John Varley

John Varley, 1992

John Herbert Varley (* 9. August 1947 in Austin, Texas; † 10. Dezember 2025 in Beaverton, Oregon) war ein US-amerikanischer Science-Fiction-Autor. Er veröffentlichte auch unter dem Pseudonym Herb Boehm.

Leben und Werk

Varley besuchte die Michigan State University in East Lansing, bereiste das Land für einige Jahre und entschied sich 1973, hauptberuflich Autor zu werden. Seine erste veröffentlichte Erzählung war Picnic on Nearside, erschienen im August 1974 im Magazine of Fantasy & Science Fiction. Er hat mehrere Romane und Kurzgeschichten geschrieben, viele davon spielen in der fiktiven Welt der Eight Worlds, in der eine Rasse mysteriöser und übermächtiger Außerirdischer die Erdbewohner von ihrem Planeten vertrieben hat. Inzwischen haben die Menschen aber nahezu das gesamte Sonnensystem besiedelt, oft mit erheblichen physiologischen Anpassungen, die technologischen Grundlagen haben sie sich durch Abhören der Alien-Kommunikationskanäle angeeignet.

Varleys detaillierte Spekulationen darüber, wie die Menschen ihren Vorteil aus der biologischen Wissenschaft ziehen könnten, waren in den 1970er Jahren revolutionär, als seine erste Kurzgeschichtensammlung The Persistence of Vision veröffentlicht wurde. In Großbritannien wurde sie im selben Jahr unter dem Titel In the Hall of the Martian Kings bei Futura veröffentlicht. Mit einem Vorwort von Algis Budrys waren hier neun Geschichten versammelt, die zwischen Februar 1975 und März 1978 in den Magazinen Galaxy, Asimov’s Science Fiction und vor allem in The Magazine of Fantasy & Science Fiction erschienen waren. The Persistence of Vision gewann den Locus Award 1979, in der französischen Übersetzung 1980 den Prix Apollo sowie in der spanischen Übersetzung 1985 den Premio Gigamesh. Die Titelgeschichte der Sammlung gewann den Hugo Award und Nebula Award. In deutscher Übersetzung wurde die Kurzgeschichtensammlung vom Goldmann-Verlag auf drei Bände verteilt.

Es wird vermutet, dass seine Erzählung Overdrawn at the Memory Bank einige Teile des Kinofilms Die totale Erinnerung – Total Recall beeinflusst haben könnte (auch wenn die primäre Inspiration natürlich die angegebene Quelle, die Geschichte Erinnerungen en gros von Philip K. Dick, war).

Varley nahm sich für 10 Jahre in Hollywood eine Auszeit vom Schreiben von Romanen und Kurzgeschichten und versuchte sich als Drehbuchautor, doch das einzige konkrete Ergebnis dessen war der Film Millennium – Die 4. Dimension. Varley sagte darüber:

„Wir hatten 1979 das erste Treffen zu Millennium. Es endete damit, dass ich es sechsmal schrieb. Es gab vier verschiedene Regisseure, und jedesmal, wenn ein neuer dazukam, ging ich mit ihm die ganze Sache durch und schrieb sie um. Jeder neue Regisseur hatte seine eigenen Ideen, und manchmal gewinnt man daraus auch etwas hinzu, doch jedesmal ging in diesem Prozess etwas verloren, so dass zum Zeitpunkt, als die Kameras liefen, viel von der Vision verloren gegangen war.“

In den 1990er Jahren kehrte er als Vollzeitautor zurück.

Varley wird oft mit Robert Heinlein verglichen. Zusätzlich zu einem ähnlichen, beschreibenden Schreibstil hatten sie auch gemeinsam, freie Gesellschaften und freie Liebe zu befürworten.

Varley war auch wegen der häufigen Prominenz von weiblichen Darstellern in seinen Romanen erwähnenswert, da dies in der Science Fiction unüblich ist, vor allem unter männlichen Autoren von Hard SF. Diese Prominenz ist nicht nur in seinem Eight Worlds-Setting erkennbar, wo Geschlechtsumwandlungen Routineeingriffe sind, sondern auch in seinen anderen Werken. Die Idee von Routine-Geschlechtsumwandlungen ist außerdem ein Beispiel von sexuellen Themen, die seine Werke durchziehen, ohne sie aber zu dominieren.

John Varley schrieb außerdem eine Trilogie zu Gäa, einem gigantischen intelligenten Lebewesen, das in seiner Form einem sehr großen, radförmigen Stanford-Torus-Weltraumhabitat entspricht und von ungewöhnlichen, künstlich erzeugten Lebensformen bevölkert ist.

Zum 30. Jubiläum der Veröffentlichung seiner ersten Kurzgeschichte, gab John Varley eine neue Kurzgeschichtensammlung heraus. The John Varley Reader enthält 18 Kurzgeschichten mit jeweiligem Vorwort und Bibliographie. Fünf dieser Kurzgeschichten waren noch nicht in einer Varley-Kurzgeschichtensammlung veröffentlicht worden.

John Varley verstarb am 10. Dezember 2025 in Beaverton (Oregon).

Auszeichnungen

Hugo Award

Er wurde noch zwölfmal für den Hugo Award nominiert.

Nebula Award

Er wurde noch siebenmal für den Nebula Award nominiert.

Locus Award

Weitere Auszeichnungen

Bibliografie

Wird bei Kurzgeschichten als Quelle nur Titel und Jahr angegeben, so findet sich die vollständige Angabe bei der entsprechenden Sammelausgabe.

Serien

Die Serien sind nach dem Erscheinungsjahr des ersten Teils geordnet.

Eight Worlds (Kurzgeschichten)

Eight Worlds: Anna-Louise Bach (Kurzgeschichten)

Gaean / Gäa (Romantrilogie)

Eight Worlds: Metal Trilogy

Thunder and Lightning

Romane

Sammlungen

Kurzgeschichten

Anthologie

Filmografie

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Interview in St. Louis Post-Dispatch Monday. 20. Juli 1992.
  2. ↑ John Varley (1947-2025). In: Locus Magazine. Abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).
Personendaten
NAME Varley, John
ALTERNATIVNAMEN Varley, John Herbert (vollständiger Name); Boehm, Herb (Pseudonym)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Science-Fiction-Autor
GEBURTSDATUM 9. August 1947
GEBURTSORT Austin, Texas
STERBEDATUM 10. Dezember 2025
STERBEORT Beaverton, Oregon