Nach Schule, Architekturstudium, Referendariat im öffentlichen Bauwesen und bestandenen zweiten Staatsexamen wurde Habicht zum Regierungsbaumeister (Assessor) ernannt. 1901 erhielt er eine Anstellung als technischer Hilfsarbeiter im Baubüro der Deutschen Reichsbank, wo er 1906 zum Reichsbankbaudirektor aufstieg. Habicht starb 1912 früh im Alter von nur 38 Jahren; sein Nachfolger im Reichsbank-Baubüro wurde ab 1912 Philipp Nitze.
In den rund zehn Jahren seines Wirkens bis 1912 entstanden mit 94 Projekten die meisten Filial-Neubauten der Reichsbank in allen Teilen des Deutschen Reichs nach Habichts Entwürfen, es kam aber in einzelnen Fällen auch zu einer Zusammenarbeit des Reichsbank-Baubüros mit privaten Architekten.
Grabmal der Familie Habicht in Schmargendorf
Habichts Bankgebäude verwendeten überwiegend Stilelemente der klassischen Antike wie Pilaster und Reliefplatten. Alle Reichsbankbauten heben sich aus der Menge der historistischen Bankgebäude als formal geschlossene Gruppe heraus; ihre Gestaltung vermittelte den gewünschten Reichseinheitsgedanken, steht aber auch im Zusammenhang mit den strikten Vorgaben des unter ökonomischen Aspekten aufgestellten Raumprogramms für alle Reichsbank-Filialen. Architekturhistoriker bezeichnen den Stil auch als „Reichsbank-Historismus“. Beim plastischen Fassadenschmuck arbeitete Habicht ab 1908 mit dem Baukeramiker John Martens und mit dem Bildhauer Julius Kühn zusammen.
Julius Habicht war verheiratet mit Gertraud Habicht (1881–1966), die ihren Mann um 54 Jahre überlebte. Das Ehepaar ist beigesetzt auf dem Berliner Friedhof Schmargendorf. Das von dem Bildhauer Josef Rauch geschaffene Grabmal steht unter Denkmalschutz.
Auch das 1900 bis 1907 erbaute und im Zweiten Weltkrieg zerstörte Gebäude der Rheinisch-Westfälische Bank für Grundbesitz AG (seit 1919 Mitteldeutsche Creditbank, seit 1929 Commerz- und Privatbank AG) in Essen wird Julius Habicht zugeschrieben.
In einem nach seinem Tod erschienenen Sonderdruck der Zeitschrift Der Profanbau sind darüber hinaus folgende weitere Bauten erwähnt:
Hugo Licht (Hrsg.), Philipp Nitze (Vorwort): Julius Habicht †, Berlin (= Sonderdruck der Zeitschrift Der Profanbau). J. J. Arndt, Leipzig o.J. (ca. 1912/1913).
Margit Heinker: Die Architektur der Deutschen Reichsbank 1876–1918. Selbstverlag, Münster/W 1998, ISBN 3-00-003732-2. (Zugleich: Dissertation, Universität Münster/W., 1994)
Lidia Gerc: Architektura Banku Rzeszy w Toruniu na tle dzialalnosci budowlanej Juliusa Habichta (Die Architektur der Reichsbank zu Thorn vor dem Hintergrund der Bautätigkeit von Julius Habicht). Dissertation Torun 1998.
Lidia Gerc: Julius Habicht – architekt Banku Rzeszy. In: Studia z architektury nowoczesnej, Bd. 1, 2000, S. 27–63 (polnisch, mit englischer Zusammenfassung von James Gibbs). – Digitalisat auf journals.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 23. Januar 2026.
↑ David Gropp: Die Reichsbanknebenstelle in Altena. Teil eines neu entstandenen Stadtviertels. In: Denkmalpflege in Westfalen-Lippe, Jg. 2018, Heft 1, S. 4–11. (Digitalisat auf lwl.org, abgerufen am 16. Oktober 2025)
↑Lidia Gerc: Julius Habicht –- architekt Banku Rzeszy. In: Studia z architektury nowoczesnej, Bd. 1, 2000, S. 27–63 (polnisch, mit englischer Zusammenfassung von James Gibbs), hier S. 45f. – Digitalisat auf journals.ub.uni-heidelberg.de, abgerufen am 23. Januar 2026.
↑Hugo Licht (Hrsg.), Philipp Nitze (Vorwort): Julius Habicht †, Berlin (= Sonderdruck der Zeitschrift Der Profanbau). J. J. Arndt, Leipzig o.J. (ca. 1912/1913).
↑Robert Seckelmann: Schwelm-Mitte von 1600 bis heute (Digitalisat)