Julien Paris

Julien Paris († 9. Juni 1672) war ein französischer römisch-katholischer Geistlicher, Zisterzienser, Abt, Ordensreformer, Ordenshistoriker und Herausgeber.

Leben und Werk

Der Zisterzienser

Paris trat in die Zisterzienserabtei Prières (südöstlich Vannes) ein und wurde Doktor der Theologie an der Sorbonne. Das Kloster Prières war unter Abt Jean Jouaud (Amtszeit 1631–1673) ein Zentrum der Strengen Observanz, zu der auch Julien Paris zu zählen ist.

Der Abt

Von 1646 bis 1671 war er – als Nachfolger von Jean Pelletier († 3. Juli 1645) – Abt der Zisterzienserabtei Foucarmont (zwischen Dieppe und Amiens, heute verschwunden). In seiner Amtszeit fand dort im Mai 1650 ein unerlaubtes Treffen von Vertretern der Strengen Observanz (mit Anwesenheit von Jean Jouaud) statt, das im Streit der Observanzen unter Generalabt Claude Vaussin eine Rolle spielte.

Der Ordenshistoriker

Abt Julien hat sich im Streit der Observanzen mit zwei gewichtigen Publikationen auf der Seite der Strengen engagiert. 1653 legte er unter dem Titel Du premier Esprit de l’Ordre de Cîteaux („Vom ursprünglichen Geist des Zisterzienserordens“) auf 650 Seiten eine reformorientierte Ordensgeschichte vor, die 1670 eine zweite Auflage erlebte und für Jean de Rancé wegweisend wurde. Er schob dazu 1664 mit dem bekannter gewordenen Nomasticon Cisterciense eine Textsammlung nach, die 1670 ebenfalls nachgedruckt wurde. Sie erfuhr durch Hugues Séjalon (1824–1890, Trappist der Abtei Notre-Dame des Dombes), eine Neuausgabe, die 1892 in der Benediktinerabtei Solesmes gedruckt wurde.

Paris gehörte zu den redegewandesten und effektivsten Vertretern der Strengen Observanz; seine Askese und Reformwilligkeit verbanden sich mit einem wissenschaftlichen Geist und einem tiefen Geschichtssinn.

Schriften (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ David Bell, The Library of the Abbey of La Trappe (Turnhout 2014), S. 98–99; Übersetzung aus dem Englischen.