Joseph Cimpaye (* 1932 in Kitega; † April oder Mai 1972 (Hinrichtung)) war ein burundischer Politiker der Union des Partis Populaires (UPP), der unter anderem vom 26. Januar bis zum 28. September 1961 während der Phase der Unabhängigkeitserlangung von Belgien erster Premierminister von Burundi war.
Joseph Cimpaye, Angehöriger der Volksgruppe der Hutu, war als Tierarzt in der Provinz Rutana sowie als Labortechniker in Astrida engagierte sich während der Phase der Unabhängigkeitserlangung von Belgien in dem damaligen Mandats- bzw. UN-Treuhandgebiet Ruanda-Urundi in der Union der Volksparteien UPP (Union des Partis Populaires). Nach der Autonomie des Landes wurde er am 26. Januar 1961 unter König Mwambutsa IV. Bangiriceng erster Premierminister und übernahm zugleich das Amt des Justizministers. Am 6. Juli 1961 bildete er eine Allparteienregierung unter Einschluss der Union für den nationalen Fortschritt UPRONA (Union pour le Progrès national).
Bei den Wahlen am 18. September 1961 gewann die UPRONA mit 91 Prozent der Mandate die Mehrheit in der Nationalversammlung, während die in der Gemeinsamen Front FC (Front Commune) zusammengeschlossenen Parteien nur drei Prozent der Abgeordneten stellten, von denen 47 Prozent den Hutus angehörten. Daraufhin wurde Prinz Louis Rwagasore, der Sohn des Königs und Angehöriger der Volksgruppe der Tutsi am 28. September 1961 neuer Premierminister. Bereits zwei Wochen später wurde der Prinz am 13. Oktober 1961 von einem griechischen Attentäter ermordet, der offenbar von Führungskräften der PDC unter belgischer Mitwirkung angeheuert wurde.
Im Anschluss zog sich Cimpaye aus dem politischen Leben zurück und arbeitete nach dem Beginn des offenen ethnischen Konflikts zwischen Tutsi und Hutu am 19. Januar 1962 sowie der innenpolitischen Krise im Zuge der Spaltung der UPRONA am 8. Juli 1963 unter anderem als Manager für Öffentlichkeitsarbeit bei der belgischen Fluggesellschaft Sabena. Nach dem Militärputsch von Hauptmann Michel Micombero am 28. November 1966 wurde Cimpaye am 6. Oktober 1969 vom Regime wegen angeblicher Beteiligung an einem Putschkomplott der Hutu festgenommen. Im Februar 1970 wurde er zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt und verfasste während seiner Haft einen französischsprachigen Roman mit dem Titel „L’homme de ma colline“ („Der Mann aus meinem Bezirk“). Das Werk schildert die Lebenskämpfe eines Protagonisten namens Benedikto, der in den 1930er oder 1940er Jahren – zur Zeit der Kolonialherrschaft – in einer ländlichen Region Burundis lebte. Der Roman thematisierte das Exil und wurde von Jean-Marie Ngendahayo für seine sprachliche Gestaltung gelobt, insbesondere für die Verwendung übersetzter Sprichwörter aus dem Kirundi. Am 1. Juli 1971 kam Cimpaye im Zuge einer allgemeinen Amnestie aus der Haft frei. Er gehörte zu den zahlreichen Vertretern der Hutu-Elite, die schließlich nach einem gescheiterten Aufstand der Hutu im April/Mai 1972 während des „Ikiza“-Massaker vom Regime Micomberos hingerichtet wurden.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Cimpaye, Joseph |
| KURZBESCHREIBUNG | burundischer Politiker, Premierminister |
| GEBURTSDATUM | 1932 |
| GEBURTSORT | Kitega |
| STERBEDATUM | April 1972 oder Mai 1972 |