Kwidzyn

Kwidzyn
Wappen von Kwidzyn
Kwidzyn (Polen)
Kwidzyn (Polen)
Kwidzyn
Basisdaten
Staat: Polen Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Kwidzyn
Fläche: 21,82 km²
Geographische Lage: 53° 44′ N, 18° 56′ OKoordinaten: 53° 44′ 0″ N, 18° 56′ 0″ O
Höhe: 42 m n.p.m.
Einwohner: 36.854
(1. Jan. 2024)
Postleitzahl: 82-500 bis 82-504
Telefonvorwahl: (+48) 55
Kfz-Kennzeichen: GKW
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 55: Nowy Dwór Gdański–Stolno
DK 90: Dąbrówka–Kwidzyn
DW 518: Gniew–Kwidzyn
Eisenbahn: PKP-Strecke 207: Toruń–Malbork
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 21,82 km²
Einwohner: 36.854
(1. Jan. 2024)
Bevölkerungsdichte: 1689 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2207011
Verwaltung (Stand: 2010)
Bürgermeister: Sebastian Piotr Kasztelan
Adresse: ul. Warszawska 19
82-500 Kwidzyn
Webpräsenz: www.kwidzyn.pl

Kwidzyn [ˈkfʲiʣɨn] (kaschubisch Kwidzëno; deutsch Marienwerder) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Pommern und Sitz des Powiats Kwidzyński.

Geographie

Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Preußen, im südwestlichen Teil des mittelalterlichen Pomesanien, der später zum Oberland gehörte. Sie befindet sich fünf Kilometer östlich der Weichsel am Fluss Liebe (poln. Liwa) und etwa 120 Kilometer südsüdöstlich von Danzig.

Geschichte

Wappen von Marienwerder im Plenarsaal des altstädtischen Rathauses in Danzig
Karte von Marienwerder und Umland um 1750
Marienwerder in den 1910er Jahren
Rathaus Kwidzyn
Ordensburg
St.-Johannes-Dom
Dreifaltigkeits- und Mariä-Himmelfahrt-Kirche
Papst-Pius-Kapelle
Synagoge
Postgebäude
Bahnhof Kwidzyn
Kulturzentrum

Bis 1919 war Marienwerder die Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks Marienwerder in der Provinz Westpreußen. Mit der Burg Marienwerder des pomesanischen Domkapitels (Bischofsburg) befindet sich in der Stadt eine der bedeutendsten Burganlagen des Deutschordensstaates. Schon der angelsächsische Seefahrer Wulfstan von Haithabu erwähnte Ende des 9. Jahrhunderts eine Insel namens Quidin im Weichseldelta. Der Name lässt sich auf das prußische („kweita“) wie auf das slawische (polnisch „kwiat“) Wort für „Blume“ zurückführen.

Deutschordensstaat

Der Deutsche Orden hatte unter Hermann Balk 1233 auf einem von den Pruzzen befestigten Hügel auf dem Gebiet des Dorfes Queden (1236 bis 1945 Tiefenau, seither Tychnowy) eine Burg namens Insula sanctae Mariae angelegt. Noch im gleichen Jahr verlegte er sie 5 Kilometer weiter nach Süden auf einen Hügel, der ebenfalls zuvor von den Pruzzen befestigt worden war. Die Stadt Marienwerder selbst legte der Orden wenig später nördlich dieser Burg an und stattete sie mit einer Handfeste aus. Nach Gründung des Bistums Pomesanien kam die Ordensburg 1254 in den Besitz des Bischofs. Er erwählte sie 1285 zu seinem Sitz, residierte aber seit etwa 1300 in Riesenburg (poln. Prabuty). Nördlich der Stadt ließ er von 1264 bis 1284 eine Domkirche errichten. Im Jahre 1322 begann der Bischof dort mit dem Bau der Bischofsburg zur Unterbringung des 1284 gegründeten Domkapitels. Um diese Zeit scheint auch die Lateinschule gegründet worden zu sein. Die heutige Domkirche entstand an Stelle der alten in den Jahren 1344 bis 1355. Sie enthält die Grabmäler dreier Hochmeister und der pomesanischen Bischöfe.

Am 14. März 1440 gründeten in Marienwerder Landadel und Städte des Ordensstaates den Preußischen Bund, der in Opposition zur Landesherrschaft des Ordens trat und sich 1454 gegen die Zusicherung großzügiger Privilegien dem König von Polen unterstellte. Bei der Teilung des bisherigen Ordensgebietes im Zweiten Frieden von Thorn blieb Marienwerder dem Ordensstaat erhalten und war fortan dessen einzige Stadt an der Weichsel.

Herzogtum und Königreich Preußen, Deutsches Kaiserreich

Mit der Säkularisation des Ordensstaates 1525 unter Albrecht I. wurde die Stadt lutherisch und Teil des Herzogtums Preußen. Im Jahre 1540 begann der Abriss der Ordensburg bis auf einen kleinen Rest. Für den Burghügel südlich der heutigen Altstadt kam der Name Altschlösschen auf. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts gehörte die Lateinschule von Marienwerder zu den bedeutenderen evangelischen Schulen. Im 18. Jahrhundert erlangte die Anstalt die Befugnis zur Entlassung auf die Universität. Ein neues Schulgebäude wurde für das Gymnasium Marienwerder im Zeitraum 1835–1838 errichtet.

Nach der Erweiterung des Königreichs Preußen durch das Preußen königlichen Anteils im Rahmen der Ersten Teilung Polens schuf Friedrich der Große 1773 im preußischen Staat die Provinzen Ost- und Westpreußen, wobei er Marienwerder 1775 als Sitz der Verwaltung Westpreußen zuteilte. Nach den Grenzregelungen des Wiener Kongresses in den Jahren 1815–1818 wurde Westpreußen um Danzig erweitert, welches Marienwerder als Hauptstadt ablöste. Nun wurde es Kreisstadt und Hauptstadt des Regierungsbezirks Marienwerder, der das südliche Westpreußen umfasste. Dem Oberlandesgericht Marienwerder waren die Landgerichtsbezirke Danzig, Elbing, Graudenz, Konitz und Thorn zugeordnet. 1819 gründete hier in Marienwerder der königlich preußische Bauinspektor Salomo Sachs eine exzellente Baugewerkschule, die 15 Jahre Bestand hatte. Bis 1820 war er deren Vorsteher und Lehrer. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Marienwerder zwei evangelische Kirchen (darunter der Dom), eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein Gymnasium, ein Amtsgericht, ein Oberlandesgericht und verschiedene gewerbliche Betriebe.

Von 1871 bis 1918 war Marienwerder Sitz des Landkreises Marienwerder im Regierungsbezirk Marienwerder der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.

Nach dem Ersten Weltkrieg hatten die Bestimmungen des Versailler Vertrags die Schaffung des Polnischen Korridors zur Ostsee auf westpreußischem Territorium und damit die Auflösung der Provinz Westpreußen zur Folge. Am 11. Juli 1920 stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Marienwerder mit über 92 Prozent für den Verbleib bei Deutschland, während der Rest der Provinz ohne Abstimmung zwischen Deutschland, dem Polnischen Korridor und der Freien Stadt Danzig aufgeteilt wurde. In der Stadt Marienwerder hatten 7811 Einwohner für den Anschluss an Ostpreußen und 362 für den an Polen gestimmt. Daraufhin kam der Osten der Provinz Westpreußen als Regierungsbezirk Westpreußen mit Sitz in Marienwerder bis 1939 zur Provinz Ostpreußen. Nach dem Überfall auf Polen gehörte Marienwerder von 1939 bis 1945 zum Reichsgau Danzig-Westpreußen im Deutschen Reich.

Polen

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Marienwerder im Januar 1945 von deutscher Seite evakuiert. Einige Wochen später besetzte die Rote Armee die Stadt. Das unzerstört gebliebene Marienwerder diente von März bis November der 2. Weißrussischen Front als Lazarettstadt. Es kam zu mehreren Bränden, denen die Altstadt zum Opfer fiel. Gemäß dem Potsdamer Abkommen kam Marienwerder unter die Verwaltung der Volksrepublik Polen. Sie benannte Marienwerder in „Kwidzyn“ um und ersetzte die vertriebene Einwohnerschaft vollständig durch Polen. Die in Marienwerder abgeräumten Trümmer gingen als Baumaterial nach Warschau. Seit 2002 wird die Altstadt auf historischem Grundriss wiederaufgebaut.

Demographie

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1400ca. 700
1572ca. 700nicht viel mehr
17823.156meistens evangelisch-lutherische Deutsche; Marienwerder war Regierungssitz der neuen Provinz Westpreußen mit Kulmerland, Pomesanien, Pommerellen und Teilen Großpolens geworden
17833.297davon 124 Personen von der Garnison (eine Schwadron eines Depot-Bataillons)
18315.060
18647.373davon 6.360 Evangelische und 661 Katholiken
18717.172darunter 6.300 Evangelische und 620 Katholiken
18757.580
18808.238
18908.552davon 6.732 Protestanten, 1.542 Katholiken und 226 Juden
19009.686mit der Garnison (eine Abteilung Feldartillerie Nr. 71), davon 1.868 Katholiken und 160 Juden
190511.819
191012.983am 1. Dezember, davon 12.408 mit deutscher Muttersprache (9.730 Evangelische, 2.383 Katholiken, 145 Juden, 150 Sonstige), 346 mit polnischer Muttersprache (vier Evangelische, 338 Katholiken, vier Sonstige, 291 Einwohner benutzen die deutsche und eine andere Sprache); nach anderen Angaben davon 9.758 Evangelische, 2.824 Katholiken und 145 Juden (1.077 Militärpersonen)
192513.721davon 10.712 Protestanten, 2.724 Katholiken, 14 andere Christen und 190 Juden
193013.860meistens Protestanten, davon 2.870 Katholiken, 195 Juden und 290 Sonstige
193315.548davon 12.197 Protestanten, 3.073 Katholiken, 23 andere Christen und 169 Juden
193919.723davon 14.788 Protestanten, 4.307 Katholiken, 122 andere Christen und keine Juden
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs
Jahr196520062019
Anzahl Einwohnerca. 13.00037.81438.444

Bauwerke

Verkehr

Im Bahnhof Kwidzyn trifft die nicht mehr im Personenverkehr betriebene Bahnstrecke Prabuty–Kwidzyn auf die Bahnstrecke Toruń–Malbork. Früher begann hier auch die Strecke nach Freystadt i. Westpr.

Seit 2013 ist Kwidzyn über die neu angelegte Landesstraße 90 und die Weichselbrücke bei Kwidzyn wieder mit der anderen Seite der Weichsel verbunden.

Sport

Der MMTS Kwidzyn spielt in der höchsten polnischen Handballliga.

Landgemeinde Kwidzyn

Die Landgemeinde Kwidzyn, zu der die Stadt selbst nicht gehört, umfasst eine Fläche von 207,25 km² und hat 11.405 Einwohner (Stand 1. Januar 2024).

Städtepartnerschaft

Wappen in Partnerstadt Celle
Wappen in der deutschen Partnerstadt Celle (Metallplakette)

Kwidzyn unterhält seit dem 18. Oktober 1953 eine Städtepartnerschaft mit Celle in Niedersachsen.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Ehrenbürger

Sonstige

  • Otto Friedrich von der Groeben (1657–1728), preußischer Forschungsreisender und polnischer Generalleutnant, Grabdenkmal im Dom der Stadt
  • Christian Ludwig Paalzow (1753–1824), Jurist und Schriftsteller, war Kriegs- und Domänenrat sowie Justiziar in der Stadt
  • Heinrich Jacob Heidenhain (1808–1868), 37 Jahre lang praktischer Arzt, Gemeindearzt, Operateur, Geburtshelfer und Stadt-Armenarzt
  • August Kind (1824–1904), Oberbauinspektor in der Bauabteilung der Bezirksregierung, deutscher Architekt und Baubeamter der Reichspost
  • Franz Bulitta (1900–1974), Kaplan an der kath. Kirche von 1933 bis 1936 ebd.

Siehe auch

Literatur

Commons: Kwidzyn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 Area and population in the territorial profile in 2024. Abgerufen am 7. September 2025.
  2. ↑ Johannes Voigt: Geschichte Preußens, von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des deutschen Ordens. Band 2. Königsberg 1827, S. 234 ff.; Textarchiv – Internet Archive.
  3. 1 2 L. Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 76–77
  4. 1 2 3 Marienwerder. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 13: Lyrik–Mitterwurzer. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1908, S. 299 (Digitalisat. zeno.org).
  5. ↑ Herbert Marzian, Csaba Kenez: Selbstbestimmung für Ostdeutschland - Eine Dokumentation zum 50. Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920. Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 117
  6. ↑ Eine Stadt als Kriegsschauplatz. Bericht über eine polnisch-deutsche Historikertagung im Jahre 2004: Mitteleuropa.de, dort auch die Information zur unerforschten Herkunft der Neusiedler.
  7. 1 2 3 4 Erich Weise (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Ost- und Westpreußen (= Kröners Taschenausgabe. Band 317). Unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1966. Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 133–136.
  8. 1 2 Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil II. Marienwerder 1789, S. 3–6; Textarchiv – Internet Archive.
  9. ↑ August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 441–444; Textarchiv – Internet Archive.
  10. ↑ E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder. Danzig 1868, S. 106–107, Nr. 158; Textarchiv – Internet Archive.
  11. ↑ Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage. Band 2. Berlin 1874, S. 48–49, Ziffer 2.
  12. 1 2 3 4 5 6 Michael Rademacher: Westpreußen – Landkreis Marienwerder. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  13. ↑ Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Heft III: Regierungsbezirk Marienwerder. S. 40–41, Ziffer 2: Marinwerder.
  14. ↑ Marienwerder, Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon. Ausgabe 1912, und alter Landkarte der Umgebung von Marienwerder.
  15. ↑ Der Große Brockhaus. 15. Auflage. Band 12. Leipzig 1932, S. 143.