John Boydell

John Boydell in einem Gemälde von 1801
John Boydell

John Boydell (* 19. Januar 1719 in Dorington; † 12. Dezember 1804 in London) war ein englischer Kupferstecher, Radierer und Verleger sowie Bürgermeister, der seine eigenen Werke mit JB exc. signierte.

Leben

Boydell war ein Sohn des Landvermessers Josiah Boydell und dessen Frau, einer geborenen Milnes. Er sollte zunächst den Beruf des Vaters ergreifen entschied sich jedoch dagegen, ging nach London an die St. Martin’s Lane Academy und begann um 1741 eine Ausbildung bei dem Radierer William Henry Toms (um 1700–1765). Seine erste eigene Druckplatte, die er kurz nach Beginn seiner Lehrzeit anfertigte, war eine Kopie eines Kupferstichs von Jacques-Philippe Le Bas, den dieser nach einem Werk von David Teniers angefertigt hatte. Um sich etwas dazuzuverdienen, begann er um 1744 eigene kleine Landschaftsbilder für sechs Pence pro Set (sechs Bilder) zu verkaufen. Eines dieser Sets mit sechs Brückenmotiven wurde unter den Titel Bridgebook bekannt. Um seine Werke zu vermarkten, ließ er sie in den Schaufenstern einige Läden ausstellen, eines dieser Geschäfte, in denen er den meisten Erfolg hatte, hieß „Cricket-bat“ und befand sich in der St. Martin’s Lane in Duke's Court. Anschließend ging er dazu über größere selbst gezeichnete und gestochene Ansichten von London, Oxford und weiteren Orten in England und Wales für je einem Schilling anzubieten. Nach gut zehn Jahren hatte er so den Grundstein für sein späteres Vermögen gelegt und konnte sich selbständig machen.

Inzwischen hatte er auch damit begonnen mit Kupferstichen anderer Künstler zu handeln und diese zu verlegen darunter 1761 eine Platte von William Woollett (1735–1785), die dieser nach dem Gemälde The Destruction of the Children of Niobe von Richard Wilson angefertigt hatte. Für die Platte hatte er Woollett mehr als 100 Pfund bezahlt, eine enorm hohe Summe. Trotzdem lohnte es sich, denn der Verkauf für 5 Schilling pro Abzug brachte Boydell am Ende 2.000 Pfund ein. Auch ein zweiter Stich Phaeton aus dieser Zusammenarbeit, der 1763 erschien, wurde zu einem Erfolg auf dem Kontinent und es etablierte sich ein florierender Handel mit englischen Kupferstichen. Boydell gab 1767 seine eigene Tätigkeit als Stecher und förderte mit seinem Kapital englische Talente, die insbesondere Werke von Samuel William Reynolds, Richard Wilson, Benjamin West und anderen englischen Malern reproduzierten. Durch seinen Handel über die Grenzen Großbritanniens hinaus, trug er zur Bekanntheit englischer Künstler im Ausland bei. Er erzielte enorme Gewinne mit dem Verkauf der Stiche nach Wests Gemälden Der Tod des Generals James Wolfe in Québec oder Die Schlacht von La Hougue, so gab er 1790 an, allein für den Tod des Generals Wulfe 15.000 Pfund eingenommen zu haben.

Bis 1786 hatte Boydell ein riesiges Vermögen angehäuft und er begann mit der Herausgabe einer Reihe illustrierter Drucke nach Werken William Shakespeares im Subskriptionsverfahren. Hierfür erteilte er 33 namhaften Malern und zwei Bildhauern (Thomas Banks und Anne Seymour Damer) des Landes Aufträge für entsprechende Gemälde, die er in einer „Shakespeare Gallery“ im Pall Mall ausstellen ließ. Die Zahl der Werke stieg in den Jahren ab 1789 von 34 auf 170, teilweise großformatige Bilder, darunter auch drei Skulpturen. Boydell gab bei dem jungen Johann Heinrich Ramberg hierfür eine Malvolio-Szene aus Was ihr wollt in Auftrag (im Besitz des Yale Center for British Art, New Haven, Connecticut).

Als Boydells Shakespeare 1802 erschien, war der Handel mit dem Ausland durch die Französische Revolution zum Erliegen gekommen und er geriet in finanzielle Schwierigkeiten und er entschloss sich seine Sammlung von mehr als 4a00 Tafeln in einer Lotterie zu veräußern. Er gab an, er selbst habe für die Druckplatten über 300.000 Pfund für angekaufte Gemälde und Zeichnungen 46.266 Pfund und für die Shakespeare-Galerie über 30.000 Pfund ausgegeben. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Lose für Lotterie hätte Boydell seine Schulden begleichen können, er starb jedoch 1804 im Alter von 85 Jahren in seinem Haus in der Cheapside in London noch bevor die Ziehung stattfand. Den Hauptpreis, inklusive er Shakespeare-Galerie, der Gemälde und des Anwesens, ging einen Herrn Tassie, der das Anwesen versteigerte.

Boydell engagierte sich zudem politisch, so amtierte er 1785 als Sheriff, wurde 1782 zum Alderman für den Bezirk Cheap und 1790 für die Amtszeit von einem Jahr zum Lord Mayor of London gewählt.

Der Kunsthändler Josiah Boydell (18. Januar 1752 – 27. März 1817) war sein Neffe, Teilhaber am Unternehmen und Nachfolger.

Werke (Auswahl)

Literatur

Commons: John Boydell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 William Cosmo Monkhouse: Boydell, John. In: Leslie Stephen (Hrsg.): Dictionary of National Biography. Band 6: Bottomley – Browell. MacMillan & Co., Smith, Elder & Co., New York City / London 1886, S. 104–106 (englisch, Volltext [Wikisource]).
  2. ↑ Eintrag in der Museumsdatenbank
  3. ↑ Alheidis von Rohr: Ramberg Johann Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 21. Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 128–129 (deutsche-biographie.de).
  4. ↑ Maurice W. Brockwell: Boydell, Josiah. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 4: Bida–Brevoort. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1910, S. 489 (Textarchiv – Internet Archive).
VorgängerAmtNachfolger
William PickettLord Mayor of London
1790–1791
John Hopkins
Personendaten
NAME Boydell, John
KURZBESCHREIBUNG englischer Kupferstecher
GEBURTSDATUM 19. Januar 1719
GEBURTSORT Dorington
STERBEDATUM 12. Dezember 1804
STERBEORT London