Joseph T. White

Joseph T. White (1982)

Joseph T. White (* 5. November 1961 in St. Louis, Missouri; † 17. August 1985 in Nordkorea) war ein Soldat der United States Army, der am 28. August 1982 zu den sieben Soldaten gehörte, die nach dem Koreakrieg nach Nordkorea desertiert sind.

Leben und Karriere

Als Sohn von Norval und Kathleen White geboren, hatte er vier Geschwister und engagierte sich 1980 freiwillig für den Präsidentschaftswahlkampf von Ronald Reagan, noch bevor er wahlberechtigt war. 1979 nahm er an einem YMCA-Modellparlament teil und brachte einen „Gesetzentwurf“ ein, der einen elfmonatigen militärischen Reservistendienst für alle 18-jährigen Männer vorschrieb. Außerdem war er Mitglied der Boy Scouts und leistete freiwillige Arbeit in einem Camp für an Muskeldystrophie Erkrankte. Im Jahr 1980 brachte er im Modellparlament einen weiteren Gesetzentwurf ein, der den Austritt des US-Bundesstaates Missouri aus der Union sowie eine Liste von „gegenwärtigen Missbräuchen und Ungerechtigkeiten“ der Bundesregierung forderte. Nach einer Ablehnung durch die United States Military Academy in West Point beabsichtigte er, direkt der US-Armee beizutreten, wurde jedoch von seinen Eltern überredet, die Kemper Military School, eine private Militärschule, in Boonville zu besuchen. Der Kommandant der Schule erinnerte sich an White als introvertierten Einzelgänger. White brach später die Schule ab und trat als Infanterist in die Armee ein.

Nach Abschluss der Grundausbildung und der weiterführenden Einzelausbildung wurde White dem 1. Bataillon des 31st Infantry Regiment in Südkorea zugeteilt. Gegen 2:00 Uhr nachts am 28. August 1982 schoss er das Schloss eines der Tore auf, die in die Demilitarisierte Zone (DMZ) führen, und wurde von Kameraden dabei beobachtet, wie er vom Wachposten Ouellette in der Nähe von Kaesong durch die DMZ ging. Er hatte eine Reisetasche voller Dokumente dabei, die er vom Standort gestohlen hatte, darunter auch den Lageplan der Minen, die auf der südkoreanischen Seite der DMZ vergraben waren. Er ergab sich den nordkoreanischen Truppen. White war der erste amerikanische Soldat, der seit Januar 1965 und der fünfte seit dem Koreakrieg Asyl in Nordkorea beantragte. Die nordkoreanischen Behörden lehnten die Bitte von Vertretern des United Nations Command ab, White zu treffen und ihn nach den Gründen für seine Fahnenflucht zu befragen. Nordkoreanische Behörden veröffentlichten ein Video von White, in dem er die „Verdorbenheit, Kriminalität, Unmoral, Schwäche und den Hedonismus“ der Vereinigten Staaten anprangerte und bekräftigte, er sei übergelaufen, um zu zeigen, wie „unvertretbar es für die USA [sei], Truppen nach Südkorea zu entsenden“, bevor er eine Huldigung zu Ehren des nordkoreanischen Machthabers Kim Il Sung skandierte.

Vor Whites Übertritt war Charles Robert Jenkins im Jahr 1965 der letzte US-Soldat gewesen, der nach Nordkorea desertiert war Jenkins schrieb in seinen Memoiren The Reluctant Communist, dass er White nie getroffen, ihn aber kurz nach seiner Desertion einmal im staatlichen Fernsehen bei einer Pressekonferenz gesehen habe. Er schrieb außerdem, es habe Pläne gegeben, dass sich White eine Wohnung mit einem der anderen amerikanischen Überläufer teilen sollte, was jedoch schließlich scheiterte. Laut Jenkins erlitt White eine Art epileptischen Anfall und blieb gelähmt. Danach hörte Jenkins nichts mehr von ihm.

Im Februar 1983 erhielten Whites Eltern einen Brief ihres Sohnes, in dem er mitteilte, dass er in Nordkorea glücklich sei und als Englischlehrer arbeite. Im November 1985 erhielten seine Eltern einen weiteren Brief, der von einem nordkoreanischen Bekannten Whites verfasst worden war. Darin stand, dass ihr Sohn im August 1985 im Fluss Ch'ongch'on ertrunken und seine Leiche nicht geborgen worden sei. Eine Kopie des Briefes wurde Anfang 1986 von Dick Gephardt, dem damaligen Kongressabgeordneten für Missouri, veröffentlicht.

Einzelnachweise

  1. ↑ New York Times: NORTH KOREA SAYS G.I. SEEKS ASYLUM 29. August 1982
  2. ↑ New York Times: U.S. Now Says Soldier Went Over To The North Koreans Voluntarily 3. September 1982
  3. ↑ David Friend: What Made Joe Jump? A Mother Weeps For Her G.I. Son Who Defected To North Korea LIFE, November 1982
  4. ↑ Greg Bailey: What Happened to Joseph White? Failure Mag, 28. Oktober 2009
  5. ↑ New York Times: U.S. Says Missing G.I. Defected to North Korea 19. September 1982
  6. ↑ New York Times: North Koreans Bar A U.S. Meeting With G.I. 14. September 1982
  7. ↑ Robert Neff: Joseph White's walk in the dark Asia Times 23. Februar 2007
  8. ↑ Charles Robert Jenkins: The Reluctant Communist. My Desertion, Court-Martial, and Forty-Year Imprisonment in North Korea University of California Press, 2008. ISBN 978-0520259997
  9. ↑ Paul Hendrickson: Alleged Defector To North Korea Writes Parents
  10. ↑ Barry Massey: American Defector to North Korea Drowned Last Summer, Letter Says Associated Press 8. Januar 1986

Anmerkung

  1. ↑ Roy Chung desertierte nach Jenkins und vor White, überquerte aber nicht die DMZ.
Personendaten
NAME White, Joseph T.
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanischer Soldat und Deserteur
GEBURTSDATUM 5. November 1961
GEBURTSORT St. Louis, Missouri
STERBEDATUM 17. August 1985
STERBEORT Nordkorea