Julia Loktev

Julia Loktev (* 12. Dezember 1969 in Leningrad) ist eine amerikanische Filmregisseurin und Videokünstlerin.

Leben

Als sie 9 Jahre alt war, emigrierte ihre Familie nach Colorado. Sie studierte zunächst an der McGill University in Montreal, danach ab 1996 an der New York University, wo sie ihren Film Moment of Impact 1998 als Abschlussarbeit einreichte. Darin dokumentiert sie den Alltag ihrer Eltern, der durch die schwere Behinderung des Vaters nach einem Autounfall im Jahr 1989 geprägt ist. Der Film gewann mehrere Preise auf diversen Filmfestivals im Jahr 1998, darunter den Regiepreis auf dem Sundance Film Festival, das Certificate of Merit auf dem San Francisco International Film Festival, den Dokumentarfilmpreis des Bayerischen Fernsehens auf dem Internationalen Dokumentarfilmfestival München und den Preis für die beste Dokumentation auf dem Internationalen Filmfestival Karlovy Vary.

Loktevs Video-Installationen fanden ebenfalls international Beachtung, darunter 2000 im P.S.1, 2002 im Haus der Kunst in München und 2004 in der Tate Modern.

Wirken

Für ihren ersten Spielfilm, Zwei Tage Zwei Nächte (2006), der 48 Stunden aus dem Leben einer jungen Selbstmordattentäterin in New York City schildert, wurde Loktev mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Auch The Loneliest Planet (2011) wurde für mehrere Preise nominiert, wie für den Gotham Award (als bester Film) oder bei den Independent Spirit Awards 2013 (beste Regie) und gewann unter anderem die „Goldene Tulpe“ beim Internationalen Istanbuler Film Festival 2012.

Nach The Loneliest Planet fertigte Loktev mit My Undesirable Friends: Part I – Last Air in Moscow 2024 wieder einen Langfilm an. Ausgangspunkt des Projekts war für sie die seit 2021 verschärfte russische Praxis, auch Einzelpersonen als „ausländische Agenten“ einzustufen. Der 324 Minuten lange Dokumentarfilm begleitet junge Journalistinnen aus dem Umfeld unabhängiger russischer Medien in den letzten Wochen und Monaten vor dem russischen Überfall auf die Ukraine. Zu den Protagonistinnen gehören auch Mitarbeiterinnen des unabhängigen Fernsehsenders Rain TV; über dessen Moderatorin Anna Nemzer, die im Film auch als Koregisseurin genannt wird, erhielt Loktev Zugang zu dem Netzwerk. Loktev verzichtete auf Interviews und Archivmaterial, drehte ausschließlich mit einem iPhone und übernahm Produktion, Kamera und Schnitt nahezu im Alleingang. Alle im Film begleiteten Journalistinnen verließen Russland innerhalb einer Woche nach Kriegsbeginn. Ein zweiter Teil unter dem Titel My Undesirable Friends: Part II – Exile wurde angekündigt.

Filmografie

Einzelnachweise

  1. ↑ 47th Thessaloniki International Film Festival (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  2. ↑ David Firestone: „Public Lives; From a Daughter, Scenes of a Life in Limbo“, in: The New York Times, 30. Januar 1998.
  3. 1 2 Monica Sharif: „Interview: Julia Loktev“, auf: ioncinema.com, 9. Mai 2007.
  4. ↑ Julia Loktev (Memento vom 20. November 2008 im Internet Archive)
  5. ↑ (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
  6. ↑ Tate Report 2004-2006 (Memento vom 19. August 2007 im Internet Archive)
  7. 1 2 3 4 5 6 7 Tobias Obermeier: Doku über Russland: Eine Gesellschaft, die in den Totalitarismus abgleitet. In: taz. 2. April 2026, abgerufen am 2. April 2026.
Personendaten
NAME Loktev, Julia
ALTERNATIVNAMEN Локтев, Джулия (russisch)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Filmregisseurin und Videokünstlerin
GEBURTSDATUM 12. Dezember 1969
GEBURTSORT Leningrad