Julius Bosse

Julius Bosse (* 12. April 1873 als Julius Ludwig Johann Carl Bosse in Malchin, Herzogtum Mecklenburg-Schwerin; † 21. Mai 1915 in Innsbruck) war ein akademischer Maler.

Leben und Werk

Parklandschaft
Dame am Meer

Julius Bosse wurde am 12. April 1873 in Malchin, einer Kleinstadt im heutigen Mecklenburg-Vorpommern, geboren. Er war der fünfte Sohn des Schuhmachermeisters Friedrich Ludwig Bosse (1837–1894) und seiner Ehefrau Johanna, geb. Griewisch (1843–1923). Wenige Wochen nach seiner Geburt wurde sein Vater zum Hof-Schuhmacher des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin ernannt.

Bosse war als Porträt- und Landschaftsmaler tätig und lebte im Jahr 1899 in Wien an der Adresse „Mariahilfer Straße Nr. 117, 4. Stiege, Thür 40“. In der Zeitschrift Photographische Correspondenz wurde berichtet, dass Bosse am 7. März 1899 bei der Plenarversammlung der Photographischen Gesellschaft Wien außerhalb von deren normalem Ausstellungsprogramm zwei Bilder ausstellte: „eine in Farben ausgeführte Photographie, das zweite ein Pastellbild nach einer Naturaufnahme“.

Am 17. Mai 1902 heiratete Julius Bosse in Wien die Künstlerin Louise Köck (1878–1929). Aus dieser Ehe ging im November 1904 der Sohn Walter Bosse hervor, der später als Keramikkünstler und Designer bekannt wurde.

Bosse und seine Ehefrau verbrachten mehrfache Malaufenthalte in Abbazia (heute Opatija, Kroatien). In dem Ort auf der Halbinsel Istrien, der sich zu einem mondänen Seebad und Kurort der Donaumonarchie entwickelt hatte, entstanden zahlreiche Werke beider Künstler. Während der heißen Sommermonate hielt sich der Künstler gerne in Gebirgsgegenden mit gemäßigtem Klima auf. Sein Aufenthalt in Reichenau an der Rax ist in den Jahren 1907, 1908 und 1911 nachweisbar. Dort kam im September 1907 die Tochter Margareta Ida Elisabeth Johanna, genannt Grete(l), zur Welt. Ein 1907 entstandenes Aquarell des Reichenauer Kurparks wurde von der Kurkommission angekauft und 1908 als Künstlerpostkarte herausgebracht.

Julius Bosse war ordentliches Mitglied im Österreichischen Künstlerbund und nahm an dessen Ausstellungen teil. Bei der Ausstellung des Künstlerbundes vom 11. Dezember 1913 bis zum 7. Januar 1914 im renommierten Wiener Salon Pisko war er mit den Ölgemälden Pergola bei Medova und Herbst in Dornbach vertreten. In der Zeitschrift Die christliche Kunst wurde über die Ausstellung berichtet, dass Bosse gute Landschaftsbilder eingereicht habe, dass seine Spezialität, Porträts, diesmal jedoch gänzlich fehlten.

Vor Beginn des Ersten Weltkriegs hatte die Familie erwogen, ihren Lebensmittelpunkt dauerhaft nach Abbazia zu verlegen. Durch die kriegsbedingten Einschränkungen mussten sie diese Pläne jedoch aufgeben und übersiedelten stattdessen nach Kufstein.

Julius Bosse wurde 42 Jahre alt. Er starb am 21. Mai 1915 in einem Innsbrucker Krankenhaus.

Postume Würdigung

Bosses Ehefrau Louise mit ihrem etwa einjährigen Sohn Walter; um 1905 gemalt von Julius Bosse

An der „Kriegs- und Kunstausstellung“ des Kriegsfürsorgeamtes Kufstein im Jahr 1917 wurden neben Arbeiten seiner Witwe auch acht Bilder von Julius Bosse ausgestellt. In einem mehrspaltigen Artikel über die Ausstellung, die vom 26. August bis zum 9. September 1917 im Kufsteiner Volksschulgebäude stattfand, würdigte der Tiroler Grenzbote Bosses Arbeiten mit folgenden Worten:

„Besondere Beachtung verdienen die Schöpfungen von Julius Bosse […] Wenngleich aus ihnen eine ältere Schule spricht, so muß man den Oel- und Pastellbildern von ihm wegen der monumentalen Auffassung, der Farbeneinheit und der technischen Qualitäten hohe Achtung abgewinnen. Seine ‚Dame in Rot‘ und besonders seine Aktstudie ‚Vor dem Kamin‘ sind Prachtstücke seiner Kunst.[…]“

Im Jahr 1926 zählte die Witwe Louise Bosse zu den 214 Tiroler Künstlerinnen und Künstlern, die einem Aufruf des Vereins für Heimatschutz in Tirol folgten und einen Fragebogen zu ihrem Leben und Schaffen ausgefüllt zurückschickten. Für das daraus entstandene Buch stellte sie neben den Angaben zu ihrem Ehemann das Foto eines Ölgemäldes zur Verfügung, das er um 1905 geschaffen hatte und sie mit dem gemeinsamen Sohn Walter zeigt.

Signaturen

Der Künstler signierte seine Werke mit „Julius Bosse“, manchmal zusätzlich mit einer Ortsangabe wie „Julius Bosse-Abbazia“ oder „Julius Bosse Kufstein“. Seine Werke werden bis heute in großen Auktionshäusern gehandelt, darunter das Dorotheum und das Kunsthaus Mehlis. In Katalogen wird er vereinzelt auch mit „Julius Bosse-Mecklenburg“ bezeichnet.

Werke (Auswahl)

Des Künstlers Vater, 1915
Commons: Julius Bosse – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Online-Ortsfamilienbuch Malchin, Eintrag zu Julius Ludwig Johann Carl Bosse (Digitalisat)
  2. 1 2 Ellen Hastaba (Hrsg.): Tirols Künstler 1927. Schlern-Schriften, Band 319, Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2002, ISBN 978-3-7030-0365-3, S. 75 (mit Abbildung eines Porträtgemäldes).
  3. ↑ Mecklenburg-Schwerin: Regierungsblatt für Mecklenburg-Schwerin. S. 83 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. ↑ Photographische Korrespondenz, 1899, Nr. 463, Wien 1899, S. 266 (Textarchiv – Internet Archive).
  5. ↑ Taufbuch Payerbach, tom. X, fol. 216 (Faksimile), abgerufen am 30. September 2026.
  6. ↑ Wolfgang Kos (Hrsg.): Die Eroberung der Landschaft: Semmering, Rax, Schneeberg. Katalog zur Niederösterreichischen Landesausstellung Schloss Gloggnitz. Falter-Verlag, Wien 1992, ISBN 3854600623, S. 274, 275.
  7. ↑ Ordentliche Mitglieder. In: Katalog Ausstellung Öst. Künstlerbund, Salon Pisko, 11. Dezember 1913 bis 7. Jänner 1914 (Digitalisat)
  8. ↑ Verzeichnis der Werke. In: Katalog Ausstellung Öst. Künstlerbund, Salon Pisko, 11. Dezember 1913 bis 7. Jänner 1914 (Digitalisat)
  9. ↑ Die Christliche Kunst: Monatsschrift für alle Gebiete der christlichen Kunst und Kunstwissenschaft, Band 10, Gesellschaft für christliche Kunst, 1913/1914, Beilage S. 37, (Digitalisat).
  10. ↑ Datenbank Totenbuch 1875–1921_EV-TO-1-0208, Totenbuch der Christuskirche Innsbruck, Eintrag Nr. 20/1915 für Julius Bosse (Digitalisat).
  11. ↑ Die Kriegs- und Kunstausstellung in Kufstein. In: Tiroler Grenzbote. Nr. 69, 1. September 1917, S. 4 (tessmann.it).

Anmerkungen

  1. ↑ Das aus diesen Angaben entstandene Werk, das heute im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck aufbewahrt wird und sich in einem schlechten Erhaltungszustand befindet, wurde dort von Ellen Hastaba transkribiert, ergänzt und 2002 neu herausgegeben.
  2. ↑ Dort als Bildtitel vermutlich Falschschreibung „Bergola“ statt „Pergola“.
Personendaten
NAME Bosse, Julius
ALTERNATIVNAMEN Bosse, Julius Ludwig Johann Carl (vollständiger Name); Bosse-Abbazia, Julius; Bosse-Mecklenburg, Julius
KURZBESCHREIBUNG Maler
GEBURTSDATUM 12. April 1873
GEBURTSORT Malchin
STERBEDATUM 21. Mai 1915
STERBEORT Innsbruck