Judith Blegen

Judith Blegen (* 27. April 1941 in Lexington, Fayette County, Kentucky; † 23. Oktober 2026) war eine US-amerikanische Opernsängerin (Koloratursopran und lyrischer Koloratursopran).

Leben

Familie und Ausbildung

Judith Blegen wurde als Tochter von Halward Martin Blegen († 1961) und dessen Ehefrau Dorothy Mae Blegen (geborene Anderson) geboren. Ihr Vater war Chirurg, ihre Mutter Musiklehrerin. Ihre Eltern waren norwegischer Herkunft. Sie wuchs mit ihrer Schwester, der Pianistin Barbara Blegen (* 1942) und zwei Brüdern in Missoula, Montana, auf. Als Jugendliche lernte Blegen das Violinspiel.

Blegen besuchte die High School in Missoula, Montana und erhielt ihren ersten Gesangsunterricht bei John L. Lester, dem Leiter der Vokalabteilung der University of Montana. Nach ihrem Schlussabschluss studierte sie ab 1959 Gesang und Violine am Curtis Institute of Music in Philadelphia bei Eufemia Giannini-Gregory (Gesang) sowie Toshiya Eto und Oscar Shumsky (Violine). Sie war außerdem Privatschülerin von Martial Singher. Während ihres Studiums wurde sie als Elevin an die Santa Fe Opera verpflichtet, wo sie im Sommer 1961 die Barbarina in Le nozze di Figaro und die Modistin in Der Rosenkavalier sang. 1962 studierte sie bei Singher an der Music Academy of the West in Santa Barbara, Kalifornien.

Karriere in Europa

Nach ihrem Bachelor-Abschluss am Curtis Institute of Music kam sie mit einem Fulbright-Stipendium nach Europa, wo sie bei dem Gesangspädagogen Luigi Ricci (1893–1981) in Rom ihre musikalische Ausbildung vertiefte. 1963 debütierte sie beim Spoleto Festival in der Oper »La Madre« von Stanley Hollingsworth (1924–2003). 1964 sang sie beim Festival von Spoleto die Mélisande in Pelléas et Mélisande.

Zur Spielzeit 1965/66 wurde Blegen an das Opernhaus Nürnberg verpflichtet, wo sie als erste Partie im November 1965 die Olympia in Hoffmanns Erzählungen sang. Im Dezember 1965 folgte die Despina in einer Neuinszenierung von Così fan tutte. Ab der Spielzeit 1966/67 war sie für zwei weitere Spielzeiten bis 1968 festes Ensemblemitglied am Opernhaus Nürnberg. Weitere Nürnberger Hauptrollen waren Rosina in Der Barbier von Sevilla, Lucia in Lucia di Lammermoor, Susanna in Le nozze di Figaro und Zerbinetta in Ariadne auf Naxos. In der Spielzeit 1966/67 übernahm sie die Rolle der Marie in einer Neuinszenierung der Oper Der Waffenschmied. In der Spielzeit 1967/68 sang sie die Marie in einer Neuinszenierung der Oper Zar und Zimmermann. Während ihres Nürnberger Engagements erhielt sie ein Angebot der Hamburgischen Staatsoper, das sie jedoch ablehnte, und sich für ein Engagement nach Wien entschied.

1967 debütierte sie als Papagena in Die Zauberflöte bei den Salzburger Festspielen. Von 1968 bis 1970 sang sie an der Wiener Volksoper. Ihr Debüt gab sie dort als Rosina in Der Barbier von Sevilla, anschließend trat sie dort unter anderem auch als Zerline in Fra Diavolo und als Carolina in Die heimliche Ehe auf. Im Januar 1969 debütierte sie an der Seite von Waldemar Kmentt und Ernst Gutstein als Olympia in Hoffmanns Erzählungen an der Wiener Staatsoper, wo sie außerdem Blonde in Die Entführung aus dem Serail, die Papagena und die Zerbinetta sang. Im Juni 1975 debütierte sie als Despina in Così fan tutte an der Covent Garden Opera in London.

Blegen gastierte in Europa unter anderem auch am Grand Théâtre de Genève (1969, als Blondchen), beim Edinburgh Festival (1976, als Susanna in Le nozze di Figaro), an der Pariser Oper (1977, als Sophie in Der Rosenkavalier) und am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel (1986, als Adele in Die Fledermaus). Im Juni 1986 übernahm sie an der Wiener Staatsoper noch einmal in zwei Vorstellungen die Rolle der Pamina in Die Zauberflöte.

Karriere in den Vereinigten Staaten

Im August 1969 wirkte sie am Opernhaus von Santa Fé in der amerikanischen Erstaufführung der Oper Hilfe, Hilfe, die Globolinks von Gian Carlo Menotti mit.

In der Spielzeit 1969/70 wurde sie an die Metropolitan Opera in New York verpflichtet, wo sie im Januar 1970 als Papagena debütierte. In 21 aufeinander folgenden Spielzeiten sang sie dort in über 280 Vorstellungen insgesamt 20 verschiedene Rollen. Im Februar 1971 sang sie an der Metropolitan Opera die Sophie in einer Neuinszenierung von Werther. Im Januar 1972 übernahm sie die Mélisande in einer Neuproduktion von Pelléas et Mélisande mit Barry McDaniel als Partner. 1973 sang sie an der Metropolitan Opera in der Premiere von Les Troyens den Ascanius. Ihre meistgesungene Rolle an der Metropolitan Opera war mit 37 Vorstellungen die Sophie in Der Rosenkavalier. Weitere Rollen dort waren unter anderem Zerlina in Don Giovanni, Nannetta in Falstaff, Adina in L’elisir d’amore (mit Luciano Pavarotti als Partner), Lauretta in Gianni Schicchi (mit Frank Guarrera in der Titelrolle), Juliette in Roméo et Juliette, Susanna, Gilda in Rigoletto, Oscar in Un ballo in maschera, Gretel in Hänsel und Gretel, das Blondchen und die Adele. Im Februar 1991 sang Blegen als Marzelline in Fidelio ihre letzte Vorstellung an der Metropolitan Opera, mit der sie auch ihre Bühnenkarriere beendete.

Sie gastierte in den USA an der Lyric Opera of Chicago, an der San Francisco Opera und am Opernhaus von New Orleans.

Repertoire und Tondokumente

Judith Blegen galt als eine der bedeutendsten amerikanischen Koloratur-Sängerinnen ihrer Generation. Ihr umfangreiches Repertoire reichte von Wolfgang Amadeus Mozart über Partien von Donizetti, Rossini, Verdi, Gounod, Massenet bis zu modernen Opern von Menotti, Hans Werner Henze und Igor Strawinsky. Sie trat auch als Konzert- und Liedsängerin hervor. Sie war u. a. Solistin im Messias von Georg Friedrich Händel, in der 8. Sinfonie von Gustav Mahler, im Requiem von Gabriel Fauré und in den Carmina Burana von Carl Orff. Sie sang u. a. Lieder von Johannes Brahms, Richard Strauss und Hugo Wolf.

Blegens Stimme ist auf zahlreichen Tonträgern dokumentiert. Für die Schallplatte nahm sie u. a. die vollständigen Opern La Bohème (als Musetta, mit Georg Solti), Le nozze di Figaro (als Susanna, mit Daniel Barenboim) und Zaide (mit Leopold Hager) auf. Mit Frederica von Stade spielte sie 1974/75 das Duett-Album Songs, Arias & Duets ein.

Für ihre Einspielung der Lulu-Suite von Alban Berg erhielt sie eine Grammy-Nominierung. 1986 sang sie unter der musikalischen Leitung von Leonard Bernstein, der den Chor und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks leitete, die Rolle des „Gabriel“ in Joseph Haydns Oratorium Die Schöpfung in der Klosterkirche Ottobeuren.

Privates und Tod

Judith Blegen war in erster Ehe von 1967 bis 1975 mit Peter Singher, dem Sohn ihres Gesangslehrers Martial Singher, verheiratet. Aus der Ehe ging ein Sohn, Thomas „Tom“ Christopher Singher (* 1970), hervor. In zweiter Ehe war sie ab 1977 mit Raymond Gniewek, dem langjährigen Konzertmeister der Metropolitan Opera, verheiratet.

Judith Blegen starb 2026. Ihr Tod wurde im Oktober 2026 in einer Pressemitteilung der Metropolitan Opera ohne Angabe eines genauen Todesdatums bekanntgegeben. BR-Klassik gibt den 23. Oktober 2026 als Todestag an. Judith Blegen wurde 85 Jahre alt.

Rollenrepertoire (Auswahl)

Hinweis: Anfängerrollen sind mit * gekennzeichnet.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 René Gröger: Sopranistin Judith Blegen gestorben. Nachruf bei BR-Klassik vom 26. Oktober 2026. Abgerufen am 27. Oktober 2026
  2. 1 2 3 4 5 6 7 Judith Blegen, 1941–2026. Offizielle Internetpräsenz der Metropolitan Opera. Abgerufen am 26. Oktober 2026.
  3. 1 2 3 4 Gloria Cooksey: Judith Blegen. In Brennan, Luann (Hrsg.). Contemporary Musicians: Profiles of the People in Music (1999). Band 23. Gale. ISBN 0-7876-2091-2.
  4. ↑ Dr. Blegen, 48, Dies in Missoula. In: Great Falls Tribune vom 3. April 1961. S. 1.
  5. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Judith Blegen – Fulbright scholar. Biographie. Abgerufen am 26. Oktober 2026.
  6. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 Francisco Salazar: Obituary: Legendary American Soprano Judith Blegen Dies at 85. Nachruf. OperaWire.com vom 24. Oktober 2026. Abgerufen am 26. Oktober 2026.
  7. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 Judith BLEGEN wird 80. Online Merker, Ausgabe April 2021. Abgerufen am 26. Oktober 2026.
  8. ↑ Hoffmanns Erzählungen. Szenenfotos. Stadtarchiv Nürnberg.
  9. ↑ Così fan tutte. Szenenfotos. Stadtarchiv Nürnberg.
  10. ↑ Judith Blegen. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1967. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 75. Jg., Hamburg 1967, S. 389 und S. 566 (Register).
  11. ↑ Ariadne auf Naxos. Besetzungszettel vom 26. Januar 1967. Stadtarchiv Nürnberg.
  12. ↑ Der Waffenschmied. Besetzungszettel der Premiere Juli 1967. Stadtarchiv Nürnberg.
  13. ↑ Zar und Zimmermann. Besetzungszettel der Premiere April 1968. Stadtarchiv Nürnberg.
  14. ↑ Die Zauberflöte. Besetzungen August 1967. Spielplanarchiv der Salzburger Festspiele.
  15. ↑ Les Contes d'Hoffmann. Besetzungsliste vom 6. Januar 1969. Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper
  16. ↑ Judith Blegens Auftritte an der Wiener Staatsoper
  17. ↑ Così fan tutte. Besetzungsliste vom 25. Juni 1975. Spielplanarchiv der Covent Garden Opera.
  18. ↑ Judith Blegens Auftritte an der Wiener Staatsoper
  19. ↑ Die Zauberflöte. Besetzungsliste vom 19. Januar 1970. Spielplanarchiv der Metropolitan Opera.
  20. ↑ Werther. Besetzungsliste vom 19. Februar 1971. Spielplanarchiv der Metropolitan Opera.
  21. ↑ Pelléas et Mélisande. Besetzungsliste vom 19. Februar 1971. Spielplanarchiv der Metropolitan Opera.
  22. ↑ Fidelio. Besetzungsliste vom 21. Februar 1991. Spielplanarchiv der Metropolitan Opera.
Personendaten
NAME Blegen, Judith
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Opernsängerin (Sopran)
GEBURTSDATUM 27. April 1941
GEBURTSORT Lexington, Fayette County, Kentucky
STERBEDATUM 23. Oktober 2026