John Graham (Generalmajor)

John David Carew Graham CB CBE (* 18. Januar 1923 in Chatham, Kent; † 14. Dezember 2012 auf Barbados) war ein britischer Generalmajor der British Army, der 1970 den Putsch plante und überwachte, der zur Abdankung von Sultan Said ibn Taimur von Oman führte.

Leben

Militärische Ausbildung und Zweiter Weltkrieg

Graham absolvierte seine Schulausbildung am Cheltenham College und trat während des Zweiten Weltkrieges 1941 als Private der Argyll and Sutherland Highlanders in die British Army ein. 1942 wurde er zum Second Lieutenant und 1944 zum Lieutenant befördert. Er nahm mit dem 2. Bataillon seines Regiments an der Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 teil. Ende Juni 1944 erlebte er seine Feuertaufe mit dem Beginn der Operation Epsom, in deren Verlauf das Bataillon zwei intakte Brücken über den Odon südwestlich von Caen einnahm, die für den Transport alliierter Truppen notwendig waren.

Unmittelbar darauf wurde er zum Adjutanten des Bataillonskommandeurs ernannt, aber im März 1945 während der Überquerung des Rheins (Operation Plunder) verwundet. Nach der medizinischen Behandlung kehrte er im Juli 1945 zum Bataillon zurück und fand Verwendung als Offizier in der Britischen Besatzungszone. Für seine militärischen Verdienste wurde er im Kriegsbericht erwähnt (Mentioned in Despatches).

Nachkriegszeit

Nach Kriesende wechselte Graham zum 1. Bataillon der Argyll and Sutherland Highlanders, das als Teil der 6th Airborne Division nach Palästina verlegt wurde. Eine anschließend vorgesehene Abkommandierung zum 5. Bataillon des Parachute Regiment bei der Britischen Rheinarmee (BAOR) wurde durch die Berlin-Blockade durch die Sowjetunion zwischen Juni 1948 und Mai 1949 unterbrochen. Im Januar 1950 wurde er zum Captain der Argyll and Sutherland Highlanders befördert.

Anschließend lernte er an der UCL School of Slavonic Studies des University College London die tschechische Sprache sowie eine Fortbildung zum Dolmetscher und war danach ein Jahr lang an der Botschaft in der Tschechoslowakei tätig, ehe er ins Hauptquartier der britischen Streitkräfte in London versetzt wurde. Ende 1952 kehrte er zu den Argyll and Sutherland Highlanders zurück, die inzwischen von ihrem Einsatz im Koreakrieg zurückgekehrt waren.

Nach weiteren Verwendungen in Britisch-Guayana, im Hauptquartier des Schottland-Kommandos, 1957 zum Major befördert in Zypern sowie abermals bei der Rheinarmee, war er als Militärassistent von General Jean Albert Emile Crépin tätig, dem Oberkommandierenden der Allied Forces Central Europe (AFCENT). Im Januar 1964 wechselte er zum Parachute Regiment und wurde dort ab November 1964 als Lieutanant-Colonel Kommandeur des 1. Bataillons. Nachdem er ab 1966 als Instrukteur am Staff College Camberley tätig gewesen war, wurde er schließlich 1968 Brevet-Colonel und Kommandeur des Parachute Regiment.

Oberkommandierender in Oman und Staatsstreich 1970

1970 wurde Graham als Brigadier abkommandiert, um Oberkommandierender der Streitkräfte des Oman zu werden, die aus insgesamt 4000 Mann bestand. Die unbeugsame Persönlichkeit und repressive Politik von Sultan Said ibn Taimur hatte es ermöglicht, dass weite Teile des wohlhabenden südlichen Gouvernement (Manatiq) Dhofar unter die Kontrolle einer stark bewaffneten und hochmotivierten kommunistischen Rebellenarmee gefallen war.

Qabus ibn Said, der an der Royal Military Academy Sandhurst ausgebildete Sohn des Sultans, befand sich unter Hausarrest, als er persönlich an Graham appellierte, so dass dieser eine führende Rolle zur Absetzung des Sultans am 23. Juli 1970 und dessen Gang ins Exil nach Großbritannien übernahm. Qabus löste daraufhin seinen Vater ab und während der folgenden Jahre wurden die nördlichen Gouvernements von marxistischen Banden befreit und diese entwaffnet. Im Gouvernement fanden in Zusammenarbeit mit den britischen Streitkräften eine Reihe von Militäroperationen statt, die letztendlich erfolgreich zur Wiederherstellung der Herrschaft des Sultans über einen Großteil dieses Gouvernements führten.

Als Graham 1972 Oman verließ, übergab er ein 11.000 Mann starkes Heer, eine Luftwaffe mit 49 Flugzeuge sowie eine wachsende Marine mit modernen Kriegsschiffen. Damit war die Sicherheit des Landes gewährleistet und eine notwendige Modernisierung folgte.

Oberkommandierender in Wales und Verwalter von Chevening House

Nach seiner Rückkehr aus Oman war Graham am National Defence College of India in Neu-Delhi sowie anschließend erneut im Stab des NATO-Hauptquartiers der Allied Forces Central Europe (AFCENT) tätig, ehe er 1976 zum Major-General befördert und zum Oberkommandierenden (General Officer Commanding) der britischen Streitkräfte in Wales ernannt wurde. Für seine militärischen Verdienste wurde er 1973 als Commander des Order of the British Empire (CBE) ausgezeichnet.

1978 schied er aus dem aktiven militärischen Dienst aus und wurde Verwalter von Chevening House, dem Amtssitz des britischen Außenministers in Kent. 1978 wurde er zugleich als Companion des Order of the Bath (CB) ausgezeichnet. Von 1983 bis 1988 amtierte er als Honorary Colonel des 203 (Welsh) General Hospital Royal Army Medical Corps (Volunteers) der Territorial Army. 1991 erwarb er ein Haus auf Barbados und lebte dort bis zu seinem Tod 2012.

Veröffentlichungen

Einzelnachweise

  1. ↑ London Gazette (Supplement). Nr. 35698, HMSO, London, 8. September 1942, S. 3957 (Digitalisat, englisch).
  2. ↑ London Gazette (Supplement). Nr. 38854, HMSO, London, 7. März 1950, S. 1152 (Digitalisat, englisch).
  3. ↑ London Gazette (Supplement). Nr. 40978, HMSO, London, 15. Januar 1957, S. 416 (Digitalisat, englisch).
  4. ↑ London Gazette (Supplement). Nr. 43223, HMSO, London, 17. Januar 1964, S. 563 (Digitalisat, englisch).
  5. ↑ London Gazette (Supplement). Nr. 43494, HMSO, London, 17. November 1964, S. 9899 (Digitalisat, englisch).
  6. ↑ London Gazette (Supplement). Nr. 44625, HMSO, London, 28. Juni 1968, S. 7344 (Digitalisat, englisch).
  7. ↑ London Gazette (Supplement). Nr. 45138, HMSO, London, 26. Juni 1970, S. 7186 (Digitalisat, englisch).
  8. ↑ London Gazette (Supplement). Nr. 46850, HMSO, London, 15. März 1976, S. 3951 (Digitalisat, englisch).
  9. ↑ London Gazette (Supplement). Nr. 49314, HMSO, London, 11. April 1983, S. 4953 (Digitalisat, englisch).
  10. ↑ London Gazette (Supplement). Nr. 51460, HMSO, London, 5. September 1988, S. 10054 (Digitalisat, englisch).