Jonas Borak

Jonas Borak (* 7. Januar 1893 in Morszyn, Bezirk Lemberg/Galizien, heute Ukraine; † 4. April 1949 in New York City/USA) war ein österreich-US-amerikanischer Radiologe, Chefarzt am Rothschild Spital in Wien und Verfolgter des Naziregimes.

Leben

Jonas Borak war der Sohn des in Stryj in Galizien tätigen Industriellen Selig Borak (1859–1926) und dessen Ehefrau Wittel Borak geborene Fränkel (* 1861). Die Familie war jüdischen Glaubens. 1927 ehelichte Jonas Borak Emilia Flintenstein (1897–1970). Jonas Borak besuchte das Gymnasium in Stryj und begann 1911 ein Studium der Philosophie, Physik und Geschichte zunächst an der Universität Leipzig. Später besuchte er die Universität Heidelberg sowie die Universität Berlin. Bereits 1915 folgte die Promotion (summa cum laude) bei dem Philosophen Paul Barth sowie dem Mathematiker Otto Hölder. In seiner Dissertation beschäftigte sich Borak mit dem Prinzip der Erhaltung der Energie. 1914 begann Borak ein Medizinstudium an der Universität Wien, das er, unterbrochen durch Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, 1921 mit dem Rigorosum beendete. Dann eröffnete er eine private Arztpraxis in Wien 8, Josefstädterstraße 23. In den 1920er Jahren schloss sich Borak dem Kreis um Sigmund Freud an. Ebenfalls in den 1920er Jahren publizierte er am Physiologischen Institut der Universität Wien. Danach absolvierte er eine internistische Ausbildung an der III. Medizinischen Klinik des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien bei Franz Chvostek und arbeitete ab 1923 als Assistent von Guido Ludwig Holzknecht am Zentralröntgeninstitut des Allgemeinen Krankenhauses. 1931 trat Borak die Nachfolge von Isaac Robinson als Chefarzt des Rothschild-Spitals in Wien an.

Jonas Borak war Mitglied der Gesellschaft der Ärzte in Wien, der „Sozialdemokratischen Ärzte Wien“ und unterstützte den Verein „Keren Kajemeth LeIsrael“. 1935 hielt er einen Vortrag mit dem Titel „es gibt keine jüdische Rasse“. Dadurch zog er sich die Gegnerschaft der Nationalsozialisten zu. Nach dem „Anschluß Österreichs“ im Jahr 1938 wurde die Familie aufgrund des mosaischen Glaubens verfolgt. Borak wurde von der Gestapo inhaftiert. In der öffentlichen Presse wurde von seinem Freitod berichtet. Dadurch kam es zu einer Intervention der American Medical Association. Borak wurde freigelassen. 1939 gelang ihm die Emigration mit dem SS Paris über Antwerpen nach New York City. Seine Ehefrau folgte wenige Monate später. 1944 erhielt Borak die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und arbeitete als Radiologe am Goldwater Memorial Hospital sowie als Lektor am New York Hospital. Borak verstarb in New York City an einem Herzversagen. Der tödliche Zusammenbruch geschah während einer Debatte in einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft. Borak kehrte nicht mehr nach Wien zurück. Er wurde auf dem „Beth-El Cemetery“, Paramus, New Jersey, begraben.

Forschungsschwerpunkt

Boraks besonderes Interesse galt der Strahlentherapie der endokrinen Erkrankungen sowie der Knochen- und Gelenkserkrankungen, vor allem der bösartigen Tumore. Als einer der Ersten in Österreich wendete er Anfang der 1930er-Jahre die Bestrahlungstechnik nach Henri Coutard an, die er experimentell erprobte und modifizierte.

Veröffentlichungen (Auswahl)

in der Reihenfolge des Erscheinens

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Personen der Moderne PMB: Jonas Borak, abgerufen am 18. Oktober 2026.
  2. 1 2 Österreichisches Biographisches Lexikon: Jonas Borak, abgerufen am 18. Oktober 2026.
  3. ↑ Biblioscout: Promotionen bei Otto Hölder, Jonas Borak S. 484, abgerufen am 19. Oktober 2026.
  4. 1 2 3 Walter Mentzel (9. Februar 2026): Borak, Jonas – Röntgenologe am Zentralröntgeninstitut des Allgemeinen Krankenhauses in Wien, Primarius am Rothschild-Spital in Wien, NS-Verfolgter. In: VanSwietenBlog, Universitätsbibliothek MedUniWien Jonas Borak, abgerufen am 18. Oktober 2026.
  5. ↑ Gesellschaft der Ärzte in Wien: Jonas Borak, abgerufen am 18. Oktober 2026.
  6. ↑ TIME: Medicine: Death & Doctors: Jonas Borak, X-Ray specialist, abgerufen am 18. Oktober 2026.
  7. ↑ The New York Times, 7. April 1939: Jonas Borak Here A Fugitive From Nazis, abgerufen am 18. Oktober 2026.
Personendaten
NAME Borak, Jonas
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Radiologe, Chefarzt Rothschild-Spital in Wien
GEBURTSDATUM 7. Januar 1893
GEBURTSORT Morszyn, Galizien
STERBEDATUM 4. April 1949
STERBEORT New York City, USA