Josef Fleischmann

Josef Fleischmann (* 6. Juli 1867 in Oberndorf bei Salzburg geboren als Joseph Ferdinand Fleischmann; † 21. April 1925 in Wien) war ein österreichischer Zeichner und Lithograph. Bekannt wurde er vor allem durch seine Illustrationen für Brehms Tierleben.

Leben

Fossile Muscheln, Illustration für Lukas Waagen, 1907
Schildkröte Testudo bergeri Lindholm, 1910
Ausländische Wassermolche in Brehms Tierleben, 1911

Josef Fleischmann wurde am 6. Juli 1867 in Oberndorf bei Salzburg geboren. Sein Vater Philipp Ferdinand Fleischmann (1840–1903) war Beamter der K.k. Staatsbahnen in Wien, seine Mutter Caroline Elisabeth, geborene Steinböck (1844–1909), stammte aus einer Försterfamilie. Fleischmann wuchs als drittes von zehn Kindern in Wien auf.

Im Alter von 30 Jahren heiratete er am 17. Oktober 1897 in Ottakring Maria Antonia Fröhlich (1865–1928). Laut Trauungsbuch wohnte er damals in der Friedmanngasse 22 im Wiener Gemeindebezirk Ottakring und war als „Zeichner“ tätig.

Fleischmann arbeitete als Illustrator für naturhistorische Publikationen. Sie erschienen Anfang des 20. Jahrhunderts in Büchern und wissenschaftlichen Abhandlungen unterschiedlicher Fachgebiete.

Josef Fleischmann starb am 21. April 1925 im Alter von 57 Jahren in Wien an Tuberkulose. Am 24. Mai 1925 wurde er auf dem Hernalser Friedhof bestattet.

Werk

Für den Anatomischen Atlas für Studierende und Ärzte des österreichischen Anatomieprofessors Carl Toldt schuf Fleischmann 1899 die anatomischen Zeichnungen für die Abschnitte „Sehorgan“ und „Geruchsorgan“ sowie für einen Teil des Abschnitts „Äußere Haut“. Toldt hatte den Zeichner und akademischen Bildhauer Fritz Meixner mit der Anfertigung des Großteils der Abbildungen beauftragt; im Frühjahr 1899 stellte er ihm Josef Fleischmann als zweiten Zeichner zur Seite. Im Vorwort zur ersten Auflage schrieb Toldt:

„Die Zeichnungen wurden zum allergrössten Teil von Herrn Fritz Meixner ausgeführt. […] Um die Fertigstellung des Werkes zu beschleunigen, wurde im Frühjahr 1899 als zweiter Zeichner Herr Josef Fleischmann herangezogen. […] Auch ihm muss ich tüchtiges Können und äusserste Gewissenhaftigkeit nachrühmen.“

Fleischmann fertigte für Lukas Waagens Abhandlung Die Lamellibranchiaten der Pachycardientuffe der Seiser Alm zwei Tafeln an. Die Tafeln XXXIII und XXXIV zeigen lithografische Darstellungen verschiedener Muschelgattungen und -arten aus den triassischen Ablagerungen des Alpenraums; die Fossilien sind in unterschiedlichen Ansichten und teilweise vergrößert dargestellt.

Im Juli 1910 erschien in den Sitzungsberichten der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften ein Beitrag des Zoologen Friedrich Siebenrock über Schildkröten aus Süd- und Südwestafrika mit Illustrationen von Josef Fleischmann.

Fleischmann fertigte zahlreiche Illustrationen für Brehms Tierleben an, insbesondere für die Ausgabe Lurche und Kriechtiere (1911). Er arbeitete dabei nicht nach Vorlagen, sondern nach direkter Beobachtung der Tiere in der Natur oder in Terrarien oder Aquarien. Seine Aquarelle auf festem Velin sind signiert mit „Jos. Fleischmann n. d. L. gez.“ (nach dem Leben gezeichnet). Die Vorlagen tragen auf der Rückseite den Atelierstempel des Künstlers sowie handschriftliche Legenden zu den dargestellten Arten. Die Aquarelle dienten als Entwürfe für Farbtafeln im Druck.

Für ein im Jahr 1912 veröffentlichtes Werk des polnischen Paläontologen Wilhelm Friedberg über miozäne Mollusken fertigte Fleischmann drei Tafeln mit Abbildungen verschiedener Schneckenarten und ihrer Gehäuse an. 1914 illustrierte Fleischmann einen Beitrag des Zoologen Franz Steindachner über Schlangenarten auf Formosa, der in den Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht wurde, mit vier ganzseitigen Tafeln.

Zwei Signaturen Fleischmanns wurden in Franz Goldsteins Monogrammlexikon aufgenommen.

Literatur

Commons: Josef Fleischmann – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Stadt Wien, Trauungsbuch Altottakring, Eintrag Nr. 345 vom 17. Oktober 1897; eingesehen auf ancestry.de am 18. August 2026.
  2. ↑ Standesamt Wien, Sterbebuch-Eintrag Nr. 55 vom 21. April 1925; eingesehen auf ancestry.de am 18. August 2026.
  3. ↑ Carl Toldt (Hrsg.): Anatomischer Atlas für Studierende und Ärzte. Urban & Schwarzenberg, Berlin / Wien 1901, S. V (wellcomecollection.org).
  4. ↑ Abhandlungen der Geologischen Bundesanstalt, Wien 1907 (zobodat.at [PDF; 19,5 MB]).
  5. ↑ Friedrich Siebenrock: Schildkröten aus Süd- und Südwestafrika, gesammelt von Dr. R. Pöch und J. Brunnthaler. In: Sitzungsberichte der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Klasse. Nr. 7, 1910, S. 709 ff., Tafeln I und II am Ende des Beitrags (archive.org).
  6. ↑ Alfred Edmund Brehm et al.: Brehms Tierleben. Hrsg.: Otto zur Strassen. 4. Auflage. Band 4. Bibliographisches Institut Meyer, Leipzig 1911, S. 8–9 (archive.org).
  7. ↑ „Josef Fleischmann“. In: Auktionshaus Bassenge: Creatures – Zwischen Imagination und Wirklichkeit. Katalog 2026. S. 8, 9 (Abbildung und Kurzerläuterung zu Fleischmanns Aquarell Wassermolche und Unken in einem Teich).
  8. ↑ Wilhelm Friedberg: Mięczaki mioceńskie ziemi polskich (Mollusca Miocenica Poloniae). Lemberg 1912, Tafeln XI (S. 157), XIII (S. 165) und XIV (S. 169) (org.pl [PDF]).
  9. ↑ Franz Steindachner: Bericht über die von Hans Sauter auf Formosa gesammelten Schlangenarten (mit 4 Tafeln und 21 Textfiguren). In: Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse. Band 90. Wien 1914, S. 319 ff., Tafeln I bis IV auf S. 468, 474, 476, 478 (archive.org).
  10. ↑ Franz Goldstein: Monogrammlexikon. Internationales Verzeichnis der Monogramme bildender Künstler seit 1850. E-Book. Walter de Gruyter, 2020, ISBN 978-3-11-082526-8, S. 390 (google.de).
Personendaten
NAME Fleischmann, Josef
ALTERNATIVNAMEN Fleischmann, Joseph Ferdinand (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG österreichischer Zeichner und Lithograph
GEBURTSDATUM 6. Juli 1867
GEBURTSORT Oberndorf bei Salzburg
STERBEDATUM 21. April 1925
STERBEORT Wien