klosterbibliotheken verwahren ebenfalls drei Bände (6, 45, 49).
Inhaltlich waren die gebundenen Werke auf die praktischen Bedürfnisse von in der Seelsorge tätigen Weltgeistlichen ausgerichtet. Allein 14 Werke sind Predigtensammlungen und sonstige Predigtliteratur (R 1, 3, 22, 26, 30, 33, 34, 36, 39, 40, 41, 47, 50, 53), 12 sind Bibeln und Bibelauslegungen (4, 6, 14, 15, 18, 23, 24, 28, 43, 44, 52, 55), 7 sind Legenden oder Schriften über Heilige (19, 29, 33, 48, 49, 51, 58). Liturgie und Liturgie-Erklärungen: 5, 31, 38, 46. Kirchenväter: 9, 10, 12, 56. Zu den weiteren theologischen Schriften (8, 11, 16, 17, 18, 21, 37, 42, 45, 53) zählen Ausgaben des Handbuchs von Hugo Ripelin von Straßburg (37, 42, 45), zwei Drucke, die sich mit den Juden befassen (11, 18), und ein Heilsspiegel (17).
Klassiker und Klassikerauslegungen: 2, 13, 35. Wörterbücher: 20, 32. Kirchenrecht: 53. Geschichte: 27. Autoren der italienischen Renaissance: 25. Ein einziger Band (7) enthält deutschsprachige Erbauungsliteratur.
Bei den Druckorten liegt Straßburg mit 18 Bänden an erster Stelle. Die ältesten fünf von Richenbach gebundenen Drucke stammten aus Straßburger Pressen (R9–13). 9 Inkunabeln wurden in Ulm gedruckt, 5 in Basel, je 4 in Augsburg und Nürnberg, 3 in Blaubeuren, je 2 in Reutlingen und Speyer, einer in Urach. Italien ist nur mit einem Mailänder Druck vertreten.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Richenbach, Johannes |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Geistlicher und Buchbinder |
| GEBURTSDATUM | 14. Jahrhundert oder 15. Jahrhundert |
| STERBEDATUM | 1486 |
| STERBEORT | unsicher: Geislingen an der Steige |