Walter Friedrich Peter Julius Bosse (* 13. November 1904 in Wien; † 13. Dezember 1979 in Iserlohn) war ein österreichischer Keramikkünstler, Designer und Unternehmer.
Bosse wurde als Sohn des Maler-Ehepaares Louise (1878–1929) und Julius Bosse (1873–1915) in Wien geboren. Von 1919 bis 1922 absolvierte Bosse eine Ausbildung an der Wiener Kunstgewerbeschule unter Michael Powolny und Franz Čižek sowie an der Münchner Kunstgewerbeschule unter Adelbert Niemeyer und Richard Riemerschmid. Seit Mitte der 1920er-Jahre hatte er einen kleinen keramischen Betrieb in Kufstein, der 1929 in den Ortsteil Sparchen verlegt und vergrößert wurde. Seine jüngere Schwester Grete (1907–1992) war dort als Modelleurin aktiv.
Am 30. Oktober 1931 heiratete Walter Bosse in der Innsbrucker Christuskirche die Keramikerin Beatrix Bolla (1906–1989), eine Tochter des ungarischen Obersts Gedeon von Bolla de Csáford-Jobbaháza und ältere Schwester der Rechtshistorikerin Sibylle Bolla-Kotek. Die Ehe wurde Anfang Mai 1939 geschieden.
1937 musste Bosse Konkurs anmelden und den Betrieb einstellen. In Wien baute er sich daraufhin eine neue Existenz auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ er Österreich aufgrund ausbleibenden wirtschaftlichen Erfolgs und übersiedelte 1953 nach Weil am Rhein in Deutschland. Seine letzte Wirkungsstätte fand er ab 1955 in Iserlohn.
Im Jahr 1979 starb Walter Bosse völlig verarmt und mittellos im Alter von 75 Jahren im St. Elisabeth-Hospital Iserlohn. Sein Grab auf dem Städtischen Friedhof Iserlohn trug ursprünglich einen Grabstein, der mit seinen bekannten Igel-Aschern aus Messing (die Teile im Bogen geöffnet auf der Grabplatte platziert) gestaltet worden war. Das Grab musste wegen Umgestaltung des Friedhofes im Jahr 2005 weichen. Später wurde an der Stelle des Grabes (die Gebeine des Verstorbenen befinden sich noch in der dortigen Erde) ein Gedenkstein für Walter Bosse angebracht. Der Grabstein wurde von dem Sammler- und Autorenehepaar Johanna und Hans-Hagen Hottenroth gerettet, die das Buch mit dem Titel Walter Bosse. Leben, Kunst und Handwerk 1904–1979 geschrieben hatten. Sie stifteten 2007 den Grabstein dem Bezirksmuseum Innere Stadt in Wien, in dessen Sammlung er zu sehen ist.

Anfänglich entwarf Bosse keramische Figuren, die durch ihre groteske Note auffielen. Lippen, Augen, Finger – eine kindliche Verspieltheit im Darstellen der Mimik seiner Figuren zeichneten diese Entwürfe aus. In diesem Stil arbeitete er für die Tonindustrie Scheibbs. Um 1924 entstanden für die Porzellanmanufaktur Augarten in Wien mindestens vier Figuren. Etwa ab 1926 bis 1930 wurden in der Porzellanfabrik Metzler & Ortloff in Ilmenau (Thüringen) zahlreiche Grotesken nach Entwürfen von Bosse ausgeformt. Einige dieser Figuren wurden auch 1926, 1928 und 1930 in den Fachzeitschriften Die Schaulade sowie Kunst und Kunstgewerbe vorgestellt, aber ohne namentliche Erwähnung der Künstler. Die Modellbücher der Firma, beginnend um 1927, enthalten einige Skizzen seiner Grotesken mit Zuordnung firmeneigener Modellnummern. Manche dieser Figuren finden sich auch in Keramik bei der Wiener Manufaktur F. Goldscheider wieder, für die er von 1928 bis ca. 1932 etliche Objekte entwarf. In der Porzellanfabrik W. Goebel in Oeslau wurden von 1940 bis 1961 etwa 16 Bosse-Entwürfe in Porzellan umgesetzt. Modelleure hierzu waren Reinhold Unger und Theo Menzenbach. Er war zudem nach eigenen Angaben ab 1926 für mehrere Jahre für die Porzellanfabrik Arno Fischer tätig.
Ende der 1940er-Jahre entwickelte er Messingminiaturen in Tierform. Bosses Liebe zu den Tieren fand darin ihren Ausdruck. Gluttöter und Talismane belebten die Wiener Bronzen aufs Neue. Die Modelle entstanden durch Vorbilder aus den zoologischen Gärten als Elefanten, Bären und Hasen; auch der Igel-Ascher ist in diesem Stil entstanden.
Von 1950 bis 1972 war Walter Bosse freier Mitarbeiter der Staatlichen Majolika Manufaktur Karlsruhe; es entstanden ca. 245 Keramik-Figuren. Als freier Mitarbeiter bei der Firma Achatit in Köln-Junkersdorf schuf er von 1958 bis 1961 über 20 Grotesken als Voll- und Halb-Plastiken. Sein Gesamtwerk umfasst etwa 8000 Modelle und Entwürfe, davon etwa 3000 Keramiken.
Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl):
In den 1950er bis 1970er Jahren wurden Bosses Figuren breitbandig angeboten. Sie wurden jedoch auch weltweit gefälscht. Er versuchte, seine Entwürfe zu vermarkten und dafür Lizenzgebühren zu erhalten, wurde aber betrogen und begann einen aufreibenden Instanzenweg vor Gericht. Bosse gilt als der Begründer des modernen Urheberrechtes für Designerware und Kunsthandwerk.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bosse, Walter |
| ALTERNATIVNAMEN | Bosse, Walter Friedrich Peter Julius (vollständiger Name); Bosse-Wien |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Bildhauer |
| GEBURTSDATUM | 13. November 1904 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 13. Dezember 1979 |
| STERBEORT | Iserlohn |