
Julien Ferrat (* 28. Juli 1991 in Mannheim) ist ein deutscher Kommunalpolitiker (zunächst Die Linke, später Familien-Partei Deutschlands und Mannheimer Volkspartei (MVP) bzw. Wählervereinigung Die Mannheimer). Ferrat gehörte zwischen 2014 und 2019 und gehört erneut seit 2024 dem Gemeinderat der Stadt Mannheim an und erhält regelmäßig größere überregionale mediale Aufmerksamkeit durch provokative Aktionen oft mit sexuellem Inhalt. Dabei setzt er auch seine eigene Nacktheit öffentlichkeitswirksam ein. Laut dem Jugendmagazin der Wochenzeitung Die Zeit ist Ferrat „Deutschlands verrücktester Stadtrat“.
Ferrat wurde als Sohn einer französischen Mutter geboren und erhielt mit vier Jahren die deutsche Staatsangehörigkeit. Nach dem Abitur studierte er an der Universität Mannheim und an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Ferrat ist studierter Sozialwissenschaftler und Geschäftsführer im Online-Handel. Ferrat wirkte zudem als Laiendarsteller bei zahlreichen Scripted-Reality-Formaten mit. Er ist Vater und hat drei Kinder.
Ferrat engagierte sich bis 2014 bei Die Linke.SDS hochschulpolitisch. Bei den Gremienwahlen 2014 an der Universität Mannheim sah sich Ferrat dem Vorwurf der Urkundenfälschung ausgesetzt. Im Rahmen der Wahlzulassung der Linke.SDS-Liste waren gefälschte Unterschriften vorgelegt worden. Das Verfahren gegen Ferrat wurde im Sommer 2015 gegen die Zahlung von 3600 Euro an eine gemeinnützige Organisation eingestellt.
Ferrat zog bei der Mannheimer Gemeinderatswahl 2014 erstmals über die Linke, wo er auf Platz 3 der Gemeinderatsliste stand, in den Gemeinderat ein. Er wechselte 2015 unter Beibehaltung seines Mandats zur konservativen Familien-Partei. Mit drei aus der AfD ausgetretenen und zu ALFA gewechselten Gemeinderäten wollte Ferrat eine gemeinsame Zählgemeinschaft im Gemeinderat bilden, was der Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) mit Hinweis auf die Hauptsatzung aber nicht zuließ.
2016 veröffentlichte Ferrat das Gangsta-Rap-Video Mannheimer Ghetto auf YouTube, das wegen seines frauenverachtenden, vulgären Inhalts stark in der Kritik stand. Für dieses Rap-Video erhielt Ferrat vom Mannheimer Gemeinderat eine förmliche Rüge. In einem weiteren 2017 erschienenen Rap-Video zeigte er einen Schwangerschaftsabbruch, um Position gegen Abtreibungen zu beziehen. 2018 veröffentlichte Ferrat einen Disstrack gegen den Mannheimer Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD). Gegen einen deswegen verhängten Strafbefehl in Höhe von 3000 Euro legte Ferrat Einspruch ein. Das Strafverfahren wurde letztendlich gegen die Ableistung von Sozialstunden im Altersheim eingestellt. Ferrats Rap-Videos errangen überregionale mediale Aufmerksamkeit und wurden von Mannheimer Gemeinderatsmitgliedern teilweise scharf kritisiert. Die Rap-Videos sind inzwischen nicht mehr abrufbar.
2017 setzte Ferrat Nacktheit erstmals als Stilmittel im Rahmen seiner politischen Kommunikation ein. So protestierte er nackt gegen den Doppelhaushalt der Stadt Mannheim. Öffentlichkeitswirksam bot Ferrat 2018 unter dem Motto „Völlige Transparenz!“ eine Nackt-Sprechstunde am FKK-Strand an. 2019 folgte eine Nackt-Sprechstunde in der Sauna.
2018 trat Ferrat aus der Familien-Partei aus und gründete die Mannheimer Volkspartei (MVP). Ferrat trat als Spitzenkandidat der MVP zur Mannheimer Gemeinderatswahl 2019 an. Er und seine Partei konnten aber keinen Sitz erringen, sodass er aus dem Gemeinderat ausschied.
Zur Mannheimer Gemeinderatswahl 2024 trat Ferrat als Spitzenkandidat der Wählervereinigung Die Mannheimer an und zog mit 3504 Stimmen als einziger Kandidat der Vereinigung in den Mannheimer Gemeinderat ein. Die Wählervereinigung Die Mannheimer ist der offizielle Rechtsnachfolger der Mannheimer Volkspartei (MVP). Zum 1. Oktober 2026 schloss sich Ferrat mit dem ehemaligen Vorsitzenden der AfD-Gemeinderatsfraktion Jörg Finkler, der die rechtsextreme Partei bereits 2022 und die AfD-Fraktion im August 2026 verlassen hatte, zusammen, um eine gemeinsame Ratsgruppe im Gemeinderat zu bilden.
Seit seinem Wiedereinzug in den Gemeinderat nutzt Ferrat vor allem das Mannheimer Amtsblatt, in dem Fraktionen, Gruppierungen und Einzelstadträte Beiträge veröffentlichen dürfen, als Forum, um durch sexuelle Provokationen Aufmerksamkeit zu erlangen. Mit einem Amtsblatt-Beitrag über „Kommunalsex“, in dem auch ein Nacktfoto von ihm veröffentlicht wurde, erregte er bereits 2024 Aufmerksamkeit.
Deutlich stärker wurde 2025 Ferrats Amtsblatt-Artikel zu einer von ihm organisierten Bildungsreise ins südfranzösische FKK-Swinger-Dorf Village Naturiste in Cap d’Agde rezipiert, der sowohl bundesweit als auch international auf starkes Interesse stieß. Im Amtsblatt-Artikel, der seine Reise nach Cap d’Agde ankündigte, posierte Ferrat erneut nackt. Ferrats Bildungsreise fand mit 28 Teilnehmern statt und wurde von diesen selbst finanziert. Laut Ferrat kam es während der Reise auch zu Gruppensex zwischen den Teilnehmern. Ferrat empfahl danach, in Mannheim ebenfalls ein kommunal verwaltetes „FKK-Swinger-Paradies“ in Anlehnung an Cap d’Agde zu errichten. Aus der Mannheimer Kommunalpolitik und vom Deutschen Verband für Freikörperkultur (DFK) kam Kritik an der Aktion.
Am 31. Juli 2026 war Ferrat mehrmals Gegenstand der Quiz-Ausgabe der heute-show im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF).
Für bundesweite und internationale Beachtung sorgte Ferrat erneut im August 2026, als er eine politische Swingerparty unter dem Motto „Ein FKK-Swinger-Paradies für Mannheim“ im Rathaus ankündigte und letztendlich auch veranstaltete. Ferrat gab an, die Swingerparty im Rathaus habe am 28. August 2026 mit sieben Männern und zwei Frauen stattgefunden. Es nahm unter anderem auch ein Funktionär der rechtsextremen AfD teil. Für die nicht genehmigte Swingerparty im Rathaus nutzte Ferrat einen ihm als Stadtrat zugeteilten Raum. Mit der Swingerparty wollte Ferrat nach eigenen Angaben weiterhin für seine Idee, Mannheim zum „FKK-Swinger-Paradies“ zu machen, werben. Für den Fall, dass die Mannheimer Stadtverwaltung die beabsichtigte Swingerparty im Rathaus ablehnen sollte, hatte Ferrat ursprünglich angekündigt, den Rechtsweg, notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht, beschreiten zu wollen. Nach Bekanntwerden der Swingerparty im Rathaus informierte der Mannheimer Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) den Gemeinderat, dass er eine Beschlussvorlage vorbereite, die Sanktionen gegen Ferrat wegen der Zweckentfremdung der Rathausräumlichkeiten beinhalte.
Die Weigerung der Stadtverwaltung Mannheim, zwei Artikel von Ferrat zur geplanten Swingerparty im Amtsblatt zu veröffentlichen, wertete Ferrat als Zensur. Ferrat verfasste daraufhin den Artikel „Zensur im Amtsblatt der Stadt Mannheim schadet der Demokratie“. Als die Stadtverwaltung auch diesen Amtsblatt-Artikel ablehnte, reichte Ferrat einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Karlsruhe ein mit dem Ziel, den Abdruck seines Artikels zu erzwingen. Das Verwaltungsgericht Karlsruhe gab Ferrat im September 2026 Recht und verpflichtete den Oberbürgermeister der Stadt Mannheim, Ferrats Artikel im Amtsblatt der Stadt Mannheim zu veröffentlichen. Dagegen legte der Mannheimer Oberbürgermeister Christian Specht (CDU) beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg Beschwerde ein und beantragte eine Aussetzung der Vollziehung des Beschlusses des Verwaltungsgerichts Karlsruhe. Ferrat bezeichnete Specht daraufhin als „schlechten Verlierer“, der Zensur wolle. Im Oktober 2026 bestätigte der Verwaltungsgerichtshof die Entscheidung der Vorinstanz und verpflichtete den Oberbürgermeister der Stadt Mannheim, für eine Veröffentlichung von Ferrats Artikel im Amtsblatt zu sorgen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Ferrat, Julien |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Kommunalpolitiker |
| GEBURTSDATUM | 28. Juli 1991 |
| GEBURTSORT | Mannheim |