Judy Anne Mikovits (* 1958) ist eine US-amerikanische ehemalige biomedizinische Forscherin. Sie erlangte internationale Bekanntheit durch eine im Jahr 2009 veröffentlichte, aber später widerrufene Studie über die vermeintlichen Ursachen des Chronischen Fatigue-Syndroms (ME/CFS). Seit ihrem Ausscheiden aus der Wissenschaftszene tritt sie als Impfgegnerin auf und verbreitet wissenschaftlich unhaltbare Verschwörungstheorien, insbesondere im Rahmen der COVID-19-Pandemie durch das virale Video Plandemic.
Mikovits schloss 1980 ihr Studium der Chemie an der University of Virginia mit einem Bachelor of Science ab. Anschließend war sie als Labortechnikerin am National Cancer Institute (NCI) in Frederick, Maryland, tätig. Im Jahr 1991 wurde sie an der George Washington University im Fach Biochemie und Molekularbiologie promoviert. Das Thema ihrer Dissertation behandelte die Mechanismen der HIV-1-Latenz in Monozyten und T-Zellen.
Von 1988 bis 2001 war sie weiterhin am National Cancer Institute angestellt. Im Jahr 2006 wechselte sie als Forschungsdirektorin an das neu gegründete Whittemore Peterson Institute (WPI), eine private Forschungseinrichtung in Reno, Nevada, die sich der Erforschung von ME/CFS widmete.
Im Oktober 2009 veröffentlichte Mikovits zusammen mit anderen Forschern eine viel beachtete Studie in der Fachzeitschrift Science. Darin behauptete das Team, einen Zusammenhang zwischen dem Maus-Retrovirus XMRV (Xenotropic murine leukemia virus-related virus) und dem Chronischen Fatigue-Syndrom gefunden zu haben. Laut der Studie wurde das Virus in den Blutzellen von 67 % der CFS-Patienten nachgewiesen, jedoch nur bei knapp 4 % der gesunden Kontrollgruppe.
Die Arbeit weckte weltweit große Hoffnungen auf Behandlungsansätze, stieß in der Fachwelt jedoch rasch auf Skepsis. Zahlreiche unabhängige Arbeitsgruppen versuchten weltweit vergeblich, die Ergebnisse zu replizieren. Im Laufe des Jahres 2011 stellte sich heraus, dass die positiven Befunde auf eine Verunreinigung der Laborproben mit Maus-DNA (Kontamination) zurückzuführen waren. Nachdem mehrere Co-Autoren ihre Zustimmung zurückgezogen hatten, widerrief der Chefredakteur von Science, Bruce Alberts, die Arbeit am 22. Dezember 2011 endgültig. Eine vom National Institutes of Health (NIH) finanzierte und unter Mitwirkung von Mikovits durchgeführte Nachfolgestudie bestätigte 2012 definitiv, dass kein Zusammenhang zwischen XMRV und ME/CFS existiert.
Im Zuge der wissenschaftlichen Kontroversen kam es zum Bruch mit dem Whittemore Peterson Institute. Mikovits wurde am 29. September 2011 entlassen, nachdem sie sich geweigert hatte, bestimmte Forschungsdaten herauszugeben.
Das WPI reichte daraufhin eine Zivilklage ein, da Mikovits Laborbücher, Computerdaten und proprietäres Eigentum illegal aus der Institution entwendet haben soll. Im November 2011 wurde sie in Kalifornien vorübergehend festgenommen und wegen des Verdachts auf Besitz gestohlenen Eigentums inhaftiert. Die strafrechtlichen Anklagen wurden im Juni 2012 von der zuständigen Staatsanwaltschaft in Nevada aufgrund von rechtlichen Komplikationen rund um die Familie der Institutsgründer fallengelassen.
Nach ihrem Ausschluss aus der akademischen Wissenschaft wandte sich Mikovits der Impfgegner-Szene zu. Sie verfasste pseudowissenschaftliche Bücher, darunter Plague of Corruption (2020), zu dem der bekannte Impfgegner Robert F. Kennedy Jr. das Vorwort schrieb. In ihren Vorträgen stellte sie die Behauptung auf, dass durch die Verwendung von tierischen und fötalen Geweben bei der Impfstoffherstellung gefährliche Retroviren auf den Menschen übertragen würden, welche für chronische Krankheiten wie Autismus, Krebs und CFS verantwortlich seien.
Im Mai 2020 erlangte Mikovits während der COVID-19-Pandemie breite Aufmerksamkeit durch das Video Plandemic, ein im Dokumentarstil produziertes Propagandavideo des Filmemachers Mikki Willis. Darin stellte Mikovits eine Reihe von Falschbehauptungen und Verschwörungserzählungen auf:
Das Video wurde millionenfach auf Plattformen wie YouTube und Facebook geteilt, bevor es von den Betreibern wegen des Verstoßes gegen Richtlinien zur medizinischen Desinformation gelöscht wurde. Medizinische Fachgesellschaften und Faktenchecker wiesen alle Kernbehauptungen von Mikovits als sachlich falsch und wissenschaftlich unbegründet zurück.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Mikovits, Judy |
| ALTERNATIVNAMEN | Mikovits, Judy Anne (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanische biomedizinische Forscherin |
| GEBURTSDATUM | 1958 |